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Definitiv nicht mehr Marvel

6. Mai 2020

Seit „Avengers: Endgame“ scheint das Interesse an Marvel sehr stark geschwunden zu sein. Ich merke das auch an mir selbst. Die einzigen Filme, auf die ich mich wirklich gerade noch freue, sind „Thor 4“ und „Guardians of the Galaxy 3“. Ansonsten beäuge ich alles andere vorsichtig (vor allem, wenn man bedenkt, dass man jetzt dank Disney+ doch mehr auf die Verknüpfung zwischen Serien und Filmen eingehen will, sprich: Wir sollen noch mehr gucken, um alles besser verstehen zu können). Da müssen sich nun auch die, die so viel für Marvel gemacht haben, andere Wege finden. So haben sich die Russo-Brüder mit Chris Hemsworth zusammengetan, um mal was zu machen, was definitiv nicht mehr Marvel ist. Mit dem einstigen Stunt-Koordinator für „Civil War“ und „Endgame“, Sam Hargrave, in seinem Regie-Debüt bringen die Brüder „Extraction“ auf Netflix… ein Film basierend auf einem Comic nach einem Drehbuch von Joe Russo. Der Film gelangte schnell an die Spitze der Netflix-Charts… und so wollte ich doch auch mal wieder gucken, ob der Hype so gerechtfertigt ist.

In Indien wird der junge Ovi (Rudhkraksh Jaiswal), Sohn des größten Drogenbosses Indiens entführt – vom Drogenboss Amir (Priyanshu Painyuli) aus Bangladesch. Der Vater von Ovi beauftragt daraufhin seine rechte Hand Saju (Randeep Hooda) damit, den Jungen zu befreien. Saju wiederum holt sich Hilfe von außen: Der Söldner Tyler Rake (Chris Hemsworth) soll mit seinem Team Ovi befreien. Doch die Aktion geht gehörig schief: nicht nur versucht Saju gegen Tyler vorzugehen, um den Jungen am Ende doch selbst zu befreien. Nein, Amir hat Polizei und Militär in seiner Tasche und startet einen Großangriff auf Tyler.

Ohne lange um den heißen Brei zu reden: Die Story von „Extraction“ ist der größte Schwachsinn. Wir haben Bösewicht A und Bösewicht B und die sind beide böse, weil sie böse sind. Und der eine entführt ein Kind und daraufhin bricht Krieg aus. Fertig. Mehr ist das nicht… alles andere, was der Film da irgendwie noch reinbringen will, ist langweiliger Mist, der die „Handlung“ nur streckt. Dieser ganze vermeintliche Verrat von Saju an Tyler macht überhaupt keinen Sinn. Auch nicht, dass die sich am Ende dann doch wieder vertragen und zusammen arbeiten. Was zur Hölle??? Also Joe Russo sollte definitiv noch einmal einen „Wie schreibe ich ein Drehbuch“-Kurs besuchen gehen. Das hier ist nichts. Charakter-Entwicklung? Kannste vergessen. Aus Tylers Team bleibt keiner im Kopf… nur vielleicht seine Freundin Nik, aber auch nur, weil Golshifteh Farahani die einzige Frau in diesem Film.

Man spürt, dass sich Joe Russo stark von „Man on Fire“ inspirieren ließ. Nur während Denzel Washington und Dakota Fanning wirklich eine rührende Beziehung zu einander hatten und am Ende auch emotional einiges auf dem Spiel stand, ist die Beziehung zwischen Tyler und Ovi halt da, weil das Drehbuch sie gerne hätte. Weil Tyler, wie uns einige schwammige Rückblenden zeigen wollen, seinen eigenen Sohn verloren hat, will er jetzt wohl Buße tun. Keine Ahnung… wie gesagt, dann lieber Denzel Washington. Da war das ganze Thema „Söldner und Schützling“ emotionaler und wirkungsvoller. In „Extraction“ ist es nur ein leises Rausches zwischen der ganzen Action.

Damit wären wir dann bei der offensichtlich zweiten Inspiration für diesen Film: „John Wick“. Alles in diesem Film, wenn es um die Action ging, hat mich immer wieder sehr stark an Keanu Reeves und seinen Killer John Wick erinnert. Wie Hemsworth mit jeder Art von Waffe perfekt umgeht, wie er mit jedem Schuss gekonnt seine Gegner ausschaltet. Es hätte wirklich nur noch der schwarze Anzug und das weiße Hemd gefehlt. Wer weiß, vielleicht können Tyler und John ja mal ein Cross-Over feiern. Da packen wir dann noch Charlize Theron aus „Atomic Blonde“ dazu und fertig.

Aber gut, die Action war wenigstens sehenswert. So ab Minute 45 oder so gibt es eine sehr beeindruckende und sehr lange One-Shot-Sequenz, in der sich Tyler mit Ovi im Schlepptau durch seine Gegner kämpft. Das ist das Highlight des Films, eine Action-Sequenz, der die Puste nicht ausgeht, die eine perfekte Choreografie der Gewalt ist. Leider hat Sam Hargrave damit auch schon all seine Kreativität aufgebracht. Danach ist „Extraction“ einfach nur noch laut und brutal… der geht der Kill-Count mit jeder verstreichenden Minute höher und höher.

Naja… ich glaube, wenn dieser Film nicht den unterschwelligen Marvel-Bonus hätte, wäre der nicht ansatzweise so in den Vordergrund gerückt. Denn abgesehen von seinen großen Namen vor und hinter der Kamera und der einen guten Plansequenz hat „Extraction“ nicht gerade viel zu bieten, was nicht andere Filme schon besser gemacht haben.

Wertung: 4 von 10 Punkten (definitiv kein Muss)

4 Kommentare leave one →
  1. 26. Mai 2020 16:19

    Hypes bei Netflix rauschen ja eh zumeist an mir vorbei. Aus Gründen…

    • donpozuelo permalink*
      26. Mai 2020 19:31

      Ja, in neun von zehn Fällen ist das auch die eindeutig richtige Entscheidung.

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