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Filmreise Etappe #32: Rocky on the rocks

29. Mai 2020

Erst war ich skeptisch, was die Sport-Kategorien dieser Filmreise anging, aber mittlerweile habe ich richtig Spaß dabei. Vor allem, weil ich jetzt in der Rubrik Extremsport einen großartigen Film gefunden habe, der sogar eine Gemeinsamkeit mit meinem vorherigen Film „Days of Thunder“ hat: Mal wieder kreucht hier Michael Rooker als Schurke-der-zum-besten-Freund-wird-Charakter durch diesen Film. Zuerst raste er mit Tom Cruise um die Wette, in Renny Harlins „Cliffhanger“ klettert er mit Sylvester Stallone durchs Gebirge… und meine Güte, das ist (berg)spitze 😀

Acht Monate lang hat sich Ranger und Berg-Experte Gabriel Walker (Stallone) nicht mehr in die Berge getraut… Grund dafür ist der Tod der Freundin seines besten Freundes Hal (Rooker), für den Hal Gabe die Schuld gibt (und Gabe tut es ihm gleich). Doch ein Notruf von eingeschneiten Wanderern stimmt Gabe um. Gemeinsam mit Hal wollen sie die Gruppe retten… dabei ahnen sie nicht, dass es sich bei Eric Qualen (John Lithgow) und seinen Begleitern um Gangster handelt, die in den Bergen nach Geldkoffern suchen und nun Gabe und Hal zwingen, diese für sie zu suchen.

Ich war nicht darauf vorbereitet, wie viel Spaß mir „Cliffhanger“ machen würde. Ich ging einfach davon aus, dass Stallone halt ein bisschen durch die Berge klettert und das war’s. Dass das Ganze ein richtiger Action-Film wird, wie man ihn nur in den 90er Jahren mit Stallone (oder vielleicht noch Schwarzenegger) hätte machen können, hätte ich im Leben nicht für möglich gehalten. Doch es fängt schon mit der großartigen Eröffnungssequenz an, dem wortwörtlichen Drahtseilakt (der später sogar „Ace Ventura 2“ zu einer ähnlichen Szene mit Waschbär inspirierte) und hört danach einfach nicht auf.

Renny Harlin, der zuvor „Stirb Langsam 2“ drehte und bevor er mit „Die Piratenbraut“ den größten Kinoflop aller Zeiten drehte, gönnt sich und uns in „Cliffhanger“ einfach richtig Action. Mit Bergsteigen. Ich war nicht darauf vorbereitet, wie absurd, brutal und komisch dieser Film sein würde. Stallone klettert erstmal fröhlich im dünnen T-Shirt durch die Gegend (später reicht dann ein alter Pulli für den harten Kerl), später zündet er sich ein Lagerfeuer mit dem gesuchten Geld an, nutzt einen der Schurken als Schlitten aus und tötet einen anderen, indem er ihn in Stalaktiten drückt. Dazwischen wird geballert, was das Zeug hält… das spritzt das Blut, da fliegen die Körper durch den Schnee… und dennoch verliert Harlin seine Bergkulisse nie aus den Augen.

Es gibt tolle Passagen, in denen Stallone sich im free climbing beweisen darf. Da gibt es teilweise sehr aufregende Passagen, bei denen man schon mal ein bisschen ins Schwitzen kommt (auf dem sicheren Sofa). Zum Beispiel, wenn sich Gabe und seine Freundin Jessie (Janine Turner) in bester Lara-Croft-Manier an einem dünnen Seil über ein Spalt in der Bergwand schwingen. Harlin weiß ganz gut, seine Action-Sequenzen durch die zusätzlichen Kletter-Partien aufzuwerten. „Cliffhanger“ ist ein typischer Action-Film in einem untypischen Szenario.

Dazu darf man nicht John Lithgow unterschlagen: Ich mag den Mann einfach. Ob komisch oder ernst, er erfüllt jede Rolle. Als Trinity-Killer sorgte er in „Dexter“ für die beste Staffel der Serie. Als Eric Qualen ist er ein wunderbar ekliges Arschloch, dass eiskalt über Leichen geht und keinerlei Mitgefühl für irgendwen zeigt.

„Cliffhanger“ hat zwar vielleicht nicht viel mit Extremsport zu tun (das free climbing hier ist nicht so krass extrem, sondern Stallone-Superman-Extrem, sprich: ne leichte Nummer; es gibt eine Base-Jump-Szene… das war’s auch schon). Aber so als reiner, launiger Action-Film schäme ich mich schon fast, dass ich dieses kleine Meisterwerk erst jetzt für mich entdeckt habe. Stallone spielt den stoischen Helden tapfer und übermenschlich (Kälte macht ihm einfach gar nichts aus… selbst ein kurzes Bad in eiskaltem Wasser steckt er gut weg), Michael Rooker ist sein treuer Gefährte, mit dem er sich erst zankt und später wieder brav verträgt und Lithgow macht allen das Leben zur Hölle.

„Cliffhanger“ ist over-the-top, aber darin trotzdem erstaunlich geerdet. Der Film nimmt sich nie zu Ernst und liefert tolle Schauwerte (auch wenn jetzt gar nicht so viel geklettert wird, sind einige Passagen echt grandios in Szene gesetzt). Eine tolle Entdeckung für mich in dieser Filmreise.

Wertung: 9 von 10 Punkten (ich feiere nicht nur mein Wortspiel im Titel, sondern auch diesen Film… herrlicher Quatsch)

4 Kommentare leave one →
  1. 29. Mai 2020 10:39

    Ja, der ist super. Ist mein Lieblings-Stallone-Film und ich feiere das Setting und Lithgow als Bösewicht sehr.

    • donpozuelo permalink*
      29. Mai 2020 14:40

      Der gehört für mich jetzt auch zu den Lieblingsfilmen von Stallone. Ist schon wirklich super. Lithgow ist auch toll.

      Ich finde nur die Pläne, davon jetzt ein Remake zu machen, nicht gerade aufregend. Aber gut… lässt sich wohl nicht vermeiden

      • 30. Mai 2020 00:00

        Remake? Nee, das muss echt nicht sein.

        • donpozuelo permalink*
          30. Mai 2020 06:46

          Ist wohl auf jeden Fall geplant. Dieses Mal dann mit einer Frau in der Hauptrolle

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