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Guter Anwalt des Bösen

1. April 2020

Jetzt kommt das offizielle Ende einer Ära. Nachdem „Buffy“ sich nach sieben Staffeln von den TV-Bildschirmen verabschiedete, musste sich „Angel“ mit fünf Staffeln begnügen. Ähnlich wie die Mutter-Serie ging aber auch „Angel“ mit einem Knall – und, wenn ich ehrlich sein soll, noch etwas würdiger und kraftvoller als die Vampir-Jägerin und ihre Gang. Wie schon bei Staffel 4 und „Buffy“ Staffel 7 liegt auch hier die Sichtung bei mir zurück, aber da Joss Whedon in dieser letzten Angel-Staffel wirklich aus den Vollen schöpft, bleibt die Staffel noch lange in Erinnerung, weswegen ich mich jetzt auch noch nach Monaten der Sichtung zuversichtlich mit dem Finale von „Angel“ auseinander setzen kann. Denn das hat es echt in sich, obwohl ich nach dem „Cliffhanger“ durch Staffel 4 eher weniger begeistert war zu Beginn.

Angel (David Boreanaz) hat die Leitung der Anwaltskanzlei Wolfram & Hart überschrieben bekommen. Fred (Amy Acker) leitet die Forschungsabteilung, Wesley (Alexis Denisof) ist für die Forschungsabteilung verantwortlich, Lorne (Andy Hallett) ist (natürlich) für den Unterhaltungssektor zuständig und Gunn wird zum Top-Anwalt der Kanzlei, nachdem er alles Wissen übertragen bekommen hat. So schön das Leben vermeintlich auch ist, so sehr hat die Gruppe doch am Ende damit zu kämpfen, dass sie jetzt eigentlich für die Bösen arbeiten. Spike (James Marsters), der sich im großen Finale von „Buffy“ ja opferte, taucht plötzlich als eine Art Geist wieder auf und geht Angel auf den Keks. So kämpfen sich die Damen und Herren durch den allgemeinen Anwaltsalltag… bis es zum Ende der Serie richtig hart wird, denn Fred wird von einem Parasiten befallen, der sie tötet und statt ihrer übernimmt der uralte Dämon Illyria (ebenfalls Amy Acker) ihren Körper. Illyria herrschte einst über die Welt und will  das nun erneuern.

Eigentlich ist Staffel 5 echt ein kleiner Neustart für die Serie… und, wie schon erwähnt, einer, mit dem ich erst nicht so ganz klarkam. Von der kleinen Detektei, die Gutes tun und Wolfram & Hart bekämpft wird Angel nun ein ganz Großer, der scheinbar für die falsche Seite kämpft. Steckt hier etwa eine kleine Kapitalismus-Kritik a la Joss Whedon drin??? Dass der Kleine, egal, wie hart er kämpft, sich am Ende dem großen Konzern ergeben muss… und innerhalb dieses Konzerns dann schauen muss, wie er nicht seine Werte verliert??? Wenn man wollte, könnte man es tatsächlich so deuten… und irgendwie ist es tatsächlich eine schöne Allegorie für Angel.

Es ist aber auch einfach spannend zu sehen, wie seine Gruppe versucht, ihre eigenen Werte in dieser neuen Umgebung nicht zu verlieren. Man hat echt das Gefühl, das Whedon in Staffel 5 einfach alles aus diesen Charakteren herausholt, was nur geht. Staffel 5 überzeugt mit Witz – allein die ganze Spike-Nummer ist einfach nur köstlich. Aber auch die Folge mit Angel als Muppet ist großartig oder die, in der Lorne die Leben der anderen auf verrückte Art und Weise beeinflusst. Staffel 5 überzeugt aber auch mit spannenden Intrigen – immerhin taucht auf einmal Lindsay (Christian Kane) wieder auf – den haben wir das letzte Mal in Staffel 2 gesehen – und sorgt für Ärger. Richtig dramatisch und rührend und schmerzlich und was nicht noch alles wird es aber dann zum Ende hin mit der Illyria-Story. Da finden Wesley und Fred endlich zu einander und werden dann so brutal auseinandergerissen. Dafür ist Illyria einfach  mal wirklich krass. Amy Acker geht in der Rolle so richtig auf und liefert nach der lieben und netten Fred mit ihrer Dämonen-Königin (was auch immer sie ist) eine Meisterleistung ab.

Ich hätte gerne mehr von diesen ganzen Story gesehen… aber es sollte halt nicht sein. Immerhin verabschiedet sich  „Angel“ mehr als nur würdig und mit unglaublich guten Charakter-Momenten – selbst Connor (Vincent Kartheiser) ist in dieser Staffel in seinem kurzen Gastauftritt super – und Charisma Carpenter bekommt für Cordelia eine unheimlich gute und wunderschöne Verabschiedung. „Angel“ Staffel 5 ist der Hammer! Ich wünschte, jede Serie würde so gekonnt in die Absetzung gehen – sich selbst noch einmal komplett neu erfinden, sich dabei aber auch extrem treu bleiben und alle Charaktere würdig verabschieden. Besser geht’s nicht!

Wertung: 10 von 10 Punkten (gerade nach dieser Staffel hätte man sich eigentlich mehr gewünscht…)

7 Kommentare leave one →
  1. 1. April 2020 08:15

    Ich fand die finale Staffel auch wirklich stark und mochte auch das offene Finale. Ich habe im Anschluss noch die ersten beiden Comics gelesen und gerade das erste (https://moviescape.blog/2009/02/12/angel-after-the-fall-volume-1/) fand ich richtig, richtig stark. Kann ich empfehlen, wenn du wissen willst, wie es weitergeht… 🙂

    • donpozuelo permalink*
      1. April 2020 20:36

      Hmm… das klingt gut. Ich bräuchte zwar nach dem Ende nichts mehr, weil ich das Finale eigentlich genau richtig fand. Hier ein Happy-End wie bei Buffy hätte auch nicht gepasst.

      Aber deine Review liest sich wirklich gut. Werde ich mir vielleicht trotzdem mal näher anschauen, diese Comics… 😀

      Danke für den Tipp.

      • 1. April 2020 20:42

        Gerne! 😊

        • donpozuelo permalink*
          1. April 2020 20:46

          Verdammt… jetzt hast du mich doch zu neugierig gemacht 😀 Ist schon mal auf der amazon Wunschliste gelandet

  2. 1. April 2020 10:14

    Ich mochte die fünfte Staffel auch sehr, vor allem, weil man sie auch losgelöst von allem sehen kann. Mit dem Cliffhanger am Ende konnte ich allerdings nicht so gut umgehen… hab mir dann auch den ersten Comic zur 6. Staffel geholt, bin da dann aber irgendwie nicht mehr weitergekommen…

    • donpozuelo permalink*
      1. April 2020 20:34

      Ich wurde auch vor diesem Cliffhanger gewarnt, aber ich fand ihn überhaupt nicht schlimm, weil ich ihn letztendlich auch nicht wirklich als Cliffhanger sehe. Es ist ein bisschen wie das Ende von „Die Sopranos“ – plötzlich! Und der Zuschauer darf sich dann seinen Teil dazu denken. Fand ich eigentlich ziemlich cool so.

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  1. SAMCRO | Going To The Movies

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