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Filmreise Etappe #34: Der Traum von Baseball

12. Juni 2020

Nachdem mich Basketball in seiner Looney-Tunes-Version schon nicht sonderlich begeistern konnte, dachte ich mir, ich versuche es mit einem Film, der mir durch andere Filme und Serien als ein Meilenstein des amerikanischen Films angepriesen wurde. Ein Film voller Emotionen und Baseball, ein Film über Geister, über Träume, über vertane Chancen und Wiedergutmachung. Ein Film, der – wenn man den Dingen glaubt, die man über ihn hört – mich möglicherweise zu einem besseren Menschen machen könnte, einfach nur, weil ich ihn gesehen habe. Das sind große Vorschusslorbeeren für einen Film… deswegen hat es mir am Ende umso mehr wehgetan, dass ich einfach nicht wusste, was ich nun von „Field of Dreams“ halten soll.

Farmer Ray (Kevin Costner) lebt mit seiner Frau Annie (Amy Madigan) und seiner Tochter Karin (Gaby Hoffmann) in Iowa und pflanzt Mais ein. Eines Tages sagt ihm eine Stimme „If you build it, he will come“ und Ray sieht ein Baseball-Feld mitten in seinem Maisfeld. Ohne groß zu zögern, macht sich Ray an die Arbeit und baut das Feld. Und tatsächlich erhält er Besuch: von dem einstigen (und mittlerweile verstorbenen) Baseball-Star Shoeless Joe Jackson (Ray Liotta). Der bringt irgendwann seine Geisterfreunde mit und die trainieren auf dem Feld von Ray, der aber immer noch die Stimme hört, die ihn auf eine Odyssee durch Amerika schickt… um noch mehr verlorene Seelen zum Baseball zurückzubringen.

Wow… was für ein Film. Ich weiß nicht, ob man Baseball-Liebhaber sein muss, um den zu mögen oder ob man sich vorher ganz viel kindliche Naivität antrinken muss. Ich habe keine Ahnung, was mir dieser Film wirklich sagen wollte. Irgendwo geht es ein bisschen um Baseball, aber so richtig auch nicht. Vielmehr nutzen die Geister Ray irgendwie als Mittel zum Zweck – und belohnen ihn am Ende mit einer Partie Ball-Werfen mit seinem toten Daddy. Allerdings muss ich sagen, dass in „Field of Dreams“ das Baseball-Spiel an sich ein wenig zu kurz kommt. Kevin Costner darf träumerisch viel über das Spiel erzählen, gibt seiner kleinen Tochter Geschichtsunterricht in Sachen alter Sport-Legenden und das war’s.

Zwischendurch bekämpft seine Frau dann noch effektiv eine Frau, die Bücher an der Schule verbieten möchte. Eine Szene, die aus welchen Gründen auch immer, nicht rausgeschnitten wurde, obwohl sie so überhaupt keinen Sinn macht. Auch die Tatsache, dass aufgrund seines tollen, nur von Geistern genutzten Feldes der Familie das Geld ausgeht, wird so nebenbei mal so ein bisschen zu einem Problem. Aber irgendwann darf der vermeintliche Bösewicht, der Ray zum Verkauf der Farm rät, die Geister sehen und ist überzeugt, dass Ray das Ding doch behalten soll. Nichts in diesem Film macht Sinn…

… auch die lange Suche nach dem Schriftsteller Terence Mann. Der wird von James Earl Jones gespielt und ist aus Gründen wichtiger Bestandteil dieser Story (über sein Buch streitet sich Rays Frau auch an der Schule, falls es an dieser Stelle noch wen interessiert). Das Drehbuch zu „Field of Dreams“ ist in meinen Augen ein überfrachtetes Ungeheuer, das nicht so richtig weiß, warum es eigentlich da ist. Der Film streckt sich ewig in die Länge und versucht dabei immer ganz, ganz auf die Tränendrüsen zu drücken. Daher bekommen wir schwülstige Monologe und Dialoge über Baseball, über verpasste Chancen, über das Leben.

Kevin Costner gibt sich alle Mühe, in jeder Szene möglichst gekonnt seinen besten Dackelblick aufzusetzen (was ihm meistens auch gut gelingt). Amy Madigan darf für 5 Minuten Zuschauer spielen und sagen, wie verrückt das doch alles ist. Aber dann bekommt sie eine Rede darüber zu hören, dass Rays Vater es immer bereut hat, nicht spontaner zu sein. Ab da ist sie dann voll an Bord mit einem riesigen, leeren Spielfeld. James Earl Jones ist irgendwie der sympathische Sidekick / Mentor und Ray Liotta steht immer nur auf dem Feld und guckt andächtig durch die Gegend.

„Field of Dreams“ hat mich mehr zum Lachen gebracht, als das ich bei irgendwas mitfiebern konnte. Dieser Film ist so absurd, so wirr, so ohne wirklichen roten Faden… und ich frage mich, was der Reiz an diesem Film, dass er bei seinem Erscheinen so erfolgreich war und bis heute in so vielen Bestenlisten auftaucht.

Wertung: 4 von 10 Punkten (ein vor Emotionen triefender Film… nur leider hat er mich vollkommen kalt bzw. trocken gelassen)

3 Kommentare leave one →
  1. 13. Juni 2020 23:01

    Den habe ich vor Urzeiten mal gesehen, kann mich aber nicht daran erinnern. Aufgrund des gewissen Hypes um ihn, habe ich ihn mir mal in die Sammlung gestellt, aber nie mehr angeschaut.

    • donpozuelo permalink*
      14. Juni 2020 08:31

      Ja… den vergisst man irgendwie auch schnell wieder. Wie gesagt, ich kann nicht ganz nachvollziehen, was an diesem Film bei Leuten solche Emotionen auslöst, aber vielleicht muss man dafür auch eine gewisse Leidenschaft für Baseball mitbringen.

  2. 7. Juli 2020 14:30

    Den hab ich nie gesehen. Aber Ray Liotta auf nem Feld rumstehen sehen, ist doch bestimmt spannend. 😀

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