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Wikipedia: Marie Curie

22. Juli 2020

Endlich darf ich diesen Artikel veröffentlichen. Geschrieben habe ich das hier einige Tage vor Corona, aber erst jetzt schafft es „Marie Curie“ endlich in die Kinos. Also darf ich jetzt endlich sagen, wie der Film so ist…

Die Wissenschaftlerin Marie Curie hatte ein faszinierendes Leben, sie hat zwei Nobelpreise gewonnen, den Begriff der Radioaktivität geprägt und und und… selbst ihre Tochter hat einen Nobelpreis gewonnen, womit wohl geklärt wäre, dass ich wohl nie einen gewinnen werde, haben meine Eltern doch auch keinen 😀 Aber im Ernst, jeder Mensch kennt Marie Curie. Jetzt hat sich „Persepolis“-Regisseurin Marjane Satrapi daran gemacht, ein Biopic über die berühmte Wissenschaftlerin zu drehen… und scheitert gnadenlos daran, aus dem Leben dieser Frau die langweiligste Verfilmung ihres Wikipedia-Eintrags zu machen. Das hat Curie nun wirklich nicht verdient.

Maria Sklodowska (Rosamund Pike) verließ einst ihre Heimat Polen, weil es dort Frauen nicht gestattet war, zu studieren. Also begann sie um 1890 ihr Studium an der Pariser Sorbonne. Hier beschäftigt sie sich vor allem mit der von Becquerel beobachteten Strahlung von Uran. Als sie den Wissenschaftler Pierre Curie (Sam Riley) kennenlernt, schließt sie sich erst wissenschaftlich mit ihm zusammen und heiratet ihn später auch – wird so dann zu Marie Curie. Gemeinsam mit Pierre entdeckt sie schließlich die Elemente Radium und Polonium. Gemeinsam mit ihm gewinnt sie den Nobelpreis für Physik, aber nur anteilig…

Ich könnte hier jetzt noch ewig genau so weitermachen, denn genau so macht auch der Film ewig weiter. Abgesehen von ihrer Kindheit wird so ziemlich jeder Aspekt von Curies Leben abgedeckt: die Forschung an Radium, ihre Beziehung zu Pierre, die Nobelpreis-Debatte, der Tod ihres Mannes, der durch die Strahlung geschwächt wird, ihre weitere Forschung, ihre Affäre mit einem verheirateten Mann und die damit verbundene Hetzjagd auf sie in der Presse, ihr zweiter Nobelpreis für Chemie, ihre Arbeit während des Ersten Weltkriegs als Radiologin. Das Ganze wird untermalt mit einer Vorschau auf das, was Curies Forschung „anrichten“ wird: Krebstherapie, Atomforschung, die Atombombe.

Wie gesagt, der Film ist anstrengend, weil er einfach alles versucht mitzunehmen, was man zu Marie Curie sagen könnte. Allein die Geschichte mit ihrem Mann hätte schon ausgereicht, aber Satrapi will offensichtlich nichts auslassen und langweilt ihre Zuschauer sehr schnell zu Tode. Da kann man den Wikipedia-Artikel zu Curie lesen und ist am Ende sogar noch etwas schlauer.

„Marie Curie“ begeht den Fehler, sich nicht auf etwas einigen zu können und einfach alles erzählen will. Man hätte auch einfach nur Marie Curie im Ersten Weltkrieg nehmen können und das als Rahmenhandlung dafür nehmen können, einen Blick auf ihr Leben zu werfen. Aber Satrapi geht hier wie bei einem langweiligen Vortrag vor und klappert einfach alles ab.

Das ist einfach zu viel… und ist auch recht unspektakulär. „Gone Girl“ Rosamund Pike gibt zwar ihr Bestes, nur hat sie durch das Drehbuch auch nicht wirklich viel Spielraum. Man merkt gefühlt in jeder Szene das verschwendete Potenzial. Man hätte mit „Marie Curie“ einen packenden Film über eine Wissenschaftlerin drehen können, die zu einer Zeit forschte, als Frauen in der Forschung einfach noch nicht anerkannt waren. Doch selbst dieses Thema wird kaum behandelt. Curie eckt mal an, dann gibt es einen schnippischen Kommentar und alles ist wieder vorbei.

Es passiert sehr viel und dann wieder auch nichts in diesem Film. Darstellerisch ist das alles okay, aber der Film an sich fühlt sich nicht wie ein Kinofilm an, sondern eher wie eine TV-Produktion. Leider, leider wirkt Satrapi mit dem Stoff überfordert. Mehr Mut zu Auslassungen hätte diesem Biopic echt sehr viel besser getan.

Wertung: 4 von 10 Punkten (ein aufregendes Leben sehr unspektakulär heruntergeleiert)

5 Kommentare leave one →
  1. 22. Juli 2020 10:42

    Ich hab ihn gestern gesehen (ja entgegen eurer Ratschläge) und bin eher positiv zum Film gestimmt. Ich finde den Film keineswegs langweilig, weil er alle Aspekte unterbringt, sondern finde gerade dies bildlich spannend umgesetzt und gut, dass man ein allumfassendes Bild von dieser Frau bekommt, so dass man zwischen Sympathie und Antipathie hin und her schwankt

    • donpozuelo permalink*
      23. Juli 2020 17:44

      Es war mir halt einfach zu viel von allem, was ihre Biographie noch hergibt… und dann einfach alles so aneinandergereiht. Wenn dann plötzlich noch Anya Taylor-Joy auftaucht und kurz mal Curies Zeit im Weltkrieg thematisiert wird, war mir das einfach zu viel und nicht tiefgründig.

      Aber das ist halt so ein generelles Problem von Biopics: Was nimmt man mit rein, was lässt man weg?

    • donpozuelo permalink*
      23. Juli 2020 17:44

      Aber freut mich, wenn du dem Film mehr abgewinnen konntest als ich

  2. 6. August 2020 20:57

    Ha, jetzt traue ich mich auch bei anderen reinzulesen 😉 Habe heute meine Besprechung veröffentlicht. Der Gegensatz ist schon ganz witzig. Während du den vor der Krise geschaut hast, war es mein erster Film, den ich nach der Öffnung der Kinos gesehen habe.
    Leider fand ich ihn aber auch zu bemüht.

    • donpozuelo permalink*
      7. August 2020 08:01

      Das ist echt witzig… ich warte noch auf meinen ersten Kinofilm nach der Öffnung 😅

      Ja, ich finde es echt schade. Der Film hätte echt besser sein können, finde ich. Gerade Satrapi ist ja eigentlich auch eine tolle Geschichtenerzählerin und Regisseurin. Aber das war einfach nicht meins

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