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Die Garde der Unsterblichen

12. August 2020

So langsam habe ich es echt satt, dass gefühlt jeder neue Action-Film (und ganz besonders jeder neue Netflix-Action-Film) sich dem John-Wick’schen Gun Fu annimmt. Überall besteht die Action nur noch aus krassen Kampfmoves, gepaart mit einer Schusssicherheit, bei der jede Kugel genau das Ziel trifft. Man möchte meinen, der Stunt-Choreograph der John-Wick-Reihe hat fürs Leben ausgesorgt. Und ja, das sieht schon alles auch immer irgendwie cool aus, aber wenn man es einfach immer und immer wieder sieht, verliert es den Reiz. Aber einmal geht noch… und deswegen kommt jetzt „The Old Guard“, eine Comic-Verfilmung mit Charlize Theron.

Andy (Theron) ist eine Unsterbliche, die so lange lebt, dass sie sogar einmal als Göttin verehrt worden ist. Mittlerweile führt sie eine kleine Truppe von Unsterblichen an, mit denen sie für Recht und Ordnung kämpft. Dabei geraten sie jedoch dieses Mal in eine Falle, die ihnen ihr Kontaktmann Copley (Chiwetel Ejiofor) stellt. Der arbeitet nämlich mit dem Wissenschaftler Merrick (Harry Melling), der hinter das Geheimnis der Unsterblichkeit kommen will. Als wäre das alles aber noch nicht genug, taucht plötzlich eine neue Unsterbliche auf, die Soldatin Nile (KiKi Layne), die in das Leben der „Old Guard“ eingeführt werden muss.

Wie gesagt, es ist wieder mal ein Film mit Gun-Fu. Das wird jetzt mal noch damit vermischt, dass die ab und zu auch mit Schwertern und Äxten um sich kloppen, weil sie ja schon so alt sind. Irgendwie schafft es Regisseurin Gina Prince-Bythewood aber nicht wirklich, aus diesem Konzept irgendwas spannendes zu machen. Die Story ist generischer Scheiß, stinkend langweilig und absolut vorhersehbar. Böser Wissenschaftler, Verräter und ein bisschen Action. Im ganzen Comic-Film-Universum sticht „The Old Guard“ da nicht sonderlich hervor. Weder mit der Action, noch mit der Story.

Die Charaktere sind leider auch alle recht unspektakulär. Theron gibt sich zwar alle Mühe, aber irgendwie sehe ich in diesem Film die ganze Zeit nur ihren Charakter aus „Atomic Blonde“ – und es würde mich nicht einmal wundern, wenn sie da irgendwann mal eine Verbindung zu schaffen 😀 würde zumindest für eine lustige Film-Theorie ausreichen. Auch der Rest des Casts ist halt irgendwie da. Ich find’s schade, dass das Drehbuch es verpasst, diesen durchaus interessanten Figuren nicht mehr Tiefe zu geben. Immerhin wurde der eine im Krieg gegen Napoleon getötet, die anderen beiden haben sich während der Kreuzzüge gegenseitig umgebracht. Ich hätte mir ein paar mehr Flashbacks in diesem Film gewünscht, die auf die Vergangenheit dieser Garde eingehen. Das ist doch das, was mich an diesen Leuten interessiert. Wenn die Story in der Gegenwart schon so langweilig generisch ist, macht doch wenigstens die Vergangenheit spannender und lasst sie nicht zu einem kurzen Kommentar in einem Gespräch verkommen.

Auch verpasst der Film seine größte Chance, spannend zu sein, in dem er die emotionalste Geschichte nicht nutzt. Im Film erzählt wird uns von Andy und ihrer Begleiterin Quynh (Van Veronica Ngo) erzählt. Die beiden wurden einst als Hexen angeklagt und Quynh wurde in eine eiserne Jungfrau gesteckt und im Meer versenkt, wo sie ertrinkt, stirbt, wieder zum Leben erwacht, wieder ertrinkt und stirbt. Andy macht sie wegen ihr große Vorwürfe, konnte ihre einstige Freundin aber nie finden. In dieser Sequenz steckt die viel interessantere Story für „The Old Guard“:

Hätten Copley und Merrick mit all ihren Möglichkeiten nicht Quynh finden können? Die hätten sie für ihre Zwecke benutzen wollen, nur um zu merken, dass sie durch ihre Tortur total verrückt geworden ist. Quynh übernimmt dann die Kontrolle und jagt ihre einstige Freundin, weil sie ihr in ihrem Wahn die Schuld für alles gibt. Das wäre dann wenigstens eine emotionale und persönliche Geschichte gewesen. Da hätte die Antagonistin wenigstens mehr Profil als dieser Merrick und Copley, der das alles macht, weil seine Frau gestorben ist.

Aber gut, ein zweiter Teil ist ja wohl schon in Arbeit und das Ende des Films macht das ja auch sehr deutlich. Leider gelingt es „The Old Guard“ nicht, da irgendeine Art der Vorfreude aufkommen zu lassen. Der Film ist nicht mehr als so lala… die Action hat man halt schon tausendmal und besser gesehen, die Story hätte sehr viel besser sein können und die Charaktere auch. So ist „The Old Guard“ einmal mehr so einer dieser Netflix-Filme, bei denen ich mich frage, warum ich mir den Quatsch überhaupt noch anschaue…

Wertung: 4 von 10 Punkten (der Film verpasst seine Chance, eine wirklich interessante Geschichte zu erzählen und langweilt uns lieber mit generischem 08-15-Quatsch)

6 Kommentare leave one →
  1. 13. August 2020 13:11

    Charlize Theron war lange nicht mehr so versteckt wie in dem hier. Generischer Scheiß trifft es bei dieser Reißbrettkonstruktion sehr gut und dann ist da noch dieser seltsame Soundtrack, das einzige was noch in meiner Patina von diesem Machwerk übrig ist.

    • donpozuelo permalink*
      13. August 2020 18:11

      Theron war auch total verschenkt. Frage mich da wirklich, was sie an dem Projekt gereizt hat. Offensichtlich hat Netflix einen guten Scheck geschrieben…

      • 13. August 2020 18:29

        Theron ist ne großartige Schauspielerin, aber ihre Rollenauswahl hat schon so ein paar Graupen wie den hier oder Gringo, Aeon Flux und Konsorten drinnen.

        • donpozuelo permalink*
          13. August 2020 18:40

          Das ist sie und ja, die hatte sie.

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