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Harry mit den Waffenhänden

29. Juni 2020

Ich finde Daniel Radcliffe ziemlich cool, wenn ich das mal so salopp sagen darf. Dabei rede ich aber weniger von einem Radcliffe, den die Welt als Harry Potter kennen und lieben gelernt hat. Nein, ich meine, den Post-Potter-Radcliffe, den Radcliffe, den ich kennengelernt habe… lange bevor ich dann irgendwann mal anfing, mir die Harry-Potter-Filme anzuschauen. Radcliffe zeichnet sich in meinen Augen als besonders experimentierfreudiger Schauspieler aus – vielleicht, weil er seinen Potter-Ruf ablegen will und sich beweisen möchte, vielleicht, weil er einfach Spaß daran hat, jetzt mal mehr sein zu dürfen, als nur ein Zauberschüler. Er lebte in einem Spukhaus in „The Woman in Black“, er wurde zum Teufel in „Horns“, zu Igor in „Victor Frankenstein“, zur furzenden Leiche in „Swiss Army Man“, zum Undercover-Neonazi in „Imperium“ und und und… nicht alles davon war ein Hit, aber alles davon zeigte uns einen Radcliffe in verschiedenen Rollen, der (verzweifelt???) die Bandbreite seines Schauspiels zeigen wollte. Damit macht er jetzt mal weiter und hat sich einen weiteren Gaga-Film ausgesucht, der das Konzept „Edward mit den Scherenhänden“ ein bisschen moderner gestaltet: Willkommen in der Welt von „Guns Akimbo“.

In einer nicht allzu weit entfernten Zukunft feiern die Menschen einen Online-Fight-Club namens Skizm, in dem sich Psychopathen und Kriminelle bis zum Tod bekämpfen. Unangefochtener Champion ist die junge Nix (Samara Weaving)… unangefochtener Champion der Trolle ist dagegen der gelangweilte Programmierer Miles (Radcliffe), der für seine Kommentare im Chat auf besonders üble Art bestraft wird: Er wacht auf und muss feststellen, dass man ihm zwei Pistolen an die Hände geschraubt hat. Mit jeweils 50 Schuss muss er nun 24 Stunden im Kampf gegen Nix überleben… keine leichte Aufgabe.

Der neuseeländische Regisseur Jason Lei Howden liefert uns mit „Guns Akimbo“ eine Video-Spielverfilmung, die gar keine ist. Doch gerade weil die Skizm-Kämpfe per Live-Übertragung mit allen möglichen verrückten Kameraeinstellungen gezeigt werden, entsteht das Gefühl, man würde einen wilden Shooter spielen. Das sind dann auch die Momente, in denen „Guns Akimbo“ wirklich sehr viel Spaß macht. Howden zelebriert seine Gewaltexzesse in schrillen Farben, in „opulenten“ Zeitlupen, in schönsten Gun-Fu mit der Kamera immer mitten im Geschehen. Manchmal ist das extrem hektisch, manchmal einfach nur schön (vor allem in den Zeitlupen). Da spritzt das CGI-Blut, da werden die Körper der Gegner zerfleddert, da erfreut sich das Action-Herz.

Während Radcliffe hier vor allem durch seine naive, unschuldige Art punktet, die ihn mehr zu einer Witzfigur werden lässt, die erstmal verzweifelt mit Waffen statt Händen klarkommen muss (pinkeln oder sich die Hosen anziehen werden da ganz neue Aufgaben), ist Samara Weaving einmal mehr die grandiose Action-Badass-Bitch, die sie zuletzt schon in „Ready or not“ gewesen. Sie ist einfach so verdammt cool in der Rolle als Nix… und ganz ehrlich, sie ist auch der viel interessantere Charakter in diesem Film. Denn Miles wird einfach nur ausgewählt, weil er ein Troll ist.. passt irgendwie nicht so ganz ins Konzept von Skizms verrücktem Fight-Club, aber okay… Nix entwickelt sich den Film durch viel mehr zu einer Figur mit einer interessanten Hintergrundgeschichte. Nix ist die Killer-Maschine schlechthin… weswegen ich es dem Film auch nie so ganz abgekauft habe, dass Miles so lange gegen sie durchhält. Aber gut, muss wohl so sein… Filmlogik halt.

Ich hätte mir gewünscht, dass „Guns Akimbo“ einfach ein bisschen verrückter ist. Die Prämisse ist einfach wie geschaffen dafür. Weaving und Radcliffe haben sichtlich Bock auf diesen ganzen Gaga-Kram. Dieser Film hätte ein Tempo gebraucht wie früher die „Crank“-Filme oder wie „Shoot ‘Em Up“. Zwischendurch geht „Guns Akimbo“ einfach mal ein bisschen die Puste aus… dieser Film hätte noch mehr auf Speed sein müssen. Wie gesagt, die Action ist super, aber gerade Miles ist auch einfach zu uninteressant und zieht für mich als „Held“ nicht. Ich glaube, wenn sie einfach Nix‘ Geschichte in den Vordergrund gestellt hätten, wäre das Ganze viel cooler gewesen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (coole Action, cooler Look, falscher Held)

2 Kommentare leave one →
  1. 11. Juli 2020 16:43

    Große, große Enttäuschung für mich. Die Action hat mir leider – im Gegensatz zu dir – so gar keinen Spaß bereitet. Für mich waren vor allem die Anschlussfehler derart eklatant, dass es mich sehr rausgerissen hat.

    • donpozuelo permalink*
      13. Juli 2020 06:22

      Schade… aber bei dem Film kann ich es sogar verstehen. Der hat so ein paar Kleinigkeiten, die besser hätten sein können, dann wäre das alles richtig gut gewesen

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