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Filmreise Etappe #29: Kleiner Held ganz groß

8. Mai 2020

Ich liebe Fantasy. Zurzeit bin ich tatsächlich auch auf der Suche nach einer guten (und vor allem nicht zu langen) Fantasy-Reihe (so ganz hat die Hexer-Saga da mein Bedürfnis nach Fantasy nicht stillen können). In Film-Form ist das meist ein wenig einfacher als in Buch-Form. Gefühlt jede Fantasy-Saga ist entweder 10 Bände und mehr lang oder noch nicht abgeschlossen – und damit spiele ich jetzt nicht nur auf einen gewissen Mr. Martin an, der sein Lied von Eis und Feuer immer noch nicht zu Ende gebracht hat, sondern auch auf einen gewissen Mr. Rothfuss, dessen Kingkiller Chronicles mir empfohlen wurden. Aber auch hier fehlt seit fast zehn Jahren der dritte Teil der Trilogie. Was ist nur los mit Fantasy-Autoren? Entweder sie schreiben zu viel oder sie schreiben gar nichts. Also falls jemand von euch eine gute Fantasy-Reihe zum Lesen empfehlen kann (bei der ich mich nicht durch tausend Bücher kämpfen muss), immer her damit!!! Ich bleibe dann also erst einmal bei Fantasy in Film-Form… und da diese Woche Star-Wars-Day gewesen ist, gehe ich zu George Lucas und seinem Fantasy-Abenteuer „Willow“.

Die unbarmherzige Königin Bavmorda (Jean Marsh) wird mit einer uralten Prophezeiung konfrontiert: Ein Mädchen mit einem bestimmten Mal ist ihr Untergang. Daraufhin lässt Bavmorda alle Neugeborenen untersuchen… dabei kann ihr das prophezeite Kind namens Elora entkommen. Die Kleine landet bei dem ahnungslosen Willow (Warwick Davis), ein Nelwyn mit Ambitionen, Zauberer zu werden. Das Dorf entscheidet, dass Willow das Kind den Menschen übergeben soll… auf seiner Reise trifft er dabei den abtrünnigen Krieger Madmartigan (Val Kilmer), der Willow nur widerwillig hilft, das Kind in Sicherheit zu bringen. Eine wilde Hetzjagd beginnt, da die Königin ihre Tochter Sorsha (Joanne Whalley) und ihre Truppen auf die Suche geschickt hat.

Es ist verdammt, verdammt lange her, seit ich das letzte Mal „Willow“ gesehen habe… ein Film, bei dem ich immer wieder vergesse, dass er auf einer Idee von George Lucas basiert. Aber wenn man hinschaut, steckt da ziemlich viel Star Wars… äh, ich meine natürlich, George Lucas drin: statt zwei sich zankenden Robotern haben wir zwei Brownie-Krieger. Aus dem Farm-Jungen wird ein kleiner Zwerg. Der grummelige, aber symapthische Held ist hier kein Schmuggler, sondern Krieger. Die Prinzessin ist hier ne Prinzessin. Der weiße alte Jedi-Meister, der Luke in der Macht unterrichtet, ist hier eine Zauberin in verfluchter Tierform. Macht heißt hier Magie. Das Land ist im Krieg und die freien Völker rebellieren gegen die böse Königin. Am Ende gibt es einen Kampf, bei dem sich zwei Gegner mit Blitzen beschießen… aber gut, ich will jetzt George Lucas keine Form der Kreativ-Losigkeit vorwerfen. Aber gerade als „Star Wars“-Fan ist „Willow“ echt eine witzige Angelegenheit: Das Schema Star-Wars passt hier einfach zu gut. Aus einem Sci-Fi-Märchen wird halt mal wirklich ein richtiges Märchen.

