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Random Sunday #35: The Last of Us Part II

9. August 2020

Als Zocker hat man immer große Erwartungen an einen ohnehin schon großartigen ersten Teil. So bin ich schon jetzt wahnsinnig gespannt, wie „Horizon: Forbidden West“ „Zero Dawn“ weiterführen wird. So war ich auch gespannt, wie es nach „Uncharted“ im zweiten Teil weitergehen würde und und und. Generell widersetzen sich Spiele ja häufig dem Sequel-Gesetz von Filmen, wo ein zweiter Teil nicht unbedingt immer so gut ist wie der erste. Ausnahmen bestätigen da natürlich die Regeln. Doch gerade bei Spielen entwickeln die Spielemacher alles noch weiter, merzen Sachen aus, die Gamer am ersten Teil noch „gestört“ haben und liefern noch größer und besser ab.

Dementsprechend hoch waren dann auch die Erwartungen an „The Last of Us Part II“. Denn der erste Teil wird von sehr vielen Leuten als eines der besten Spiele überhaupt gefeiert. Vollkommen zu Recht, wie ich finde. Es ist einfach ein großartiges Spiel. Ein spielbares Road-Movie mit Survival-Charakter. Die Geschichte zwischen dem grummeligen Joel und der jungen Ellie ist großartig. Die Welt nach der Apokalypse ist aufregend und bevölkern von Menschen, die dir an die Kehle wollen und fiesen von Pilzen infizierten, die das Gleiche vorhaben.

„The Last of Us“ habe ich schon unzählige Male gespielt und bekomme davon nicht genug. Deswegen habe ich mich sehr auf „Part II“ gefreut… doch dann hagelte es erste harsche Kritiken von Fans. Das Spiel und vor allem sein Regisseur Neil Druckmann wurden scharf angegriffen. Ich wollte das nicht wahrhaben und hielt mich auch zurück, irgendwas darüber zu lesen, um nicht auch noch gespoilert zu werden. Doch der bittere Nachgeschmack blieb. Was könnte es nur sein, dass die Leute so an diesem Spiel hassen?

Dann war es endlich soweit und auch ich konnte endlich in die Welt von „The Last of Us Part II“ eintauchen. Vier Jahre nach den Ereignissen von Teil 1 erleben wir eine neue Welt: neue Gegner (ein komischer religiöser Kult und eine neue Miliz), weiter entwickelte Infizierte, die noch ein bisschen fieser sind.

Um erstmal spoilerfrei zu bleiben: Ich liebe dieses Spiel. Die Gegend rund um Seattle ist mal wieder aufregend. Die Schleichpassagen waren spannend, die Kämpfe herausfordernd – sowohl gegen Menschen als auch gegen Infizierte. Aber ich liebe das, vor allem, wenn ich schleichend durch das hohe Gras robben kann. Ellie bekommt in diesem Spiel sehr viele Neuerungen, die wirklich gut eingesetzt werden können und somit das Abstechen von Gegnern noch aufregender macht.

„The Last of Us Part II“ ist aber auch ein Spiel, dass mich wirklich sämtliche Emotionen hat durchleben lassen. Dieses Spiel brachte mich an den Rand der Verzweiflung. Es gab Momente, da weigerte ich mich einfach, weiterzuspielen – aus Hass, aus Trauer, aus Resignation. Teil 2 stellte mich vor Aufgaben, die ich nicht machen wollte und die ich dann doch irgendwie tat… nur dass ich mich danach echt schmutzig fühlte. Gleichzeitig erschuft das Spiel aber auch unglaublich schöne und berührende Momente, die teilweise noch intensiver waren als im ersten Teil – gerade, weil einem diese Charaktere auch so ans Herz gewachsen sind.

Es ist emotional kein leichtes Spiel, das gebe ich zu. Neil Druckmann fällt Entscheidungen, die sich anfühlen wie ein Stich ins Herz. Daher kann ich den Aufschrei von Fans in gewisser Weise auch nachvollziehen. Allerdings ist die Entwicklung der Geschichte so strukturiert, dass man die Entscheidungen – in meinen Augen zumindest – auch sehr gut nachvollziehen kann.

