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Jagd nach dem Virus

20. April 2020

Es ist fast ein bisschen verrückt, dass ausgerechnet jetzt, in diesen anstrengenden Corona-Zeiten, ein Film aus den Tiefen der Film-Archive nach oben ploppt und Leute mehr denn je fasziniert. Seit die Pandemie unser Leben bestimmt, lese und höre ich immer wieder, dass Steven Soderberghs Pandemie-Film „Contagion“ von 2011 (ganz so tief waren die Tiefen nicht, die ich erwähnte, aber es klingt dramatischer) auf einmal wieder ein großer Hit ist. Laut Warner Bros. ist Soderberghs Drama der am zweithäufigsten nachgefragte Film… und nachdem nun auch die guten Blogger-Freunde bei „Klappe! Das Filmmagazin“ in ihrer Themen-Woche „Pandemie“ auf den Film eingegangen sind, war es auch Zeit für mich, diesen Film mal unter die Lupe zu nehmen.

Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow) kehrt von einer Dienstreise aus Asien zurück… schon während der Reise leidet sie an Grippe ähnlichen Symptomen, bis sie dann zuhause zusammenbricht und wenig später im Krankenhaus verstirbt. Mit ihr als Patient Null beginnt nun eine weltweite Pandemie und ein Wettlauf gegen die Zeit. Dr. Ellis Cheever (Laurence Fishburne) vom CDC beauftragt die Ärztin Dr. Erin Mears (Kate Winslet) mit der Untersuchung des Virus, während die WHO-Epidemiologin Dr. Leonara Orantes (Marion Cottillard) versucht, den Ursprung des Virus in Asien zu finden. Unterdessen kämpft Beth‘ Mann Mitch (Matt Damon), der immun ist, den Kampf des normalen Bürgers in diesen chaotischen Zeiten, die durch den Verschwörungstheoretiker Alan Krumwiede (Jude Law) noch befeuert werden.

Soderberghs Film ist ein Film über die unbesungenen Helden einer Pandemie. Es ist ein Film über diejenigen, die sich opfern, um anderen zu helfen – ganz besonders dargestellt in der wirklich tragischen Figur von Kate Winslets Erin Mears. Die stellt sich erst zögerlich, aber dann mit voller Inbrunst in den Dienst zum Kampf gegen die Krankheit. Aber auch ein Dr. Cheever ist da zu erwähnen… er gerät zwar ins Kreuzfeuer, weil einige seiner Entscheidungen (besonders darin, seiner Frau zu raten, zu fliehen) öffentlich werden. Dass auch er bis zum Ende kämpft, um Menschenleben zu retten, gerät da in den Hintergrund. Soderbergh zeigt auch mit der Rolle von Jude Laws Blogger Alan, wie gefährlich Falschinformationen sein können und dass es selbst in den schlimmsten Zeiten noch menschliche Kakerlaken gibt, die aus dem Leid anderer Profit schlagen.

Dabei ist Soderbergh nur in wenigen Szenen ein auf Effekte heischender Katastrophen-Film, sondern beschränkt sich auf eine feine Erzählstruktur. Sein „Contagion“ wird zu einer Art „Ocean’s Eleven“ der Pandemie. Zu Beginn sehen wir in schnellen Einstellungen, wen Beth wo berührt, wie sich das Virus langsam von einer Berührung zum nächsten Husten ausbreitet… ein unsichtbarer, lautloser, erbarmungsloser Killer. Soderbergh strickt hier ein spannendes Detektiv-Spiel, bei dem es darum geht, den Mörder zu schnappen, bevor er zu viele Opfer fordert. Es wird ein Film über die Menschen, die Tag und Nacht schuften und ackern, um eine Lösung zu finden.

„Contagion“ geht dabei sehr wissenschaftlich vor, aber unter der starken Führung von Soderbergh wird das zu keiner Sekunde langweilig. Man fiebert in diesem verzweifelten Kampf ums Überleben mit so ziemlich jedem mit… und gleichzeitig hat der Film gerade jetzt auch einfach eine erschreckend realistische Note. Schon als der Film rauskam, verarbeitete Soderbergh Ereignisse der Schweinegrippe von 2009 in seine Story. Wirklich weltfremd war der Film also nie, sein Realismus war immer da… nur jetzt können wir uns davor nicht mehr verstecken. Thematiken wie Hamsterkäufe, social distancing, Schutzmasken, Händewaschen, überfüllte Krankenhäuser und überforderte Hilfskräfte werden hier zur Sprache gebracht, und als Zuschauer können wir das jetzt mehr denn je verstehen.

Soderberghs „Contagion“ ist ein packender Thriller, ein globaler Thriller, der seinen Ermittlern alles abverlangt. Ein wenig unter geht dabei lediglich Marion Cottillards Charakter, die irgendwie eine etwas merkwürdige Story bekommt. Aber davon abgesehen sind die anderen menschlichen Dramen, die wir hier erleben, ergreifend und packend gespielt. Dazu kommt ein Soundtrack, der sich perfekt unterschwellig ins Hirn pulsiert und die Spannung konstant unterstützt.

Wertung: 8 von 10 Punkten (packender Pandemie-Thriller, der gerade jetzt um einiges nachvollziehbarer ist)

9 Kommentare leave one →
  1. 20. April 2020 08:03

    Das klingt echt gut. Ich bin noch skeptisch, ob ich mir den Film unter den aktuellen Bedingungen anschauen soll, aber werde es wohl auch einmal angehen.

    • donpozuelo permalink*
      20. April 2020 10:05

      Ja… zur Zeit ist das echt kein „guter“ Film, da er einfach gerade zu nahe an der Realität dran ist…

  2. luzifel permalink
    21. April 2020 08:33

    Ich habe den Film damals im Kino gesehen und war nicht so beeindruckt. Der war mir zu reißerisch, wenn ich mich recht erinnere. Ich weiß noch, dass hinter mir eine Gruppe Virologen und Tierärzte saß, die den Film zerfetzt haben und regelmäßig gelacht haben.. Die haben das Kino-Erlebnis sogar noch aufgewertet 😉

    • donpozuelo permalink*
      21. April 2020 09:45

      So reißerisch fand ich den jetzt nicht… aber in heutigen Zeiten betrachtet haut der Film schon irgendwie ganz schön rein 🤣

  3. Ma-Go permalink
    30. April 2020 14:13

    Danke für das Verlinken. Gott sei dank haben wir da keinen Schund empfohlen 😉

    • donpozuelo permalink*
      30. April 2020 15:20

      Gerne doch… und ja, Gott sei Dank 😆

  4. 6. Mai 2020 21:14

    Der Film war das erste, das mir in den Sinn kam, als die ersten Meldungen über Corona in den Nachrichten liefen … ich dachte nur „Oh Gott. Soderbergh hat die Zukunft vorhergesehen“ ^^“ Das war irgendwie beängstigend. V.A. wenn man die Bilder im Kopf hat wie es mit Patientin Null zu Ende ging … .

    • donpozuelo permalink*
      7. Mai 2020 16:32

      Ja. Ist schon krass. Aber letztendlich hat sich Soderbergh nur andere Pandemien angeschaut… und zeigt so eigentlich, dass wir das alles schon hätten besser wissen können. Hat nur anfangs keiner so krass eingeschätzt wie es jetzt am Ende geworden ist.

Trackbacks

  1. Der Affe ist schuld! | Going To The Movies

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