Von den ganzen Star-Wars-Bildern aber mal abgesehen: Der Film macht nach wie vor Spaß. Wie gesagt, das Konzept Star-Wars ist ja nicht wirklich das Konzept Star-Wars, sondern einfach Gut gegen Böse. Es kommt weniger auf die vorhersehbare Handlung an, sondern viel mehr auf die Charaktere. Und die sind einfach klasse: Val Kilmer hat sichtlich Spaß daran, den krummen Hund Madmartigan zu spielen. Er darf in dieser Rolle aber auch wirklich frei drehen: Ob in Frauenkleidern, als Gefangener, der um sein Leben bettelt, ob als großer Kämpfer oder verliebter Trottel – Kilmer lebt die Rolle ganz und gar. Warwick Davis darf endlich aus seinem Ewok-Kostüm und sich mal ganz ohne Fell im Gesicht beweisen… und er ist ein toller Held. „Willow“ ist Warwicks Film und den trägt er ohne Probleme. Er steckt selbst seine Kollegen in den Schatten… was aber auch daran liegt, dass sein Willow der ausgereifteste Charakter dieser kleinen Saga ist. Was aber nicht heißt, dass alle anderen ihre Wirkung verfehlen. Siehe Val Kilmer, der ist toll. Auch die beiden Feen-Krieger sind super witzig.

„Willow“ macht Spaß. Durch und durch. Anders kann man es nicht sagen. Die Effekte haben sich ganz gut gehalten, obwohl man sie an einigen Stellen schon sehr deutlich als solche erkennen kann. Aber was soll’s? Der Film liefert alles, was man für Fantasy braucht: Drachen, Zauberer, Fabelwesen und und und… das ist einfach tolle Märchen-Unterhaltung.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Star Wars mal wirklich als Märchen)

4 Kommentare leave one →
  1. 8. Mai 2020 08:01

    Ich lieeebe „Willow“. Für mich wohl der beste Fantasy-Film neben Jacksons Mittelerde-Filmen. Wusstest du, dass es dazu eine Romanfortsetzung gibt (die aber absolut schrecklich ist). Du kannst mal bei mir auf dem Blog nach „Schattenmond“ suchen… 😉

    Aber du wolltest ja eine Empfehlung und da kann ich dir die (bereits abgeschlossene!) „Zerrissene Erde“-Trilogie ans Herz legen: https://moviescape.blog/2019/08/07/the-broken-earth-book-1-the-fifth-season-n-k-jemisin/

    Bin gerade in den letzten Zügen mit dem dritten Band und die Reihe ist wirklich toll und außergewöhnlich.

    • donpozuelo permalink*
      8. Mai 2020 10:21

      Erstmal danke für den Tipp. Klingt ja im ersten Band noch etwas verworren mit all den Begriffen und so was, aber das erinnert mich ehrlich gesagt von deiner Beschreibung her sehr an Frank Herberts „Dune“. Da habe ich auch alle Nase lang in seinem Appendix nachschlagen müssen, was er da eigentlich für wilde Wortfindungen hat.

      Die Reihe kommt aber auf jeden Fall mal auf die Liste. Vor allem schön, dass du in deinem Artikel gar nicht so recht sagen kannst, ob es nun Fantasy oder Sci-Fi ist. Klingt echt gut.

      Von diesen „Schattenmond“-Fortsetzungen zu „Willow“ habe ich gelesen. War auch erst fasziniert, habe dann aber schnell festgestellt, dass diese Trilogie nirgends auch nur irgendwie gut angekommen ist. Von daher habe ich es gleich wieder bleiben gelassen.

      Aber ja, „Willow“ ist ein toller Film. Ihn so in einem Satz mit Peter Jacksons Herr der Ringe zu erwähnen, finde ich krass 😀 wäre bei mir nicht ganz so. Ich muss sagen, da schlägt mein Herz ein wenig mehr für Ridley Scotts „Legend“ 😀

      • 8. Mai 2020 10:40

        Inzwischen kann ich sagen, dass die Reihe wohl Endzeit-Fantasy ist… 😉

        „Legend“ mag ich auch, aber ist mir teils zu artifiziell. Da mag ich den klassischeren und humorvollen Ansatz von „Willow“ noch lieber (auch wenn sich die Geschichte schon krass bei Tolkien bedient).

        • donpozuelo permalink*
          8. Mai 2020 10:48

          Ja. Stimmt schon. „Willow“ ist greifbarer, aber an „Legend“ mag ich gerade dieses High Fantasy Konzept, das in jeder Einstellung so auf die Spitze getrieben wird.

          Und Endzeit-Fantasy klingt nicht schlecht

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