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Filmreise Etappe #40: Ohne Schnee auf den Schlitten

24. Juli 2020

Viertes Jubiläum meiner bisher sehr erleuchtenden Filmreise… vierzig Filme sind durch und mit dem jetzigen Film auch eine weitere Kategorie. Whoop whoop…

Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich bestimmte „Lücken“ in meinem Filmwissen offenbare, die dann bei anderen nur für Unverständnis sorgen. Als ich damals für „Creed“ zu Interviews nach London fuhr, erzählte ich meinem Kollegen, dass ich noch nie einen der „Rocky“-Filme gesehen hatte (und er fiel fast vom Stuhl). Nachdem wir zusammen „Jurassic World“  im Kino gesehen hatten, gestand ich meinem besten Freund, dass ich noch nie „Jurassic Park“ gesehen hatte. So erging es mir auch mit „Predator“… und noch so einigen anderen Filmen. Heute korrigiere ich eine weitere „Lücke“. So scheint es, als wenn alle Welt (außer mir natürlich) den 90er Jahre Film „Cool Runnings“ gesehen hat. Auch für diese „Klassiker-Lücke“ erntete ich entsetzte Blicke. Dabei  muss ich auch einfach sagen: Ich war nie ein großer Sport-Guck-Fan, weswegen das Sportfilm-Genre sehr häufig an mir vorbeigeht. Doch wie schon „Rocky“ sorgte auch „Cool Runnings“ für Begeisterung meinerseits (was tatsächliche olympische Spiele nie hervorbringen würden). Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin jetzt ein Fan des Films.

Derice Bannock (Leon Robinson) hat einen Wunsch: Er will es seinem Vater gleichtun und bei den Olympischen Spielen für Jamaica als Sprinter an den Start gehen. Doch sein hartes Training wird je zunichte gemacht, als er im Qualifikationslauf in einen Unfall verwickelt wird und er stürzt. An Aufgeben will Derice da aber dennoch nicht denken… gemeinsam mit seinem besten Freund, dem Seifenkisten-Champion Sanka (Doug E. Doug), will er seine zweite Chance nutzen… und als Bob-Team antreten. Hilfe verspricht er sich dabei von Irv Blitzer (John Candy), der einst schon Derices Vater davon überzeugen wollte, als Bobfahrer an den Start zu gehen. Gemeinsam mit dem Unfall-Verursacher Junior (Rawle D. Lewis) und dem knurrigen Yul Brenner (Malik Yoba) beginnt das Training – so ganz ohne Schnee oder einen richtigen Schlitten.

„Cool Runnings“ ist wieder mal so eine Art Geschichte, die man für unmöglich halten würde, wenn nicht dann herauskommt, dass das Ganze auf wahren Begebenheiten beruht. Gekonnt spielt Regisseur John Turteltaub mit der herrlich absurden Prämisse, dass vier Typen aus Jamaika ausgerechnet in einer Wintersportart an den Start gehen wollen. Wenn es je eine bessere Prämisse für einen tollen Underdog-Film gab, dann kenne ich sie noch nicht. „Cool Runnings“ besetzt da jetzt im Moment den Spitzenplatz.

Der Film erfindet dabei das Rad (oder besser gesagt: den Schlitten) nicht neu. Die vier Sportler und ihr Coach werden überall belächelt oder sogar ausgelacht (wenn sie zum Beispiel nach Sponsoren suchen). Den Glauben an ihr Projekt müssen sie selbst haben, andere haben ihn nicht. Das liegt auch daran, dass sie mit unmöglichen Methoden trainieren müssen (wie zum Beispiel im Eiswagen hocken, um sich an die Temperaturen zu gewöhnen). Auch in Calgary, Kanada, wo die Olympiade abgehalten wird, werden die Jamaikaner ausgelacht… und müssen hart an ihrem Image arbeiten.

Turteltaub liefert alles ganz klassisch ab und irgendwo wäre „Cool Runnings“ sicherlich ein eher öder 08-15-Sportfilm, wenn da nicht die tollen Darsteller wären. Dieser Film lebt nämlich von seinen großartigen Charakteren. Die sind zwar auch irgendwo die typischen Klischees, aber sie funktionieren: Wir haben den starken Anführer, der sich durch Nichts aus der Ruhe bringen lässt, wir haben den Witzbold, der immer für einen Gag gut ist (und aus Gründen immer ein Ei dabei hat). Wir haben den eingeschüchterten Jungen, der aus dem Griff seines strengen Vaters entkommt und schließlich den knurrigen Kerl, der zuerst an sich selbst denkt. Vier unterschiedliche Charaktere, die durch die Häme zusammengeschweißt werden. „Cool Runnings“ ist irgendwie auch ein bisschen Coming-of-Age-Story… nur mit dem Unterschied, dass die Herrschaften hier eigentlich schon „erwachsen“ sind. John Candy darf man natürlich auch nicht vergessen… der Komiker gibt hier eine sehr nuancierte Darbietung, immerhin ist sein Irv Blitzer nicht komplett als „lustiger“ Charakter zu sehen, sondern hat auch sehr ernste und ruhige Momente – die Candy aber mit Bravour meistert.

„Cool Runnings“ ist ein toller Film übers Zusammenkommen, übers Über-Sich-Hinauswachsen, darüber, Vorurteile zu überwinden. Turteltaub liefert uns eine locker-leichte Sportkomödie, die herrlich komische Trainingsmontagen liefert, wunderbare Charaktermomente (sowohl komisch als auch ernst) und aufregende Sport-Sequenzen, bei denen ich wieder sehr mit gefiebert habe. Dieser Film ist wirklich eine tolle Underdog-Perle…

Wertung: 8 von 10 Punkten (dabei sein ist wirklich alles… vor allem schön)

7 Kommentare leave one →
  1. 24. Juli 2020 16:03

    Mag ich total gerne und kann ich immer wieder sehen. Unglaubliche Story, ja.
    John Candy ist viel zu früh von uns gegangen.

    • donpozuelo permalink*
      24. Juli 2020 22:26

      Ich jetzt auch… und ja, Candy fehlt echt.

  2. 4. August 2020 13:48

    Herzlich willkomen im Kreis der Cool Runnings Kenner. 😉

    • donpozuelo permalink*
      5. August 2020 14:42

      Danke, danke. Freut mich, endlich dazu gehören zu dürfen 😅

  3. 4. September 2020 18:40

    Ich wundere mich immer wieder, dass es noch Leute gibt, die den nicht kennen. Der lief doch gefühlte 1000 Mal im TV. Ich mag den auch sehr, hab den bestimmt schon zehnmal gesehen (eben weil er so oft im Fernsehen lief.

    • donpozuelo permalink*
      4. September 2020 22:16

      Ich bin die meiste Zeit meiner Kindheit ohne Fernseher zuhause aufgewachsen. 😅 Aber jetzt kann ich 1000 Mal dank Disney+ nachholen. Ist ja auch wirklich ein toller Film.

Trackbacks

  1. It’s not a TUMOR! | Going To The Movies

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