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Filmreise Etappe #36: Der Kämpfer fürs Volk

26. Juni 2020

Regisseur Ronny Yu hat offensichtlich ein Faible für Legenden. Er bescherte Mörderpuppe Chucky eine Braut in „Bride of Chucky“ (obwohl ich die Poster-Zeile „Chucky gets lucky“ als Titel auch schon irgendwie witzig gefunden hätte) und er sorgte für den großen Kampf der Slasher-Ikonen in „Freddy vs. Jason“. Aber das sind nur zwei Beispiele aus Ronny Yus Filmografie, die etwas herausstechen… einer wahren Legende schenkte er 2006 ein filmisches Denkmal – dem chinesischen Martial-Arts-Kämpfer Huo Yuanjia in „Fearless“.

Huo (Jet Li) ist der Sohn eines großen Kung-Fu-Meisters in der Stadt Tianjin. Doch weil Huo unter Asthma leidet, wird ihm das Training verboten. Was ihn natürlich nicht davon abhält, heimlich zu trainieren und so zu einem der besten Kämpfer der Stadt zu werden. Als er später erwachsen ist und die Schule seines Vaters leitet, ist er ein arroganter Kerl, der in dem Wirtshaus seines besten Freundes Nong Jinsun (Yong Dong) auf Rechnung seine zahlreichen Schüler saufen lässt. Immer wieder lässt er sich zudem auf große Schaukämpfe ein… was irgendwann böse endet. Einer seiner Gegner stirbt, daraufhin rächt sich einer seiner Schüler, in dem er Huo Yuanjias Frau und Kind umbringt. Daraufhin überdenkt der Meister sein Leben, verkriecht sich in einem kleinen Dorf… als er wieder auftaucht, wird er zum besonnenen Kämpfer, der sich schließlich auf einen Showkampf gegen vier Gegner aus dem Ausland einlässt, um so für sein Land und sein Volk zu kämpfen.

„Fearless“ ist ein Beispiel dafür, dass Biopics sich doch ihre ganz eigene Geschichte zusammenstellen können. Jetzt muss ich zugeben, dass mein Wissen über Huo Yuanjia sich auf dessen Wikipedia-Seite beschränkt, was nie eine sonderlich gute Grundlage für Wissen ist. Aber allein die reicht schon aus, um zu zeigen, dass „Fearless“ ein Film ist, den die Nachfahren von Huo Yuanjia nicht ganz zu Unrecht als „Blödsinn“ bezeichneten. Der echte Huo Yuanjia hatte fünf Kinder und war glücklich verheiratet, selbst als er starb. Auch die Art und Weise, wie er im Film sein Ende findet, basiert nur auf nicht ganz so glaubwürdigen Halbwahrheiten… ABER, es passt halt gut in die Geschichte des Films. Biopics sind eben keine wirklichen Biografien, sondern unterliegen immer wieder künstlerischen Freiheiten…

Jet Li und Regisseur Ronny Yu nehmen sich diese Freiheiten, um den Begründer der internationalen Martial Arts Organisation „Chin Woo Athletic Association“ als wandelbaren Helden zu feiern. „Fearless“ ist die Geschichte eines arroganten, eitlen und hochnäsigen Mannes, der durch das Schicksal gezwungen wird, sich auf das zu besinnen, was wirklich wichtig ist und dadurch zum Helden heranwächst, den sein Land braucht. Das wird alles ein wenig klischeebehaftet dargestellt: Vom Säufer und Schläger zum unfähigen Städtler auf dem Dorf, der durch die Hilfe einer schönen Frau (Betty Sun) lernt, richtiger Arbeit nachzugehen und inneren Frieden zu finden. Anschließend wird er zum Guten! Das ist alles ein bisschen öde dargestellt, wenn ich ehrlich sein soll… die ganze Sequenz in dem Dorf zieht sich zur Mitte des Films wie Kaugummi. Erzählerisch nimmt sich der Film wie Huo selbst eine Auszeit und suggeriert uns einfach, dass ein bisschen harte Arbeit auf dem Reisfeld und das Einatmen frischer Luft ausreicht, um einen Mann besser werden zu lassen. Keine Spur von Trauer über seine verlorene Familie, keine wirkliche Reue… einfach nur Auszeit und schwupps ist er ein besserer Mensch.

Auch seine Kindheit wird eher spärlich gezeigt. Es gibt keine Trainingseinheiten, wir müssen einfach davon ausgehen, dass ein asthmatisches Kind durch bloßes Nachmachen zu einem der besten Martial-Arts-Kämpfer Chinas geworden ist. Eine kleine Trainingsmontage hätte mir da schon gereicht, um der darauffolgenden Handlung etwas mehr Gewicht zu verleihen.

Aber gut, als Film über der Mann Huo Yuanjia taugt „Fearless“ nicht wirklich viel. Als Film über einen großartigen Kampfsportler schon eher. Jet Li darf zeigen, was er so drauf hat… Ronny Yu inszeniert spannende und spektakuläre Kämpfe (und huldigt sogar in einer Einstellung ein wenig „Die 36 Kammern der Shaolin“, wenn Huo mit diesen krassen dreiteiligen Nunchakos kämpft – zumindest hat mich das an den Film erinnert, weil ich ihn ja gerade erst geguckt habe). Als reiner Martial-Arts-Film hat „Fearless“ da ordentlich was zu bieten und macht Spaß.

Wertung: 5 von 10 Punkten (langweilige, oberflächliche Story, die mit tollen Kampfszenen bestückt ist)

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