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Random Sunday #28: The Wall

29. März 2020

In diesen Zeiten fehlt es mir richtig, nicht mehr in den Buchladen meines Vertrauens gehen zu können. Einfach mal ein bisschen stöbern, mal einfach nur ein Buch nach seinem Cover beurteilen, um dann zu checken, ob der Buchrücken-Inhalt den Versprechungen des Covers gerecht werden kann. Ja, im Buchladen selbst kommt es schon noch auf eine gewisse Oberflächlichkeit an, um mein Interesse zu erwecken. Am Ende zählt natürlich trotzdem nur das, was im Inneren zu finden ist. Es ist einfach schön, zu stöbern… aber manchmal landet man auch beim Stöbern bei etwas, was im ersten Augenblick gut klingt und dann doch sehr abnimmt. So geschah es bei mir und „The Wall“. Das minimalistische Cover sprach mich an, dann las ich den Inhalt von John Lanchesters fünften Roman:

Wir befinden uns irgendwann in einer nicht allzu fernen Zukunft. Eine Klimakatastrophe hat weite Teile der Erde offensichtlich unwirtlich gemacht (genauer erfahren wir es leider nie). Großbritannien hat daher – zum Schutz – um das ganze Land eine riesige Mauer errichtet. Allerdings nicht zum Schutz vor weiteren Naturkatastrophen, sondern zum Schutz vor den „Others“ (und nein, es hat nichts mit „LOST“ zu tun). Junge Erwachsene müssen sich als Defender zum Wachdienst auf der Mauer für zwei Jahre einfinden – Kavanagh ist gerade dabei, seinen Dienst auf der Mauer anzutreten.

Die Prämisse klingt doch aufregend und viel versprechend, oder nicht? Lanchester baut auch das Mysterium rund um diese Mauer und diese neue Situation zu Beginn recht gut auf. Was dieser „Change“ gewesen ist, der die Welt verändert hat, erfahren wir nie richtig. Aber es passt gerade zur aktuellen Lage, vor allem wie junge Menschen wie Kavanagh reagieren. Sie hassen die Generation ihrer Eltern, die den Change hervorgerufen haben, die für die unmögliche Situation verantwortlich sind. Da könnte man meinen, dass „The Wall“ mehr noch auf diesen Generationen-Clash eingehen wird. Leider passiert das in genau einem kurzen Kapitel und auch nicht sonderlich tiefgründig.

Da zeigt sich dann schon mal eine große Schwäche des Romans: Tiefgründigkeit liegt Lanchester hier nicht so sehr am Herzen. Kavanagh bleibt als Ich-Erzähler kaum greifbar. Wir erfahren eigentlich kaum was über ihn, was irgendeine Relevanz hat. Als „Held“ dieser Geschichte ist er banal und langweilig. Selbst seine Beziehung zu Hifa, einer Defenderin, die er auf der Mauer kennenlernt, ist kalt, obwohl der Roman sie eigentlich gerne als große Liebe beschreiben möchte. So kalt und eisern wie die Mauer hier steht, so ist leider auch der Roman.

Dazu kommt, dass Lanchester aus der Prämisse nichts macht. Die Others werden zu einem großen Mysterium gemacht, entpuppen sich aber schon sehr schnell als Flüchtlinge der Katastrophe. Warum die aber so dringend nach Großbritannien wollen, warum es immer diese Wellen gibt, erklärt uns Lanchester auch nicht. Er wirft uns einfach nur Brocken hin, reiht das lose in seiner Geschichte aneinander und hofft, dass wir das ganze Szenario irgendwie doch ganz spannend finden. Leider bleibt die Welt nach wie vor nicht greifbar. Defenders, die ihren Job nicht ordentlich machen, werden auf hoher See ausgesetzt… die größte Sorge von Kavanagh. Warum das so ist? Keine Ahnung…

Lanchesters Dystopie hat viel Potenzial und wirft viele spannende und interessante Fragen auf, langweilt aber leider ziemlich schnell… und das einfach nur deswegen, weil „The Wall“ es nicht schafft, dem Leser die Figuren und die Welt näherzubringen. Mit jedem der drei Teile, in die das Buch aufgeteilt ist, fiel mein Interesse an dieser Geschichte – einfach, weil ich nur noch Berichte lesen musste: es passiert das, dann geschieht das, dann das und dann geht es so weiter… was das alles wirklich mit den Charakteren anstellt, erfährt man nicht.

„The Wall“ verliert wahnsinnig schnell an Spannung und verlor noch schneller mein Interesse, so dass ich mich auf den letzten Seiten arg quälen musste… nur um dann auch noch von einem sehr offenen und unbefriedigenden Ende enttäuscht zu werden. Also… lasst lieber die Finger von dieser Mauer.

2 Kommentare leave one →
  1. 29. März 2020 13:21

    Okay ich verstehe ja, warum China die chinesische Mauer baute. Aber warum baut man eine Mauer rund um eine Insel? Sollte sich das nicht auch so verteidigen lassen?

    • donpozuelo permalink*
      29. März 2020 14:58

      Tja, da fragst du eine der vielen guten Fragen, die dieser Roman nicht beantworten kann oder will… 😅

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