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Filmreise Etappe #27: Käfer-Killer

24. April 2020

Mit der 27. Etappe komme ich zu einem Film, mit dem mich ein kleines, aufregendes Abenteuer verbindet. Ich war damals 15, als Paul Verhoevens „Starship Troopers“ in die Kinos kam. Natürlich wollte ich den unbedingt sehen, aber der Film war ab 18 und zumindest wurde das bei dem Film auch sehr, sehr streng kontrolliert. Damals bin ich mit meinem älteren Bruder ins Kino gegangen. Er hat die Karten gekauft und mich dann möglichst unauffällig reingeschmuggelt. Natürlich hatte ich das Gefühl, meine Birne glüht rot wie eine Alarmglocke. Meine Hände waren schweißnass und als wir es dann irgendwie ins Kino geschafft hatten, versteckte ich mich die ganze Zeit hinter einer dieser kostenlosen Kinozeitschriften. Tatsächlich liefen dann damals noch Leute aus dem Kino durch den Saal (es war wirklich krass, wie viel Security die wegen diesem Film gemacht hatten) und drei Reihen vor mir zogen sie dann tatsächlich noch so eine Vierergruppe von Jungs raus, die nicht 18 waren. Da ging der Stresspegel bei mir direkt nochmal um einiges hoch… aber irgendwann war auch das überstanden und ich konnte endlich meinen ersten FSK-18-Film im Kino genießen. Seitdem sind schon über 2 Dekaden (!!!!) ins Land gestrichen und jetzt wollte ich mir diesen „Meilenstein“ in meiner persönlichen Kinogeschichte noch einmal anschauen.

Die Erde befindet sich im Krieg… im Krieg gegen merkwürdige Käfer vom Planeten Klendathu. Der aus gutem Hause stammende Johnny Rico (Casper van Dien) möchte unbedingt zum Militär – aber nicht etwa aus patriotischen Gründen, sondern weil seine Angebetete Carmen (Denise Richards) dort als Pilotin anfangen wird. Leider ist Rico nicht die hellste Leuchte und landet bei der Infanterie. Zusammen mit der wiederum in ihn schwer verliebten Dizzy (Dina Meyer) durchläuft er das Training… und als die Käfer einen Meteoriten auf seine Heimatstadt Buenos Aires krachen lassen, ist Rico bereit für den Kampf… denn: nur ein toter Käfer ist ein guter Käfer!

Eins mal direkt vorweg: Von den Effekten her ist „Starship Troopers“ wirklich erstaunlich gut gealtert. Die Riesenkäfer, die Paul Verhoeven hier auf seine Darsteller loslässt, können sich echt sehen lassen. Ob nun diese riesigen Leuchtkugeln schießenden, die Feuer speienden (?) oder die ganzen „kleineren“ Critter: Wenn Verhoeven uns eklige Käfer verspricht, bekommen wir auch eklige Käfer (und ich bin froh, dass die Arachnoiden genannt werden, aber nicht zu sehr wie Spinnen aussehen – keine Ahnung, ob ich das durchgehalten hätte, als alter Spinnenphobiker)…

… und diese Käfer zu hassen, wird sowohl unseren Charakteren als auch uns in großartig inszenierten Propaganda-Clips eingetrichtert. Hier wird „Starship Troopers“ dann auch ein bisschen „kritischer“ (ich drücke es mal vorsichtig aus, da es jetzt auch nicht zu sehr die Moralkeule ist, sondern alles immer noch in einem recht unterhaltsamen Ton geschieht und jetzt nicht auf Ernst macht). Hier lernen wir, dass nur tote Critter gute Critter sind und dass wir doch gefälligst alle brav im Kampf gegen die Käfer dabei sein sollen. Diese Versatzstücke ziehen einen anfangs ein wenig aus der eigentlichen Story… aber ich muss sagen, ab einem gewissen Punkt habe ich mich auf das bisschen Propaganda schon fast gefreut.