Von daher begebe ich mich jetzt mal in hartes Spoiler-Territorium und gehe auf die drei Punkte ein, die „The Last of Us Part II“ so krass machten. Deswegen noch einmal SPOILER-Warnung (ich weiß, normalerweise mache ich sowas ja eher nicht, aber bei diesem Spiel ist es mir ein großes Bedürfnis, auf solche Sachen einzugehen).

SPOILER — SPOILER — SPOILER — SPOILER — SPOILER — SPOILER — SPOILER

Der härteste Schlag

Es fängt alles so an, wie man es sich vorstellt. Wir spielen als Ellie, begeben uns ein wenig auf Patrouille und töten ein paar Infizierte. Dann auf einmal spielen wir einen neuen Charakter einer neuen Gruppe, die ausgerechnet vor Jackson, Ellies und Joels neuer Heimat herumlungern: Abby. Die hat es offensichtlich auf Joel abgesehen… und bekommt ihn sogar in die Finger. Schnitt wieder zu Ellie, mit der wir Joel nun retten wollen und es nicht schaffen… wir müssen mit ansehen, wie Abby Joel mit einem Golfschläger zu Brei haut.

Da war ich erst einmal erledigt. Das war dieser Negan-Moment aus „The Walking Dead“ Staffel 7, wenn er mal eben Glenn und Abraham zu Mus verarbeitet. Das war zu viel. Ich wollte schreien, den Controller an die Wand werfen. Wie kann es Druckmann nur wagen, diesen geliebten Charakter vor unseren Augen einfach nach nur zwei Stunden Spielzeit zu töten.

Für viele Fans war damit das Spiel schon beendet. Ich habe mittlerweile einiges darüber gelesen und ja, den anfänglichen Schock kann ich absolut nachvollziehen. Mir erging es genau so. Man erwartet nicht von einem zweiten Teil, dass da einfach mal der Hauptcharakter aus dem ersten umgebracht wird.

Aber „The Last of Us Part II“ macht es… und daraufhin geht Ellie auf Rachefeldzug und jagt die Menschen hinter dieser Tat. So verfolgen wir Abbys Gruppe und töten sie einem nach dem anderen. An diesem Punkt fand ich dann die Story nicht ganz so stark, weil es eben „nur“ ein Rachefeldzug war. Es hatte nicht die gleiche Tragweite wie im ersten Teil.

Gleichzeitig ignorierte das Spiel dabei zum größten Teil Ellies Begleiter: ihre Freundin Dina darf mal mitkommen, liegt dann aber irgendwann einfach nur noch in einem alten Kino rum. Das Gleiche passiert mit Jesse, Dinas Ex, der darf auch nur mal in den wichtigen Momenten auftauchen und das war’s.

Story-technisch war ich da etwas enttäuscht, auch wenn es spielerisch sehr viel Spaß gemacht hat.

Jetzt sei Abby!

Irgendwann nach drei Tagen, die man als Ellie spielt, verändert das Spiel die Perspektive und man muss nun die gleichen drei Tage wiederholen – nur dieses Mal als Abby. Also ein bisschen die „Rashomon“-Variante von „The Last of Us Part II“.

Ich wollte erst gar nicht. Wirklich! Ich hatte keine Lust, dieses Monster zu spielen. Sie hatte Joel umgebracht. Nur sehr widerwillig begann ich damit, Abby durch Seattle zu steuern. Nur sehr widerwillig ging ich mit ihr auf Jagd… doch hier kommt dann das Tolle zutage.

Druckmann erzählt Abbys Geschichte. Ihr Vater war in Teil 1 der Arzt, der Ellie untersuchte, der die Möglichkeit hatte, ein Heilmittel herzustellen – doch dafür in Kauf nahm, Ellie zu töten. Wir alle wissen, dass Joel das verhinderte, indem er den Arzt und sein Team tötete.

… und auf einmal war alles anders. Je länger man Abby spielte, je mehr man von ihrer Vergangenheit erfuhr, desto mehr versteht man sie. Es ist halt einfach ein Perspektiv-Wechsel. Hätten wir „The Last of Us“ aus Abbys Sicht gespielt, wären wir nur zu gerne hinter Joel hergejagt und hätten ihn nur zu gerne mit einem Golfschläger zu Brei gehauen.

Es ist das traurige Prinzip der Rache, das uns Druckmann hier auf die gemeinste, aber wirkungsvollste Art durchleben lässt. Wie sangen schon die Ärzte: Gewalt erzeugt Gegengewalt. Und natürlich schmerzt es, wenn man das aus der Sicht von Charakteren betrachtet, die man ein Spiel lang lieben gelernt hat.

