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Random Sunday #32: Death Stranding

7. Juni 2020

Ich hatte – bis „Death Stranding“ in meiner Playstation landete –  noch nie ein Spiel von Hideo Kojima gespielt. Ich wusste, dass er vor allem wegen der „Metal Gear Solid“-Reihe gefeiert wurde, aber das war’s auch schon… als dann vor ich weiß nicht mehr wie vielen Jahren sein neuestes Projekt „Death Stranding“ angekündigt wurde, war mein Interesse dann geweckt. „The Walking Dead“-Star Norman Reedus, Guillermo del Toro und Mads Mikkelsen präsentierten sich in mysteriösen Trailern, von denen nie jemand so richtig sagen konnte, worum es in diesem „Death Stranding“ nun gehen sollte. Da gab es dann ein Baby in einem tragbaren Wassertank, tote Wale an einem leeren Strand und was nicht noch alles. Es schient mir, als würde Kojima perfekt mit der Neugier der Leute spielen… der Hype um „Death Stranding“ wurde durch die Marketing-Kampagne wirklich wunderbar gesteigert.

Doch dann kamen die ersten Spiele-Tests, irgendwann kamen die ersten Berichte… und mein Interesse schwand wieder etwas. Man spielt den Charakter Sam Porter Bridges (Norman Reedus), der in einem unwirtlichen Amerika unterwegs ist. Ein Ereignis, das unter dem Namen „Death Stranding“ bekannt ist, sorgte für Chaos und Zerstörung. Unheimliche Wesen, BTs genannt, bedrohen Wanderer… und auch Sam. Der ist ein besonderer Wanderer, er liefert Pakete mit Materialen in die unwirtlichsten Regionen der einstigen USA, um ein System aus Orten wieder aufzubauen und somit die Zivilisation zu retten. Immer an seiner Seite ist sein Bridge Baby (besagtes Baby aus den Trailern), das Sam in einem Tank mit sich trägt und das ihm dabei hilft, den BTs auszuweichen.

Ganz ehrlich, das ist nur mal so grob die Story. Da gibt es noch so viel mehr… aber gerade zu Beginn hielt sich viele, die mit dem Spiel nichts anfangen konnten an der Tatsache fest, dass „Death Stranding“ einfach nur eine Art Paketliefer-Spiel ist. Renne von A nach B, weiche hier und da Monstern aus und liefere deine Pakete ab. Das schreckte mich dann alles doch irgendwie ab… bis ich mich dann doch an das Spiel heranwagte.

Zu Beginn war ich mir nicht sicher, was das sollte. Zu Beginn fand ich das Spiel anstrengend und monoton. Man musste wirklich nur Pakete ausliefern, allerdings auf beschissene Art und Weise. Ist Sam zu schwer beladen, muss man ständig das Gewicht mit den Schultertasten an der PlayStation ausgleichen. Um Schluchten zu überwinden, um Berge zu bewältigen, muss man zusätzlich Seile, Leitern und anderes Material mitnehmen, was einem zusätzlich mehr Gewicht gibt. Dann kam ich zu Beginn auch überhaupt nicht mit den sporadischen Auftritten der BTs klar: Das Baby fängt an zu quietschen, ein mechanischer Arm fängt an zu blinken und sobald dich diese Viecher geschnappt haben, ziehen sie dich in eine Art Teer-Soße, schleifen dich fort, du verlierst all dein Gepäck und stehst einem noch viel größeren BT gegenüber (vor dem man zumindest mühsam weglaufen kann, da man ja keine Waffen hat).

Das war alles anstrengender, entnervender und frustrierender als ich es mir vorgestellt hatte. Ich war wirklich kurz davor, das Spiel aufzugeben. Die Story war kompliziert und kaum verständlich, wenn sich Charaktere trafen, redeten die einfach nur stundenlang, ohne das wirklich viel passierte. „Death Stranding“ fühlte sich wie ein sehr, sehr prätentiöses Spiel an, das vermeintlich mit schweren Themen wie dem Leben nach dem Tod, Verantwortung, bla bla bla umging.

Doch dann auf einmal… nach ein, zwei (vielleicht auch drei Kapiteln) platzte für mich die Blase. Auf einmal hatte ich ein paar der Knotenpunkte im Spiel mit einander verbunden und die Welt öffnete sich im wahrsten Sinne des Wortes. Auf einmal hatte ich Fahrzeuge zur Verfügung, Brücken, Straßen, Leitern von anderen Spielern, die diese aufgebaut hatten, die ich nun nutzen konnte. Auf einmal wurde die Story komplexer, aber auch persönlicher. Auf einmal kümmerte mich Sam Bridges, ich wollte seine Geschichte kennenlernen. Ich wollte wissen, was es mit seinem Baby auf sich hatte… und ich wollte diese Welt wieder aufbauen.

