Zum Inhalt springen

Filmreise Etappe #35: Der Shaolin-Mönch

19. Juni 2020

Synchronisation ist was Gutes. Dass das aus meinem Online-Mund kommt, passiert auch selten. Aber es ist an der Zeit, dass auch ich mal unsere Synchronisationskultur lobe, auch wenn ich sie mittlerweile nur noch in den seltensten Fällen wirklich würdige. Als braver O-Ton-Gucker bekomme ich das nicht mehr so mit. Doch jetzt bin ich über einen Fall gestolpert, in dem man mir die Synchron-Fassung aufzwang. Für die neue Filmreise-Etappe, in der es um Kampfsport gehen soll, wollte ich mir unbedingt endlich mal den Kung-Fu-Klassiker „Die 36 Kammern der Shaolin“ angucken. Netflix hat den Film sogar im Programm… allerdings nur in der englischen Synchronfassung. Was eine absolute Tortur ist. Erstmal sind die Sprecher komplett uninspiriert und eintönig. Dazu sprechen sie dann auch noch sehr schwer verständliches Englisch und das Eingesprochene passt dann auch so gar nicht zu den Lippenbewegungen, wirkt teilweise sogar richtig zeitversetzt. Warum Netflix da nicht einfach die Original-Fassung mit anbietet, erschließt sich mir nicht. Ich habe anfangs sogar Untertitel angemacht, aber selbst die entsprachen einer anderen Fassung. Also gab es auch noch eine harte Diskrepanz zwischen dem, was gesagt und dem, was geschrieben wurde. Eine absolute Katastrophe, was da sprecherisch aus „Die 36 Kammern der Shaolin“ gemacht wurde…. Zum Glück gewöhnte ich mich irgendwie dran und erlebte dann einen der tollsten Martial-Arts-Filme aller Zeiten.

In einem kleinen chinesischen Dorf regieren die Mandschuren mit eiserner Faust und unterdrücken jede Form von Rebellion. Der junge Schüler Liu (Gordon Liu) kann diesen Gräueltaten nur in letzter Minute entgehen… und entscheidet sich, Shaolin-Mönch zu werden. Er will damit die Kampfkunst, das Kung-Fu der Shaolin erlernen, um seinen Leuten helfen zu können. Als Mönch San Te (was sich in der schlechten englischen Version immer wie „Santa“ anhört) durchläuft er das harte Training der Shaolin: die 35 Kammern der Shaolin, die ihn immer wieder vor neue Proben stellen.

Okay, über die wirklich, wirklich schlechte Synchronisation habe ich ja jetzt schon genug gesprochen. Aber ich will es noch einmal sagen: Wow!!! Wie so etwas einen Film doch echt kaputt machen kann, ist unfassbar. Dass das überhaupt irgendjemand durchgewunken hat, grenzt schon fast an ein Wunder. Also wenn ihr die Möglichkeit habt, „Die 36 Kammern der Shaolin“ zu schauen, sucht euch die Original-Fassung.

Aber mal abgesehen von der furchtbaren Synchronisation ist dieser Film ein echtes Highlight. Wow, ich war (und bin es immer noch) schwer begeistert von diesem Film. Ich hatte ja ein bisschen Angst, dass ich von diesen 36 Kammern der Shaolin vielleicht nur zwei zu sehen bekomme und danach ist San Te dann schon ein fertiger Kämper. Aber nein, der Film konzentriert sich schon sehr stark auf diesen Initiationsritus des Klosters und schickt uns mit San Te auf die Reise durch die verschiedenen Räume. Anfangs wirkt das Ganze zugegebenermaßen noch etwas albern, wenn die Schüler über schwimmende Holzbalken laufen müssen und San Te immer wieder ins Wasser fällt. Oder wenn er in einem Raum mit seinen Augen immer wieder dem Licht einer Kerze folgen muss, ohne dabei den Kopf zu bewegen. Aber albern ist daran nichts, es ist einfach nur der Weg, den San Te gehen muss. Jeder Raum stellt ihn vor neue Aufgaben und jeder Raum zeigt uns mehr von den großartigen Fähigkeiten des Gordon Liu.

Liu ist schon ein unglaublich guter Kämpfer und wenn er in diesem Film so richtig loslegt, ist das echt heftig. Hier merkt man noch, dass der Film wirklich in allen Punkten handgemacht ist. Selten gibt es in den Kampfszenen viele Schnitte. Regisseur Lau Kar-leung zelebriert die Kämpfe, in der er seine Kämpfer einfach ihr Ding machen lässt. Das sieht so gut aus, das muss nicht durch schnelle Schnitte oder anderen Schnickschnack verstärkt werden. Jeder, der sich ein wenig für Martial-Arts interessiert, sollte „Die 36 Kammern der Shaolin“ unbedingt auf seine To-Do-Liste setzen. Was man hier zu sehen bekommt, ist wirklich beeindruckend…

Ich habe erst im Nachhinein mitbekommen, dass Gordon Liu mit seinem Film auch Eindruck bei Mr. Quentin Tarantino hinterlassen hat. Der besetzte Liu in „Kill Bill Vol. 1“ als Anführer der Crazy 88 Gang und in „Kill Bill Vol. 2“ als Lehrer der Braut, Pai Mei.

Wertung: 8 von 10 Punkten (die Synchro-Version ist eine Katastrophe, der Film selbst ein absolutes Kampfkunst-Highlight)

5 Kommentare leave one →
  1. 19. Juni 2020 20:23

    Also ich kenne ihn nur in der deutschen Synchro und hatte da nie was dran auszusetzen. Aber bei diesen alten Chinesen kenne ich das ja auch nicht anders und bin ehrlich gesagt nie auf die Idee gekommen sie im Original zu sehen, weil seinerzeit die Untertitel auch immer etwas fragwürdig waren (und heute noch sind) und mein Kantonesisch echt schlecht ist :))
    Das hier ist natürlich ein Klassiker. Must See, würde ich behaupten.
    Und warum ist der bei Netflix in englischer Synchro? Die können das doch nicht!

    • donpozuelo permalink*
      21. Juni 2020 18:40

      Ach, ich mag das ja ganz gerne im Original mit Untertiteln. Aber ja, keine Ahnung, warum Netflix das so macht. Hab danach gesehen, dass der komplette Film auf Deutsch auf YouTube ist. Naja… für später dann mal…

      Und ja, ist wirklich ein Must See! Kennst du die Fortsetzungen? Taugen die irgendwas?

  2. 30. Juni 2020 09:14

    Habe vor längerer Zeit mal die Trilogie in einer sehr günstigen BluRay Box entdeckt – ich weil ich früher so viel Wu Tang Clan gepumpt habe, natürlich sofort zugeschlagen ^^
    Fand den ersten ebenfalls gut, wenn ich auch nicht ganz so positiv wie du. Für mich hätte es gern auch noch mehr Martial Arts sein können

    • donpozuelo permalink*
      30. Juni 2020 20:23

      Martial Arts geht immer mehr. Taugen die Fortsetzungen denn was?

Trackbacks

  1. Filmreise Etappe #36: Der Kämpfer fürs Volk | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: