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Pferd vs. Panzer

1. Juni 2020

Ich habe gar nicht so richtig auf dem Schirm gehabt, dass es einen Chris Hemsworth abseits von Marvel gibt. Für mich war Hemsworth in allererster Linie immer Thor. Das erste Mal als Schauspieler habe ich ihn in Ron Howards „Rush“ wahrgenommen. Aber gut, er kam halt groß mit Thor raus… und das bleibt einem Schauspieler dann schon irgendwie hängen. Hemsworth scheint sich ja auch in der Rolle des Actionhelden wohl zu fühlen. Sonst würde er ja schon gegen solche Castings vorgehen. Zuletzt hat er dann ja mit „Extraction“ ein Millionen-Publikum bei Netflix glücklich gemacht (was ich irgendwie immer noch nicht so ganz nachvollziehen kann)… da dachte sich Netflix: „Schieben wir gleich mal was nach“ und veröffentlichte „12 Strong“ mit Hemsworth. Und Dödel, der ich nun mal bin, dachte ich mir: „Okay, das gucke ich mir auch noch an, um mal zu gucken, was der gute Chris sonst noch so macht.“

„12 Strong“ erzählt eine wahre Geschichte… eine Geschichte von dem ersten Team von Soldaten, die nach den Anschlägen auf das World Trade Center nach Afghanistan geschickt werden. Der unerfahrene, aber respektierte Captain Mitch Nelson (Hemsworth) wird mit einer Sondereinheit (u.a. Michael Shannon, Michael Pena) von zwölf Soldaten ins Land geschickt, um die Stadt Masar-e Scharif aus den Händen der Taliban zu befreien. Unterstützung bekommt Nelsons Team dabei von dem afghanischen Warlord Dostum (Navid Negahban), der Nelson mit Pferden ausstattet.

Wenn man den Film anschaut, kann man schon verstehen, warum ein Studio scharf auf diese Geschichte war. Es ist nicht nur eine Heldengeschichte, die amerikanische Soldaten feiert. Nein, es ist eine Heldengeschichte, die das Ganze auch noch gekonnt mit dem Ur-Bild des amerikanischen Helden schlechthin vereint: dem Cowboy. Und dann ist das auch noch eine wahre Geschichte. Besser kann es doch eigentlich nicht gehen, oder??? Zu Ehren von Mitch Nelson und seinem Team steht mittlerweile sogar eine Reiterstatue am Ground Zero. Da musste Hollywood doch einfach nachziehen.

Leider ist die wahre Geschichte eher ziemlich unspektakulär geworden. Das Einzige, was an diesem Film funktioniert, sind die Bilder und die Action. Es hat schon was, diese Soldaten da auf ihren Pferden reiten zu sehen. Wenn sie im wilden Galopp gegen die Panzer der Taliban anreiten, fühlt man sich ein wenig an „David gegen Goliath“ erinnert. Behält man dabei im Hinterkopf, dass das tatsächlich so passiert ist, hat das schon was Unglaubliches an sich. Die Action, die dazu kommt, kann sich auch sehen lassen. Der dänische Regisseur Nicolai Fuglsig serviert uns in seinem Film-Debüt große Explosionen und wilde Schießereien. Er inszeniert „12 Strong“ wirklich wie einen Western. Man könnte die gleiche Story – blöd gesagt – mit Cowboys und Indianern nachstellen und man würde keinen Unterschied merken. So kann Fuglsig aber eben amerikanischen Heldenepos in bester Manier feiern. Was er auch macht…

… leider verpasst er dabei die Chance, uns diese Menschen auch nur in irgendeiner Weise näher zu bringen. Auch nach dem Film kann ich nicht sagen, was das eigentlich für Menschen gewesen sind. Hemsworth ist halt einfach Held Nummer 1, der Verhandlungskünstler, der Unverwundbare, der einfach mal so eine geworfene Handgranate aufhebt und sie zum Feind zurückwirft. Alle anderen sind einfach nur ein Brei aus „cleveren“ Sprüchen, ein bisschen Soldaten-Sprech und das war’s. „12 Strong“ hat gute Darsteller, denen einfach nichts gegeben wird. So langweilt einen dieser Film ziemlich schnell… denn nur Cowboy-Action und Explosionen reichen irgendwann einfach nicht aus. Wenn dieser Film nicht auf wahren Begebenheiten basieren würde, würde man all diesen Charakteren unterstellen, sie wären zu übermenschlich. Geschützt von ihrer „plot armour“ kommen sie überall durch. Die Spannung geht irgendwann einfach komplett verloren.

„12 Strong“ feiert diese amerikanischen Cowboys in Afghanistan, lässt sie dabei aber auch komplett in wilder Action untergehen. Wer diese Männer sind, wissen wir nach dem Film auch nicht. Schade… aber immerhin haben sie jetzt neben einer Statue auch noch ihren eigenen Film.

Wertung: 5 von 10 Punkten (nette Action, viel Bumm Bumm, mehr nicht)

2 Kommentare leave one →
  1. 7. Juni 2020 15:20

    Tja, mit genau so etwas habe ich schon gerechnet. Ich bin eigentlich echt interessiert, aber der Film ist halt auch ziemlich lang für so eine Action-Klamotte…

    • donpozuelo permalink*
      7. Juni 2020 19:57

      Ja. Das stimmt. Ich finde aber auch immer noch, sie hätten den Film wie „Rambo 3“ aufziehen sollen. Nicht ganz so ernst… und einfach mehr Action. Wäre unterhaltsamer gewesen.

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