Je mehr Ressourcen man hatte, desto mehr Spaß machte mir das Spiel auf einmal. Ich war happy, durch die entlegensten Gegenden zu kraxeln. Ich war heiß darauf, Material zu sammeln, um Straßen zu bauen. Manchmal tat ich nichts anderes, als riesige Highways zu bauen, bevor ich mich dann weiter im Spiel vorwagte. Ich baute Stundenlange Ziplines durch die verschneiten Berge des Spiels… auch weil ich wusste, dass ich irgendeinem armen Schwein im Spiel damit später auch mal helfen würde. „Death Stranding“ war nicht mehr nur ein Spiel für mich, sondern auch für andere. Ähnlich wie Sam war ich verantwortlich nicht nur für mich, sondern auch für andere. Das Spiel löste meinen Jäger und Sammler Instinkt mehr aus, als ich es für möglich gehalten hätte.

Gleichzeitig nahm die Story auch eine aufregende Wendungen (die ich hier aber nicht Spoilern will)… und auch wenn ich nicht mit voller Zuversicht behaupten würde, dass ich das Spiel und seine Handlung verstanden habe, war es doch sehr spannend, die Geheimnisse dieser Welt, dieser Menschen und des Death Strandings selbst aufzulösen.

Kojima entführt uns in eine aufregende Welt, in der wir Norman Reedus zudem wie unsere Puppe auch mal waschen und zum Pipi-Machen schicken dürfen. „Death Stranding“ hat manchmal auch echt merkwürdige Passagen gehabt, aber insgesamt hat mich dieses Spiel nach zwei, drei Kapiteln doch so sehr in seinen Bann gezogen, dass ich nicht anders konnte, als immer weiter nach vorne zu gehen. „Death Stranding“ ist die Reise eines Pioniers in den Westen. Ein Wild-West-Abenteuer in einem anderen Amerika, mit anderen Cowboys, mit anderen Indianern in einer ganz anderen Welt. Man muss sich wirklich darauf einlassen… dann hat man da echt schon ein denkwürdiges Erlebnis. Eines, das auch irgendwie was Hypnotisches an sich hat und einen vollkommen einnimmt.

4 Kommentare leave one →
  1. 24. Juni 2020 21:25

    Mit Hideo Kojimas Spielen hatte ich bisher auch nichts zutun und hätte nicht mal ohne nachzuschauen sagen können für welche Spiele er doch gleich so bekannt ist. (Witzigerweise weiß ich aber, dass er einen physiologischen Defekt hat, durch den er selber keine shaky cam Aufnahmen anschauen kann und das stelle ich mir als Game Designer gar nicht so einfach vor.)
    Aber Death Stranding hat mich auch durch das Marketing erreicht, hauptsächlich dank Mads Mikkelsen 😀 Da musste ich einfach mal in den Trailer reinschauen und war sehr angefixt von der düsteren Stimmung und dem „Wanderfeeling“. Ich mag ja Wandersimulatoren und Aufbauspiele … aber ich befürchte das hier wird etwas komplizierter als der typische Wandersimulator ^^ Nach deinem Artikel habe ich jetzt schon richtig Bock drauf, aber ich hebe es mir mal für den Winter auf, wenn das rausgehen keinen Spaß mehr macht. Oder weniger …
    Hast du zufällig mal „Dear Esther“ gespielt? Das kann in punkto Grafik und Komplexität nicht mithalten, es hat ja nicht mal Aufgaben in dem Sinne. Aber ich finde das Spiel hat was.

    • donpozuelo permalink*
      26. Juni 2020 09:42

      Du brauchst auf jeden Fall Zeit dafür. Da bietet sich der Winter wohl eher an.

      Und ja, alle Darsteller in diesem Spiel sind toll. Mads Mikkelsen wird dir da auch oft begegnen… um mal zu teasern, aber ohne zu viel zu verraten.

      Ein klassischer Wandersimulator ist es nun wirklich nicht, nein 🤣 aber es macht echt Spaß und nach einer Weile hat man auch den Dreh gut raus.

      „Dear Esther“ habe ich auf meiner Liste.

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