Ansonsten liefert „Starship Troopers“ halt das, was man von FSK-18 erwartet: jede Menge Gewalt. Gegen Käfer und gegen Menschen. Verhoeven spart sich nichts auf. Da fliegen alle möglichen Körperteile, der Krieg gegen die Käfer ist ein brutales Spektakel, bei dem es weder Gewinner noch Verlierer zu geben scheint. Die Menschen ballern mit allem, was sie haben; die Käfer jagen eine Welle nach der anderen los. Hier wird gemetzelt, was das Zeug hält… aber – genau wie bei den Propaganda-Clips – auf durchaus „unterhaltsame“ Art und Weise. Verhoeven will jetzt kein Antikriegsdrama erzählen, sondern einfach nur als übertriebene Satire auf Medien und Militär – und Käfer müssen dafür leiden. Gut, was soll’s? Das Ganze unterhält bestens… und dadurch, dass Verhoeven ordentlich Tempo gibt, kann man es auch gut verschmerzen, dass Casper van Dien hölzerner als ein vertrocknetes Brett spielt, dass in Neil Patrick Harris aussieht, als wäre er gerade erst in die Pubertät gekommen und dass eine Denise Richards nichts weiter zu tun hat, als ein bisschen sexy zu sein.

Aber wen interessiert schon das Fußvolk, wenn die im großen Ganzen des totalen Käfer-Kriegs eh „untergehen“? Man darf diesen Film einfach nicht zu ernst nehmen, dann unterhält der schon ziemlich gut.

Wertung: 7 von 10 Punkten (nach gut 20 Jahren immer noch ein absurdes Kriegsgemetzel)

15 Kommentare leave one →
  1. 24. April 2020 09:03

    Einer meiner Lieblingsfilme, den ich damals sogar im Kino erleben durfte. Was für ein Brett! 😀

    • donpozuelo permalink*
      24. April 2020 12:05

      Ja. Der Film ist schon echt ziemlich abgefahren. Hast du eigentlich mal eine der Fortsetzungen gesehen? Ich habe immer nur gehört, dass die alle echt schlimm sein sollen

      • 24. April 2020 13:01

        Nein, bisher noch nicht. Habe mir aber letztens alle mal zugelegt — und seitdem harren sie auf die Sichtung… 😉

        • donpozuelo permalink*
          24. April 2020 14:38

          Dann harre ich der Dinge und vor allem deiner Sichtung, bevor ich mich da ranwage 😂

        • 24. April 2020 14:51

          Ich werde berichten, wenn ich mich mal rangewagt habe… 😉

        • donpozuelo permalink*
          24. April 2020 20:41

          Sehr gut 😁👍

  2. 24. April 2020 12:30

    Meine Geschichte zu dem Film ist fast die gleiche, nur mit dem Twist, dass wir uns dann doch nicht in den Film getraut hatten und wir uns stattdessen Titanic angesehen haben. Zwei pupertierende Jungs statt im FSK18 Film dann in der Schnulze. Starship Troopers habe ich bis heute nicht gesehen.

    • donpozuelo permalink*
      24. April 2020 14:37

      Oh nein. Und dann noch Titanic. 😅 Du Armer…

      Starship Troopers gibt es in sehr guter Qualität und uncut auf YouTube 😅 Falls du ihn endlich mal nachholen willst

  3. 29. April 2020 17:14

    Ich war damals noch eine Spur jünger – mich hätten sie definitiv nicht ins Kino gelassen 😅
    Davon abgesehen: ein nach wie vor fantastische Satire auf den amerikanischen Militarismus. Und verdammt unterhaltsam

  4. Ma-Go permalink
    30. April 2020 14:36

    Als ich zwischen 12 und 14 Jahren alt war, haben mein Freund und ich den sicherlich 20-30 mal angeschaut, so sehr haben wir den Film geliebt. „Das ganze Gehirn weggerutscht!“

    Muss den dringend mal mit etwas Abstand sehen 👍🏻

    • donpozuelo permalink*
      30. April 2020 15:18

      Mach das mal. Gerade, wenn du den damals so häufig gesehen hast, würde mich schon mal interessieren, wie du den jetzt findest.

  5. 18. Mai 2020 21:54

    Klassiker! Kann man ruhig so sagen, auch wenn es eigentlich purer Trash ist. Aber eben Trash der extrem guten Sorte…
    Want to know more? 😉

Trackbacks

  1. Filmreise Etappe #28: Robo-Mama | Going To The Movies

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