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Das letzte Verbrechen

8. Juni 2020

Ich setze Olivier Megaton jetzt offiziell auf meine Liste von Regisseuren, deren Filme ich mir nicht mehr anschauen werde. Damit befindet sich auf dieser Liste schon zwei Namen. Eli Roth und Olivier Megaton (ich weiß, es ist noch keine sonderliche lange Liste, aber immerhin muss sich Roth jetzt nicht mehr alleine darauf langweilen). Megaton hat nach „Taken 2“ und „Taken 3“ eine fünf-jährige Pause eingelegt und meldet sich nun mit einer Comic-Verfilmung zurück: „The Last Days of American Crime“.

Die USA wollen ein neues Projekt starten: Mit einem ausgestrahlten Signal wird jegliche Form von kriminellem Verhalten unterdrückt. Bevor das Signal ausgestrahlt wird, bleibt noch knapp eine Woche. In dieser Zeit will Graham Bricke (Edgar Ramirez) gemeinsam mit dem skurrilen Pärchen Shelby (Anna Brewster) und Kevin (Michael Pitt) noch einen letzten Überfall durchführen. Für Kevin, der aus einer reichen Familie kommt, ist es nur ein Prestige-Ding: die letzte kriminelle Tat überhaupt. Für Bricke und Shelby steht mehr auf dem Spiel.

Der Comic von Rick Remender ist stylish, ultra-brutal und sexy. Das liegt auch sehr daran, dass sein Zeichner Greg Tocchini wirklich tolle Bilder malt und sehr detail- und farbverliebt ist. Der Comic ist jetzt kein Meilenstein, aber er unterhält gut… und würde man ihn verfilmen wollen, könnte man einen guten 90-Minüter drehen. Olivier Megaton sieht das aber ganz anders und langweilt uns ZWEIEINHALB Stunden lang mit einer müden und lieblosen Version des Comics, der Drehbuchautor Karl Gajdusek sogar noch vollkommen unnötige Handlungsstränge dazudichtet. So entsteht ein Film, der weder stylish, noch ultra-brutal noch sexy ist. Der von Minute Eins an einfach nur zu Tode langweilt.

Als Heist-Film funktioniert „The Last Days of American Crime“ nicht, weil man hier der Meinung ist, man müsste sich mehr auf langweilige Charakter-Momente konzentrieren. Wenn man gute Charaktere hätte, wäre das ja okay. Nur haben wir die auch nicht. Megaton präsentiert uns langweilige Stereotype: Edgar Ramirez einzige Regieanweisung muss gewesen sein: „Sei grummelig!“, also ist er den ganzen Film über nur grummelig. Anna Brewster scheitert an ihrer Shelby… im Comic ist die eine hinterhältige, berechnende femme fatale. Hier wird sie einfach nur darauf reduziert, dass sie hübsch ist. Das war’s auch schon für Brewster. Michael Pitt hat man gesagt: „Sei einfach so gaga wie möglich!“ und das ist er dann auch – auch wieder sehr im Widerspruch zu seinem Charakter im Comic.

Sharlto Copley spielt übrigens auch in diesem Film mit (eine Story, die dazu gedichtet wurde), nur vergisst der Film das einfach mal mittendrin. Copley ist, wie alle anderen auch, extrem verschwendet… passiert doch eigentlich nichts mit ihm.

Olivier Megaton scheitert grandios an seinen Charakteren. Mir tun die armen Schauspieler echt leid. Die können sich hier noch so abmühen und schaffen es dennoch nicht, auch nur irgendeine Form von Emotionen auszulösen. Doch gerade weil Megaton so sehr auf Charakter-Momente setzt, zerfetzt das natürlich den ganzen Film.

Dazu kommt, dass er das Science-Fiction-Thema toterklären muss. Im Comic wird das mit dem Signal ein, vielleicht zweimal erwähnt, aber man weiß sofort, was Sache ist. Im Film werden wir ständig mit Nachrichten-Beiträgen zu diesem Thema „beglückt“. An sich ist das ja auch ein super-spannendes Thema, das ein wenig an „Clockwork Orange“ erinnert, aber auch daraus macht Megaton letztendlich gar nichts. Es plätschert einfach nur vor sich hin und interessiert uns am Ende auch nicht wirklich.

Den größten Fehler erlaubt sich der Film aber darin, dass die Action einfach nicht sitzt. Das Ganze ist ein Heist-Movie (zumindest ist der Comic so angelegt), aber weder Heist noch Action wollen in diesem Film wirklich greifen. Die Action ist so langweilig inszeniert, dass man das nicht einmal mit einem müden Gähnen abstrafen kann. Ein wenig Bumm-Bumm und das war’s. In Zeiten von „John Wick“ und Co. sind wir da einfach besseres gewöhnt (selbst „Extraction“, Netflix‘ letzter großer Action-Film war da besser aufgestellt).

Megaton gelingt in diesem Film gar nichts… und darunter leidet alles. Nach ZWEIEINHALB Stunden platter und langweiliger Momente und Charaktere war ich einfach nur froh, dass das endlich vorbei war. Wenn man sich einfach nur klassisch an den Comic gehalten hätte, wäre ein tausendmal besserer Film dabei entstanden, der vielleicht sogar Kult-Potenzial gehabt hätte. Aber Megatons Film ist einfach nur Müll.

Wertung: 2 von 10 Punkten (zweieinhalb Stunden pure Langeweile, die als Science-Fiction-Action-Film verkauft wird)

3 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    11. Juni 2020 07:50

    Nein! Die Graphic Novel war richtig gut und die verkacken das als Film?! Ach Dreck!

    • donpozuelo permalink*
      11. Juni 2020 12:41

      Sie verkacken es so richtig hart. Sie erfinden so viel Mist dazu, versauen die Charaktere und die Action. Es ist echt einfach nur traurig. Daraus hätte man einfach einen so guten, harten Actionfilm machen und was wird es? Langeweile, gestreckt auf zweieinhalb Stunden.

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  1. 2020 | Going To The Movies

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