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Filmreise Etappe #41: Auf der Jagd nach Jadefuchs

31. Juli 2020

Neue Kategorie, neue Filme. Ab jetzt dreht sich alles um die „Konzertreise“ und dabei natürlich vor allem um Musik. Die ersten drei Filme dieser Kategorie verlangen Filme aus drei Jahrzehnten, die für ihre Filmmusik einen Oscar bekommen haben. Für mich tatsächlich eine spannende Kategorie, gehe ich mit der Musik in Filmen doch meist sehr stiefmütterlich um. Dabei ist Musik ein essenzieller Teil von Filmen… von daher ist das hier genau meine Kategorie, die mich mal wirklich ein bisschen mehr zwingt, der Musik Beachtung zu schenken. Für meinen ersten Film habe ich mir mal einen Film rausgenommen, den ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen habe: „Tiger & Dragon“ von Ang Lee.

Schwertmeister Li Mu Bai (Chow Yun-Fat) will sein berühmtes Schwert abgeben und dem Kämpfen entsagen. Deswegen gibt er seiner Freundin, der Schwertkämpferin Xiu Lan (Michelle Yeoh), das Schwert, damit sie es dem Prinzen übergibt. Doch am Hofe wird das Schwert gestohlen… und schnell wird klar, dass es sich beim Dieb um einen Komplizen von Jadefuchs handelt. Jadefuchs tötete einst Li Mu Bais Meister. Li Mu Bai und Xiu Lan machen sich auf die Suche nach dem Schwert.

„Tiger & Dragon“ war für mich die Einstiegsdroge in das Wuxia-Genre. Allgemein bescherte der Film dem Genre ein großes Aufsehen. Nominiert für 10 Oscars (unter anderem auch „Bester Film“) gewann der Film 4 der Trophäen (unter anderem eben auch für „Beste Filmmusik“) und bescherte dem Genre des chinesischen Historienfilms gepaart mit Aufsehen erregenden Schlachten und Kämpfen ein Hoch im Westen – denn natürlich dürfen wir nicht vergessen, dass in China das Genre schon sehr lange existierte. Nach „Tiger & Dragon“ schwappten mehr dieser Filme auch auf den westlichen Kinomarkt und wurden vor allem wegen ihre Opulenz und ihrer Bildgewalt gefeiert.

Ang Lee serviert hier eine spannende Geschichte mit vielen Ebenen, bei denen die von Li Mu Bai und Xiu Lan nur eine ist. Wichtiger noch ist die der Gouverneurstochter Jiao Long (Zhang Ziyi), die eng mit dem Schwert verbunden ist. Erzählerisch springt Lee gekonnt von der Gegenwart in die Vergangenheit – unterbricht seinen Film teilweise für recht lange Rückblenden, die das Geschehen in der Gegenwart in ein anderes Licht rückt. Ich will nicht sagen, dass die Story jetzt komplex ist, aber sie fordert schon ein wenig Aufmerksamkeit.

Was neben der Geschichte natürlich besonders beeindruckend war, als ich den Film das erste Mal sah – und was heute noch immer beeindruckend ist – sind natürlich die Kämpfe. Die Action in diesem Film ist der Wahnsinn, verlangt aber vom Zuschauer auch ein wenig Fantasie. Wenn die Kämpfer leicht wie Federn durch die Luft gleiten, kann dem Ein oder Anderen das schon etwas albern vorkommen. Wenn der große letzte Kampf in den Wipfeln eines Bambuswaldes stattfindet, mag das für manch einen sehr bescheuert wirken. Aber wenn man sich darauf einlässt und eben auch weiß, dass das Wuxia-Genre starke phantastische Elemente in sich trägt, erlebt man ein Kampf-Ballett der besonderen Art. Die Choreographien sind wirklich der Wahnsinn. Ang Lee inszeniert die Kämpfe mal richtig schnell, mal fast schon meditativ langsam. Seine Darsteller schenken sich dabei nichts und geben alles. Mein Lieblingskampf ist – damals wie heute – der zwischen Michelle Yeoh und Zhang Ziyi, in dem Yeoh von einer Waffe zur nächsten wechselt. Hammer… Für jeden Kampfsport-Filmfan ein absolutes Highlight.

Die Tatsache, dass die dabei wie Superhelden durch die Luft schweben und dabei die wildesten Drehungen machen, hat mich nie gestört. Gerade diese Lufttänze finde ich faszinierend. Das hat etwas Träumerisches, Verzaubtertes an sich. Es wirkt auf der einen Seite absolut surreal, auf der anderen Seite lässt einen der Film auch glauben, es wäre das Normalste auf der Welt. Und dadurch, dass Ang Lee uns in „Tiger & Dragon“ wirklich sehr viele, sehr tolle Kampfsequenzen bietet, kann man sich daran einfach nicht satt genug sehen.

Für dieses Kampf-Ballett liefert Komponist Tan Dun den perfekten Klangteppich. Dabei ist mir jetzt mal aufgefallen, wie unaufgeregt der Soundtrack ist. Er passt sich in seinen sehr traditionellen Klängen den leichten Kämpfen an. Wo ein andere Komponist auf die volle Bandbreite seines Orchesters gehen würde, untermalt Tan Dun jede Sequenz mit einer fast schon meditativen Melodie, die mal lauter und mal leiser wird, aber immer genau den Punkt trifft. Der Soundtrack zu „Tiger & Dragon“ ist wirklich bemerkenswert. Er ist kraftvoll, ohne aufdringlich oder laut zu sein. Er ist einfühlsam, ohne kitschig zu wirken. Er spielt sich nicht in den Vordergrund und ist doch wichtiger Bestandteil des Balletts, ohne den alles einfach nicht funktionieren würde. Klar, das sagt man ja irgendwie immer bei Filmmusik, aber hier trifft es – finde ich – besonders zu.

„Tiger & Dragon“ bleibt ein toller, toller Film, der mir dieses wunderbare Genre näher gebracht hat und der allein schon deswegen immer einen besonderen Platz in meinem Filmliebhaberherzen haben wird.

Wertung: 9 von 10 Punkten (atemberaubend schöner Film mit eindrucksvollen Kämpfen)

18 Kommentare leave one →
  1. 31. Juli 2020 09:29

    Großartiger Film, liebe ich sehr. Hatte mich damals im Kino völlig umgehauen.

    • donpozuelo permalink*
      1. August 2020 15:27

      Ja, mich auch. Das war wirklich ein Fest. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass es dazu mittlerweile einen zweiten Teil gibt. Kennst du den? Weißt du, ob der sich lohnt?

      • 1. August 2020 15:36

        Es gibt einen zweiten Teil? Nein, das ist mir bisher auch entgangen.

        • donpozuelo permalink*
          1. August 2020 15:39

          Ja, „Sword of Destiny“. Mit Donny Yen und immerhin noch Michelle Yeoh. Regie hat wohl der Stuntkoordinator vom Original geführt… muss ich mir wohl mal anschauen. Angeblich gibt es den auf Netflix

        • 1. August 2020 15:40

          Oh, bin gespannt was du danach berichtest. Ich müsste vorher erst noch einmal den ersten Teil sehen.

        • donpozuelo permalink*
          1. August 2020 16:36

          Ich werde mir Teil 2 demnächst mal anschauen. Und dann berichten… aber viel verspreche ich mir nicht.

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