Als Abby zu spielen, ist nicht einfach… weil Druckmann nicht erst ihre Beweggründe erklärt, sondern uns erst vor vollendete Tatsachen stellt. Das ist effektiv, aber sehr, sehr fies.

Gleichzeitig fand ich es dann im Verlauf auch sehr toll, dass sich das eigene Spielen mit Abby dann auch etwas verändert. Im Gegensatz zur fast schon zarten Ellie ist Abby muskelbepackt und spielt sich auch viel körperlicher, was ihrem Charakter auch beim Spielen eine ganz andere Gewichtung gab.

Das Einzige, was ich ein wenig öde fand, waren die Seraphiten, diese Gemeinde von Fanatikern. Die waren nicht sonderlich stark ausgearbeitet und eben einfach nur da, um böse zu sein. Die hätte ich nicht wirklich gebraucht.

Töten oder nicht töten, das ist hier die Frage.

Druckmann stellt uns am Schluss noch einmal vor eine fiese Aufgabe. Als Abby kommen wir Ellie endlich auf die Spur und müssen gegen Ellie kämpfen. Sorry… auch das konnte ich erst nicht. Ich ließ mich von Ellie bestimmt drei, vier Mal töten, bevor ich es wagte, gegen sie die Hand zu erheben. Das war echt nicht einfach.

Doch der Kampf geht am Ende, so brutal er auch ist, unentschieden aus. Abby verschwindet, Ellie gründet mit Dina eine Familie und alles ist gut. Hier wäre schon ein tolles Ende für Teil 2 gewesen. Aber Druckmann gibt Ellie Alpträume und anschließend einen letzten Hinweis, wo Abby sich versteckt hält.

Als Ellie begeben wir uns also auf die Suche, finden Abby nach einigen Kämpfen gegen eine fiese Truppe von Sklavenjägern und es kommt zum Showdown. In einem brutalen letzten Kampf treten Abby und Ellie gegeneinander an.

Und auch hier wollte ich nicht. Weil es mir so wehtat… weil Ellie alles aufgegeben hatte, nur um diese Frau zu jagen. Aus welchem Grund? Nur um Joel zu rächen? Das bringt ihn auch nicht wieder zurück. Aber natürlich ist Rache ein gemeiner Teufel… und Ellie will ihren Kampf.

Ich war froh, als der damit endete, dass Ellie Abby dann doch ziehen ließ. Auch hier wieder die Aufreger: Sie hätte sie töten sollen, lese ich überall. Warum? Hätte das irgendwas gebracht? Hat Abby das wirklich verdient?

Wer wirklich Abbys Tod will, hat die Lektion von diesem Anti-Rache-Drama nicht verstanden. Rache bringt nichts. Sie hat Abby nichts gebracht, sie hat auch Ellie nichts gebracht. Beide Frauen haben dadurch nur noch mehr verloren…

Ich finde, „The Last of Us Part II“ macht in diesem Sinne ein starkes Statement und erzählt die Geschichte von Teil 1 auf die beste und aufregendste Weise weiter. Dass wir als Spieler dabei emotional auf eine extreme Achterbahnfahrt genommen werden, macht das Spiel nur noch besser. Allerdings werde ich einige Zeit brauchen, um das alles zu verarbeiten und um das Ganze dann noch einmal spielen zu können.

So, das war jetzt der längste Artikel, den ich je auf diesem Blog geschrieben habe. Wenn du es bisher hierhin geschafft hast, du Lesebegeisterter Mensch, dann danke ich dir!

2 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    9. August 2020 11:06

    „So, das war jetzt der längste Artikel, den ich je auf diesem Blog geschrieben habe. Wenn du es bisher hierhin geschafft hast, du Lesebegeisterter Mensch, dann danke ich dir!“

    Gern geschehen 😉

    Hoffentlich gibt es niemals einen Film dazu. So wie damals als nach dem Beginn der Neuauflage von Tomb Raider leider ein Film raus kam..

    • donpozuelo permalink*
      9. August 2020 11:31

      🤣🤣🤣

      Danke, danke.

      Naja… die Hoffnung kann ich dir schon mal nehmen. HBO plant schon eine Serie zu den Spielen.

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