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Kiffer-Runde im Keller

17. Juni 2020

Endlich habe ich mal eine Sitcom nachgeholt, die ich schon lange auf meiner Liste hatte. Eine Sitcom, die ich nur sehr sporadisch früher mal gesehen habe. Aber irgendwas kam immer dazwischen, sich der ganzen Geschichte mal zu widmen. Nachdem ich nun wirklich alles Mögliche an Schandflecken auf meiner Serien-Liste nachgeholt habe (wie unter anderem endlich mal „Seinfeld“ komplett gesehen zu haben), war es auch an der Zeit, meine Zeitreise in die 70er Jahre mit „That ‘70s Show“ (oder bei uns: „Die wilden Siebziger“) zu machen. Und bis auf die letzte Staffel habe ich diese Zeitreise nicht bereut… auch wenn ich hier und da so meine Probleme mit der Serie hatte.

Willkommen im Keller der Formans: Hier chillen der Geek Eric (Topher Grace), die eingebildete Jackie (Mila Kunis), der dümmliche Schönling Kelso (Ashton Kutcher), der kritische „Rebell gegen das System“ Hyde (Danny Masterson), die taffe und intelligente Donna (Laura Prepon) und Austauschschüler Fez (Wilmer Valderrama). Sie kiffen, sie quatschen, sie machen dummes Zeug, sie verlieben sich, sie trennen sich… und das alles in den 70er Jahren. Und meist zur Verärgerung von Erics Vater, dem strengen Red (Kurtwood Smith) und seiner Frau Kitty (Debra Jo Rupp).

Als ich die Serie angefangen habe, versetzte mir gleich die erste Staffel einen Schlag in die Magenkuhle. Man kann das jetzt abtun, wie man will, aber was mir richtig auf den Keks ging, war die Tatsache, dass Hyde, der vermeintlich beste Freund von Eric, die ganze Zeit Donna anmachte, obwohl er wusste, dass Eric in sie verliebt war. Und selbst als die beiden (also Donna und Eric) quasi schon so gut wie zusammen sind, schicken die Serien-Macher Hyde immer wieder auf Donna los. Das war ein Punkt, der mich so richtig hart gestört hat. Wahrscheinlich ist mein Romantiker-Herz mit diesem Missbrauch von Vertrauen unter angeblich besten Freunden einfach nicht klar gekommen.

Und ich muss dazu sagen, ich mag die Serie wirklich sehr, aber es gab immer wieder solche Momente in „That 70s Show“, in der mich etwas aufgeregt hat. Zum Beispiel als Donna und Eric irgendwann in Staffel 5 oder 6 sich entscheiden zu heiraten und Red Forman daraufhin anfängt, seinen Sohn aufs Übelste dafür zu bestrafen. Ich meine, klar, die Beziehung Red und Eric war immer darauf angelegt, dass es eher eine Hassliebe ist (die so manchen Psychologen wahrscheinlich über Jahre hätte beschäftigen können), aber das ging mir teilweise auch zu weit.

Auch der charmante Fez, der verzweifelt notgeile Austauschschüler, der sich nicht davor zurückhält, als creepy Stalker in Donnas Schrank zu lauern oder ihr unter den Rock zu fotografieren… Auch der penetrante Rassismus Fez gegenüber ist zwar sicherlich ein noch harmloses Beispiel für die Zeit, in der die Serie spielen soll, aber manchmal bleibt einem da doch ein bisschen das Lachen im Hals stecken.

Und trotz all dieser „Schwierigkeiten“ ist es eine Sitcom, die ich gerne geguckt habe. Gerade die Charaktere waren schon gut aufeinander abgestimmt. Ich fand’s schön, dass die Story Eric-Donna keine Ross-Rachel- oder Ted-Robin-Nummer wurde, in der sie sich immer wieder trennen und doch zusammenkommen. Ich mochte auch Mama Kitty, die kleine Alkoholikerin, sehr gerne. Sie ist die wahre Mama für all diese Kids, die ihr Haus ja förmlich besetzen.

„That 70s Show“ hat zudem gekonnt seine Running Gags perfektioniert: Ich mochte Kelsos „Burn“, Reds „I put my foot up your ass“, den Kiffer-Zirkel im Keller, den Wasserturm, von dem ständig irgendwer (meistens Kelso) runterfällt, der Vista Cruiser – Erics alte Krücke von einem Auto. Ich konnte wirklich viel und gut über diese Serie lachen.

Leider überschritt sie dann auch irgendwann ihren Zenit. Wieder mal: Alter Romantiker, der ich bin, hätte ich mir gewünscht, es hätte in Staffel 6 die Hochzeit zwischen Eric und Donna gegeben. Stattdessen rennt er weg und es wird damit erklärt, dass er Donna damit einen Gefallen tun wollte. Staffel 7 dümpelt dann sehr vor sich her, bis sich Topher Grace am Ende komplett verabschiedet. Der verzweifelte Versuch, ihn in Staffel 8 durch Josh Meyers als Randy zu ersetzen, ging ziemlich schief. Meyers war nicht schlecht, aber es war einfach nicht mehr das Gleiche.

„Die wilden Siebziger“ ist eine amüsante und kurzweilige Sitcom mit bestens aufgelegten Darstellern… deren Gags man manchmal mehr im Zeitgeschehen der Handlung betrachten muss und weniger mit unserem aktuellen Zeitgeschehen.

Wertung: 8 von 10 (Kellerkind zu sein, muss nicht immer was Schlechtes bedeuten)

6 Kommentare leave one →
  1. 17. Juni 2020 07:36

    Ach, schön dass du diese Serie nachgeholt hast. Ich habe das (schneller Blick ins Blog…) vor 6 Jahren gemacht. Davor auch nur sporadisch gesehen. Mochte die Serie sehr, wobei die letzte Staffel schon wirklich schmerzhaft war teils. Die ersten drei sind jedoch großartig! 🙂

    • donpozuelo permalink*
      17. Juni 2020 17:00

      Die letzte Staffel war wirklich nicht mehr gut. Aber ich finde, man hat das schon sehr in der vorletzten gemerkt, dass die Luft einfach raus war.

      Trotzdem ist es launige Unterhaltung. Kann ich mir gerne mal wieder angucken.

      • 17. Juni 2020 19:24

        Ich hab mir inzwischen sogar die Blu-rays zugelegt. 😋

        • donpozuelo permalink*
          17. Juni 2020 19:49

          Sehr gut. Ja… das könnte ich wohl auch mal machen

  2. 17. Juni 2020 17:17

    Lustig, ich hatte auch schon immer mal vor, die Serie nachzuholen. Sind ja doch auch einige etablierte Schauspieler in der Serie geformt worden.

    • donpozuelo permalink*
      17. Juni 2020 19:49

      Absolut. Sogar Dwayne Johnson taucht auf und spielt in einer Folgen seinen eigenen Vater… Amy Adams sieht man auch in einer ihrer ersten Rollen.

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