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OBEY!!!

3. Juni 2020

Endlich, endlich, endlich!!! Wie lange wollte ich schon John Carpenters Film „They live“ sehen? Also so richtig sehen… denn gefühlt wusste ich schon längst alles über diesen Film. Ich wusste um die Sonnenbrille und die versteckten Botschaften (das „Obey!“ ist ja mehr als nur berühmt). Ich kannte den vielleicht kultigsten Spruch der Filmgeschichte: „I have come here to chew bubble gum and kick ass. And I’m all out of bubble gum!“ und mir war klar, dass dieser Film eine nahezu epische Kampfsequenz hat. Doch so wirklich richtig gesehen gesehen hatte ich ihn noch nie… bis jetzt. Mal wieder geht mein Dank an die Netflix-Götter, die stillschweigend meine Gebete erhört und den Film ins Programm aufgenommen haben.

Ein namenloser Tagelöhner (Roddy Piper) kommt in L.A. an und beginnt an einer Baustelle zu arbeiten. Hier lernt er Frank (Keith David) kennen, der ihn mit zu einer kleinen Barackensiedlung nimmt… im Kontrast zum florierenden Großstadtleben sehen wir hier das Elend der Armen. Auch wenn unser namenloser Held glaubt, dass man in Amerika alles erreichen kann, scheint es doch so, als wenn er das Ende der Nahrungskette erreicht hätte. All das ändert sich dann schlagartig, als er eine merkwürdige Sonnenbrille aufsetzt. Auf einmal sieht er die Welt in Schwarz-Weiß. Er sieht unterschwellige Botschaften in Zeitungen, in der Werbung, überall. Und er sieht, dass nicht alle Menschen Menschen sind…

Was für ein geiler Film! Was für eine simple, aber doch kräftige Botschaft! Was für eine clevere Art und Weise, all das in einem Film zu packen. Hut ab, Mr. Carpenter! Sie haben es mal wieder geschafft, mich schwer zu beeindrucken. Ich kannte „They live“ quasi schon, aber den Film jetzt in seiner Gesamtheit zu sehen, ist noch mal was ganz anderes.

Fiese Aliens auf der Erde, die uns „ruhig“ stellen, uns zum Konsum anstacheln und dazu, keine Fragen zu stellen. Die Aliens liefern ihr Opium fürs Volk, damit die Armen schön ruhig und vor allem arm bleiben, während die Aliens brav dem Kapitalismus frönen können. Wenn Roddy Piper das erste Mal die Brille aufsetzt, ist das großartig erschreckend. Es ist ein bisschen wie in „Matrix“, wenn Neo das erste Mal lernt, was wirklich Sache ist. Zwar ist das Ganze nicht so opulent wie bei den Wachowskis, aber Carpenter findet dennoch einfach und dennoch sehr kräftige Bilder. Allein die Tristesse von Schwarz und Weiß ist gruselig. Wenn dann aus einer Zeitung plötzlich nur noch ein Stichwortgeber wird, ist das nicht weniger erschreckend. Das ganze Thema mit den unterschwelligen Botschaften wird hier wirklich toll in Szene gesetzt. Im „Schlaf“ der Gesellschaft existiert eine ganz normale Welt, nur die Wachenden sehen die Tyrannei der Außerirdischen… und gegen die kann man nur wenig ausrichten.

Neben tollen Bildern liefert Carpenter dann hauptsächlich Action. Wrestler Roddy Piper darf vielen Leuten eins auf die Nase geben und wild durch die Gegend ballern. Das Geballere ist jetzt nicht sonderlich aufregend, aber der große Kampf zwischen Piper und Keith David ist schon ein Fest. Sechs Minuten lang kloppen die sich, weil Frank doch einfach endlich mal die Brille aufsetzen soll, aber nicht will. Was daraufhin folgt, ist wirklich eine schräge, aber unterhaltsame Wrestling-Einlage, in der sich die beiden wirklich nichts schenken.

„They live“ ist ein Film, der sowohl kritisch unsere Gesellschaft beäugt und dabei auch sehr unterhaltsam ist. Ein Film zum Wachrütteln und zum Spaß haben. Ich frage mich, wie stark der Verkauf von Sonnenbrillen nach diesem Film hochgegangen ist… obwohl so ein großer Erfolg war der Film ja nicht. Was bestimmt daran lag, dass die heimlichen Alien-Overlords nicht wollten, das wir die Wahrheit erfahren, die uns hier als Abendunterhaltung gezeigt wurde.

Wertung: 9 von 10 Punkten (seid wachsam und guckt nicht zu viel Fernsehen)

5 Kommentare leave one →
  1. 3. Juni 2020 10:47

    Oh ja, völlig unterbewertet der Streifen. Und nein Sonnenbrillen haben wir deshalb nicht getragen, aber das „Insider“ Obey funktioniert bei den Kennern noch heute :))
    Soweit ich mich erinnere, wussten die meisten Kritiker hier zu Lande den Film nicht richtig einzuordnen. Zu comichaft, zumindest für Deutschland damals.
    Kann ich auch immer wieder sehen. Er hat so seine ganz eigene melancholische Stimmung, vielleicht auch durch seinen leicht westernhaft angehauchten Score. Und Roddy…

    • donpozuelo permalink*
      3. Juni 2020 13:19

      Keine Sonnenbrillen… schade…

      Aber ja, kann mir vorstellen, dass man den vielleicht nicht so ganz einordnen konnte. Gerade das macht den Film aber irgendwie auch aus… dieses Comichafte. Er ist albern, ernst und was nicht noch alles.

      Und ja, Roddy Piper ist toll in der Rolle

  2. 4. Juli 2020 19:51

    Wo ich jetzt mal wieder aus meiner Online-Filmfestival-Blase auftauche und Blogs lesen nachhole, bekomme ich so langsam den Eindruck, dass du das ganze Netflix-Repertoire durchsuchtest XD

    • donpozuelo permalink*
      5. Juli 2020 12:49

      Hahaha… dann erstmal willkommen zurück. Und ja, zumindest nehme ich mir ein paar alte Klassiker bei Netflix vor 😅

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