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Der wandernde Fluch… in Japan

13. Mai 2020

Nachdem ich mich durch das neue Reboot von „The Grudge“ quälen musste, wollte ich es wissen. Kaum kam ich nach dem Kino-Besuch zuhause an, habe ich mir das Original rausgesucht… und war erst einmal überrascht, dass „Ju-On: The Grudge“ an sich ja der dritter Teil der „Ju-On“-Reihe ist. Nur „Ju-On: The Curse“ und „Ju-On: The Curse 2“ waren in Japan nur Heimkino-Veröffentlichungen. Erst „Ju-On: The Grudge“ fand den Weg in die Kinos und dann in die Herzen von Horror-Fans. Und nach dem grausigen 2020-Reboot war es doch ganz schön zu sehen, dass ein 18 Jahre alter Film immer noch tausendmal besser ist als das, was man sich heute so ausgedacht hat.

Die junge Kayako und ihr Sohn Toshio werden von Ehemann und Vater Takeo brutal ermordet… woraufhin ein Fluch entsteht. Kayako und Toshio werden zu unheimlichen Wesen. Während Toshio einfach nur creepy ist, killt Mama Kayako fröhlich jeden, der ihr einstiges Haus betritt. Den Anfang macht natürlich ihr liebevoller Ehemann. Doch damit endet das Ganze nicht – als Pflegerin Rika (Megumi Okina) das Haus betritt, um die demente Mutter der Familie Tokunaga zu pflegen, wird sie Teil einer langen Reihe von unheimlichen Morden.

Es ist lange her, dass ich diesen Film das erste Mal gesehen habe… und ich weiß nicht, ob ich allgemein abgehärteter geworden bin oder ob mich das furchtbare Reboot so desillusioniert hat: „Ju-On: The Grudge“ kam mir jetzt längst nicht mehr so gruselig vor, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Was aber nicht heißt, dass er nicht atmosphärisch ist – und hier und da doch auch zu gruseln weiß. Mein größtes Problem war nur, dass in einigen Szenen die Darsteller so merkwürdig zeitversetzt auf etwas unheimliches reagieren. Wenn da etwa ein plötzlich klingelndes Telefon die Stille zerreißt, springt unsere tapfere Schauspielerin erst eine Sekunde danach auf. Das passierte dann ein paar Mal und riss mich immer ein bisschen raus.

Was aber nach wie vor super funktioniert, ist das creepy Kleinkind, das miaut, die Katze, die auch miaut und eben Mama-Geist, die in bester Exorzist-Manier durch die Gegend krappelt und dabei gruselig knarrt und knurrt. Allein dieses Geräusch ist schon perfekt.

Dazu ist die Erzählweise ziemlich cool, ist „Ju-On: The Grudge“ doch eigentlich eine Aneinanderreihung mehrerer Geschichten, die uns zeigen, wer wie und wo vom Fluch der Kayako betroffen war. Dabei überwindet der Fluch auch mal Raum und Zeit, springt vor und zurück und ist nicht immer nur an das Haus gebunden, sondern kann sich vielfältig und spannend austoben. Wie eine kleine Mini-Serie in Filmform… eine packende Aneinanderreihung von kleineren Kurzfilmen, deren rote Fäden der unheimliche Fluch, das unheimliche Haus und die unheimlichen Erscheinungen sind.

Das macht aus dem vermeintlichen „Haunted House“-Film mal ein bisschen was anderes. Jede einzelne Geschichte hat tatsächlich immer noch einen neuen Aspekt zu bieten, baut die simple Geschichte weiter aus und erschafft eine schaurig-schöne Mythologie um dieses kleine Haus in einem unscheinbaren Vorort in Tokio. Das macht Laune, zieht aber auch nicht wirklich so extrem in die Story rein… denn, und da macht das Reboot von 2020 alles „richtig“, die Charaktere lernt man dadurch auch nicht besser kennen. Es ist wie ein Abhaken, wann denn der nächste draufgeht. Es wird zum Warten darauf, wann der kleine Toshio das Kommen seiner Geistermama ankündigt.

Aber im Gegensatz zum neuen Film kann ich das dem Original verzeihen, denn auch wenn ich die Charaktere jetzt nicht sonderlich aufregend oder interessant finde, ist das ganze Drumherum spannend genug.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein solider guter Grusel-Film, der zu viele Remakes hervorgebracht hat – fast wie ein kleiner Fluch)

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