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Funk aus dem All

5. August 2020

Ich liebe „Akte X“. Das habe ich auf diesem Blog wahrscheinlich schon mal an der ein oder anderen Stelle angemerkt. Diese Serie hat mich dazu gebracht, mich jahrelang durch alle mögliche UFO-Literatur zu lesen, die ich so auftreiben konnte. Deswegen habe ich auch nach wie vor einfach eine Affinität für Filme, in denen es irgendwie um Außerirdische und UFOs geht. Da wurde mir dann letztens von einem Kollegen „The Vast of Night“ empfohlen…

Cayuga, Mexiko, irgendwann in den 50er Jahren: Während die ganze Stadt beim Highschool-Basketball-Spiel versammelt ist, müssen Fay (Sierra McCormick) und Everett (Jake Horowitz) arbeiten. Sie als Telefonistin, er als Moderator beim Radio. Fay hat dabei jedoch immer wieder Schwierigkeiten: Anrufe werden abgebrochen, merkwürdige Funksignale stören die Verbindung. Als sie Everett eine Aufnahme davon für seine Show gibt, meldet sich ein Zuhörer mit einer unglaublichen Geschichte… als die Beiden der Sache näher auf den Grund gehen wollen, müssen sie feststellen, dass sich über Cayuga etwas merkwürdiges abspielt.

„The Vast of Night“ erinnerte mich sehr stark an den Horror-Film „Pontypool“, in dem ein Radiomoderator in seinem Studio hockt, während draußen ein gefährliches Zombie-Virus ausbricht. „Pontypool“ schafft es dabei, spannend zu bleiben, obwohl wir im ganzen Film nicht einmal das Radio-Studio verlassen. „The Vast of Night“ ist da nicht ganz so stringent, versucht aber das Gleiche. Regisseur Andrew Patterson wechselt immer wieder zwischen Radio-Studio und Fays kleiner Zentrale hin und her. Was heißen soll, viel von „The Vast of Night“ funktioniert einfach nur dadurch, wie die Darsteller miteinander reden.

Das Drehbuch ist hier wichtiger als alles andere… und die Narrative ist wirklich spannend. Erst der Zuhörer, der seine unglaubliche Geschichte erzählt, später dann noch andere „Zeugen“, die ihre Erlebnisse schildern. Die Story, die sich hier entspinnt, ist herrlich, tiefgründig und gut ausgebaut… und dennoch hat dieser Film für mich zwei Probleme: ein großes und ein kleines.

Das große Problem: Der Film ist kein Film. Es ist ein Hörspiel. Patterson lässt die Dialoge und Monologe fast komplett ohne Schnitt laufen – was dann natürlich extrem für die Darsteller spricht, die wirklich umwerfend gut sind und ihre Performance ohne den filmtechnischen Schnickschnack abliefern. Aber es bleibt Theater im besten Sinne, ein Hörspiel im eigentlichen Sinn. Für einen Film ist optisch nicht gerade viel da, was uns als Zuschauer bindet. Ich habe irgendwann bei einem langen Monolog wirklich angefangen, aus dem Fenster zu gucken, weil ich genau wusste, dass der Film mir eh nichts liefert, wegen dem mein Blick dringend auf ihm sein muss.

Ich weiß, das ist sicherlich meckern auf hohem Niveau… aber gestört hat es mich dann doch. Pattersons Film ist für mich einfach kein Film. Die Geschichte fesselt trotzdem, aber die Untermalung der Geschichte fällt eher mau aus. Womit ich dann aber mal direkt zu meinem kleinen Problem komme:

„The Vast of Night“ funktioniert aus zweierlei Gründen: der glaubhaften Performance der Darsteller und dem dadurch entstehen Konstrukt in unserem Kopf. Leider, leider, leider hat Regisseur Patterson gegen Ende hin das starke Bedürfnis, seinen Kopf-Kino-Film doch noch mit etwas Visuellem zu beleben. Ich will an dieser Stelle nicht viel verraten, aber ich hätte am Ende nicht sehen müssen, wovon ich eh schon überzeugt war, dass es über der Stadt Cayuga schwebt. Zumal das auch nicht wirklich gut aussah.

„The Vast of Night“ hat sich für mich wie die Einführung in eine „Akte X“-Episode angefühlt… mit dem Ende des Films habe ich den Cut in Mulders Büro erwartet, in dem er Scully von dem Fall Cayuga erzählt. Erzählerisch fand ich den Film schon wirklich spannend, darstellerisch ist er wirklich gut (da die Schauspieler hier wirklich alles in ihre langen Monologe und ungeschnittenen Dialoge legen), nur filmisch ist er flach.

Angeblich will Patterson aus dem Ganzen ja so eine Anthologie-Reihe machen… was ich cool finden würde, vorausgesetzt, er findet ein bisschen mehr zum Filmemachen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (UFO-Hörspiel mit Bildern)

4 Kommentare leave one →
  1. 5. August 2020 12:46

    Ich mochte den Film sehr, mich hat er aber auch sehr an Akte X erinnert 🙂

    • donpozuelo permalink*
      5. August 2020 14:43

      Schon krass, wie sehr man bei solchen Themen immer noch irgendwie zuerst an Akte X denken muss 🤣🤣🤣

  2. 1. September 2020 14:31

    Den Hörspiel-Gedanken hatte ich beim Schauen auch sofort…

    • donpozuelo permalink*
      1. September 2020 14:32

      Danke. Ich dachte schon, es würde nur mir so gehen 😅

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