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Ende und Anfang

3. August 2020

Es ist geschafft… und leider muss ich das wirklich ein wenig so sagen. Ich sage „Es ist geschafft“ mit einem erleichterten Ausatmer, denn „Dark“ Staffel 3 hat mich mehr herausgefordert als ich gedacht hätte. Und das leider nicht immer auf eine gute Art und Weise. Dabei fing ja alles noch sehr aufregend und mysteriös an: Staffel 1 ist für mich nach wie vor eine der besten neueren Mystery-Serien überhaupt. Da wird nach einem Mörder und Kidnapper gesucht, das Ganze spielt auf drei verschiedenen Zeitebenen und was nicht noch alles. Staffel 2 wurde dann schon ein wenig komplizierter: Hier kamen noch ein paar Zeitebenen dazu, hier wurden Zeitreise-Paradoxa über den Haufen geworfen und jeder war gefühlt Mutter oder Vater von sich selbst. Jetzt also Staffel 3… und weil alles noch nicht kompliziert genug war, kommt jetzt noch ein Paralleluniversum dazu, in dem wir aber zusätzlich auch nochmal durch die Zeit reisen. Aber ich greife vor…

… erspare mir aber an dieser Stelle (wie schon bei Staffel 2) die Inhaltsangabe. Nur so viel vielleicht: Jonas (Louis Hofmann) trauert gerade um den Tod seiner großen Liebe Martha (Lisa Vicari), die von seinem älteren Ich Adam erschossen wurde – kurz vor dem Ausbruch der Apokalypse. Daraufhin erscheint eine andere Martha und nimmt Jonas mit in eine andere Welt. Hier lernt er dann Eva kennen, eine ältere Version von Martha aus der anderen Welt und gemeinsam sollen sie nun den Ursprung von all dem finden und alles irgendwie verhindern.

Es gibt auf Wikipedia eine tolle Grafik zu „Dark“ Staffel 3, die eine Schema der Handlungsabläufe rekonstruieren will. Das Teil kommt einem schon vor, als würde es aus einem Buch zum Thema Quantenphysik stammen. Und auch an dieser Stelle will ich noch einmal Jantje Friese und Baran bo Odar gratulieren. Die Beiden haben möglicherweise den größten Mindfuck der Serien-Geschichte erschaffen. Wie die hier in einer Staffel Ereignisse aus den beiden vorangegangenen Staffeln zusammenschustern und dann noch eine Art zweiter Realität erschaffen, ist schon verdammt bemerkenswert. Ich wette nach wie vor, dass deren Arbeitszimmer noch schlimmer ausgesehen haben muss als diese Grafik. Wirklich, Hut ab.

Doch in der Komplexität liegt für mich in Staffel 3 auch das größte Problem. Zumindest ging es mir so. Ich hatte irgendwann einfach keinen Durchblick mehr. Ich gestehe es einfach: Die Serie war mir zu hoch. Ich meine, überlegen wir mal: Wir bewegen uns auf zwei Welten (die übrigens toll unterschiedlich dargestellt wurden, obwohl sie ja fast identisch sind), in denen wir jeweils mindestens drei verschiedene Zeitebenen haben. Das wird dann noch mit dem schier unglaublichen Cast gepaart, wo jeder Charakter drei verschiedene Versionen von sich hat, deren Zusammenhänge wir uns alle irgendwie merken müssen. Sorry… mir raucht jetzt schon der Kopf, wenn ich das hier nur aufschreibe.

Neben diesen ganzen Sachen verzettelt sich Staffel 3 dann in zu viel Herumgerede von Gottesteilchen, Ursprüngen und was nicht noch alles. Wie schon in Staffel 2 quatschen sich die Charaktere hier einfach zu Tode. Und das zu einem Zeitpunkt, wo ich eh schon nicht mehr weiß, wer jetzt noch mal genau wer ist und warum er oder sie da ist und was für ein Ziel er oder sie gerade verfolgt. Das wird dann immer nur noch davon erschwert, dass alles, was ALLE sagen, immer so sehr geschwollen herüberkommt. Ich konnte irgendwann nicht mehr hören: „Der Anfang ist das Ende“ und „Was wir wissen, ist ein Tropfen. Was wir nicht wissen, ein Ozean.“ Die Lieblingssätze jeder Figur in dieser Serie (wobei ich den zweiten wirklich sehr mag!).

Dieses Gerede war mir teilweise wirklich zu anstrengend, zu philosophisch veranlagt; zu bedeutungsschwanger war einfach jeder Satz. Ich hatte hier mehr denn je das Gefühl, ich müsste mir Notizen machen, weil alles irgendwie wichtig sein könnte. Dadurch wurde Staffel 3 für mich so ein bisschen zu einer Pflichtveranstaltung. Jetzt hatte ich schon die ersten beiden Staffeln durch, da wollte ich jetzt auch wissen, wie man das alles irgendwie zu Ende bringen kann. Doch so richtig viel Spaß hatte ich nicht mehr. Weil ich eh nur noch beobachtete, aber nur zu selten die Zusammenhänge verstand.

ABER… und ja, das ist ein großes „Aber“: Mit dem tatsächlichen Finale rehabilitiert sich „Dark“ auf fast schon wundersame Weise. Erst hatte ich Angst, das wäre eine einzige Erklärbär-Folge, in der alles noch einmal besprochen wird. Was auch irgendwie der Fall ist, aber es passt… das Finale findet eine gute Erklärung für das ganze Chaos (auch wenn einige Fragen weiterhin unbeantwortet bleiben). Eine Erklärung, die so genial wie simpel ist und dadurch noch mehr fasziniert. Das hebt alles schon wieder ein wenig höher und greift das Chaostheorie-Konzept vom Schmetterling gut für die Serie auf. Ein kleines Schmetterlingsflattern sorgt für Chaos in zwei Welten auf mehreren Zeitebenen. Nicht schlecht!

Somit wurde ich nach einer anstrengenden Sichtung wenigstens mit einem wirklich starken Finale entlohnt… und muss mir jetzt wenigstens nicht mehr ganz so dumm vorkommen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (clever kompliziert, aber irgendwo auch einfach zu kompliziert)

3 Kommentare leave one →
  1. 25. August 2020 19:59

    Ah, die Besprechung vor der ich so lange Angst hatte XD War ja gar nicht so schlimm 😉 Ich finde es jedenfalls gut, dass du sagst „war mir jetzt zu kompliziert-verschwurbelt“ anstatt dass du es mit einem „alles kacke“ abtust oder sowas. Was die pathetischen Sätze betrifft, ging es mir übrigens ganz ähnlich. So in Staffel 1 und 2 alleine waren die cool, aber wenn dann Staffel 3 alles so übermäßig wiederholt wird, wird es halt nicht zwingend cooler.
    Aber zum Rest der Serie kennst du ja meine Meinung 😀

    • donpozuelo permalink*
      26. August 2020 08:21

      Ich stehe durchaus dazu, dass ich irgendwann nicht mehr wirklich durchgeblickt habe. Ich war wirklich nur noch ein zuschauender Zuschauer. Aber das Finale hat dann für mich echt wieder viel gut gemacht.

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  1. Temporale Kriegsführung | Going To The Movies

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