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Krankenhaus der Schurken

25. Mai 2020

An dem Titel „Hotel Artemis“ ist eigentlich nichts verwerfliches. Doch als Berliner (ich glaube, nach knapp 10 Jahren darf ich mich jetzt auch Berliner nennen, oder???) hat gerade das „Artemis“ im Titel doch einen etwas unangenehmen Beigeschmack. Da kommen nicht etwa Gedanken an die griechische Göttin der Jagd auf, Behüterin der Frauen und Kinder. Nein, leider nicht. Stattdessen muss ich an das „Artemis“ denken, ein – wie es sich selbst nennt – Sauna- und FKK-Club, am Rand der Stadt. Für dieses Etablissement wird an Taxis und Bussen gerne Werbung gemacht – und jeder weiß eigentlich ganz genau, was FKK-Club wirklich bedeutet. Deswegen, und da bin ich ganz ehrlich, habe ich bislang um den Film „Hotel Artemis“ irgendwie einen weiten Bogen gemacht. Doch vor einiger Zeit las ich bei audiovisuell von Christian die Kritik zum Film, die gar nicht so schlecht ausfiel. Und weil ich an dem gleichen Abend nichts Besseres zu tun und Amazon Prime den Film im Angebot hatte, ließ ich mich dann doch auf das „Hotel Artemis“ ein.

Das „Hotel Artemis“ ist eigentlich nicht wirklich ein Hotel, sondern eher ein Krankenhaus für bestimmte, auserlesene Kunden. Meistens sind diese Kunden Kriminelle, die es sich was kosten lassen, dort unterzukommen. Unter der Pflege der Krankenschwester (Jodie Foster) und mit Decknamen versehen, um die Identität zu schützen, lassen sie hier Schusswunden, Brüche und was nicht alles mit modernster Technik pflegen (dazu sollte man nicht unerwähnt lassen, dass „Hotel Artemis“ leichte Sci-Fi-Züge hat und im Jahr 2028 spielt). An einem Mittwochabend brummt das Geschäft: Die Brüder Waikiki (Sterling K. Brown) und der schwer verletzte Honolulu (Brian Tyree Henry) tauchen auf… Nice (Sofia Boutella) soll jemanden im Hotel umbringen und der nervige Acapulco (Charlie Day) will einfach nur raus. Doch dann lässt die Krankenschwester erst eine Polizistin (gegen die Regeln) ins Haus und muss außerdem auf den gefürchteten Gangsterboss Wolf King warten. Als einzige Hilfe hat sie Everest (Dave Bautista).

Iron Man 3“-Ko-Autor Drew Pearce führt hier das erste Mal bei einem Spielfilm die Regie – und das nach seinem eigenen Drehbuch. Und gerade an dem hapert es dann doch ein bisschen. Denn gerade unsere Protagonistin, die Krankenschwester, bekommt eine etwas wirre Hintergrundgeschichte, die sich sehr erzwungen anfühlt. Wie auch die Verbindungen der einzelnen Charaktere im Hotel zueinander. Die Charaktere selbst werden gut aufgebaut (dazu gleich noch mehr), aber das Zusammenspiel klappt am Ende nicht ganz so gut. Die großen Wendungen und Enthüllungen sind jetzt nicht so raffiniert, dass sie „Hotel Artemis“ zu etwas besonderem machen. Dazu kommt noch, dass das ganze Sci-Fi-Setting (mit Revolten auf den Straßen, modernster Technik) irgendwie nie genügend zur Geltung kommt. Es ist nett, aber hätte mehr zur Story beitragen können.

Dennoch ist der Film nicht langweilig, was einfach an den Charakteren selbst liegt. Jodie Foster spielt super. Ihre Krankenschwester hat Ecken und Kanten, ist routiniert und dadurch so emotionslos, dass sie Hauptquelle für den schwarzen Humor dieses Films ist. Foster spielt gut, nur hätte ich ihrer Rolle , Sterling K. Brown mimt so ein bisschen die Sichtweise des Zuschauers und „Die Mumie“-Mumienfrau Sofia Boutella ist der klassische Männer-Traum einer Action-Killerin im unpraktischsten, aber sehr schicken roten Abendkleid zeigt sie hier den Kerlen, wo der Hammer hängt. Selbst Dave Bautista passt gut in die kleine Rolle, die er als Helfer der Krankenschwester einnimmt. Die Figuren haben alle eine gute Chemie, leider macht Pearce dann nicht alles aus diesem Ensemble. Dennoch funktionieren sie gut.

Der Witz ist da, das Timing stimmt meistens, die Action ist gut, das Kammerspiel unterhaltsam bis zum Ende. Das Ganze erinnerte mich ein bisschen an das Hotel aus den „John Wick“-Filmen. Daraus hätte man auf jeden Fall mehr machen können.

Wertung: 7 von 10 Punkten (stylishes und unterhaltsames Action-Kammerspiel mit tollen Darstellern und coolem Setting – aber ausbaufähig)

9 Kommentare leave one →
  1. 25. Mai 2020 14:18

    Freut mich sehr, dass er dir Vergnügen bereitet hat 🙂

    • donpozuelo permalink*
      25. Mai 2020 21:33

      Danke für den Tipp. Hat echt Spaß gemacht. Bei dem Film könnte ich mir echt vorstellen, dass da ein Crossover mit John Wick gut funktioniert hätte (wenn das Ganze nicht in der Zukunft spielen würde 😅)

      • 26. Mai 2020 22:33

        Ich glaube eher, dass sich die Drehbuchautoren hier stark von John Wick haben inspirieren lassen. Obwohl das Ganze vielleicht auch auf nem Comic basiert… aber sie wollten zumindest eine ähnliche Stimmung erzeugen

        • donpozuelo permalink*
          27. Mai 2020 07:50

          Absolut. Der Film fährt voll im Wick’schen Fahrwasser. Aber das macht er ja nicht schlecht. Ich war auch echt erstaunt, Jodie Foster mal wieder in was zu sehen. Ist gefühlt auch schon Ewigkeiten her, dass ich sie in nem Film gesehen habe.

  2. 31. Mai 2020 11:32

    Bei mir hat er glaub ich 6 von 10 Punkten bekommen, weil ich die Geschichte noch etwas schwächer fand als du. Vor allem war ich, glaub ich, enttäuscht, weil ich mehr aus der Idee erwartet hätte

    • donpozuelo permalink*
      31. Mai 2020 20:11

      Ja, man hätte schon mehr aus der Story machen können. Aber vielleicht wäre es dann auch zu überladen gewesen. Ich bin nur ganz froh, dass es nur bei diesem einen Film geblieben ist. Das Konzept schreit ja schon ein bisschen nach Reihe (oder Serie)…

      • 1. Juni 2020 00:18

        War nicht mal ne Serie im Gespräch? Dächte sowas gehört zu haben

        • donpozuelo permalink*
          1. Juni 2020 10:22

          Echt? Keine Ahnung. Würde aber irgendwie Sinn machen.

        • 1. Juni 2020 10:36

          Also ich finde auch gerade keinen Beleg dazu, aber ich dächt sowas gehört zu haben. Vielleicht wurde es auch schon wieder verworfen

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