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Filmreise Etappe #24: Mein Feind, der Freund

27. März 2020

Wolfgang Petersen ist einer der Regisseure, der in meiner Kindheit durchaus eine Relevanz hatte… nur das ich damals halt seinen Namen noch nicht kannte. Das ist mir jetzt erst wieder durch die Filmreise-Challenge bewusst geworden. Seine Verfilmung von „Die unendliche Geschichte“ war einer der ersten Kinofilme in meinem Leben, der mal nicht von Disney stammte oder animiert gewesen ist. Aber es gibt noch einen zweiten Film in seiner Laufbahn, den ich damals als kleiner Junge mehrfach gesehen habe… und das ist ein Film, der wunderbar zu Etappe 24 passt: „Enemy Mine“.

Die Menschheit führt im Weltall einen angespannten Krieg mit den reptilienartigen Dracs. Willis Davidge (Dennis Quaid) ist Raumpilot und schießt bei einem Ausflug einen feindlichen Gegner ab. Dabei gerät er aber selbst in Gefahr und beide – Mensch und Drac – stürzen auf einem unwirtlichen und unbewohnten Planeten ab. Der anfängliche (eingetrichterte) Hass zwischen Willis und dem Drac Jerry (Louis Gossett Jr.) weicht schon bald einer aus der Not entstandenen Freundschaft, die im Kampf ums Überleben immer wichtiger wird.

Ich habe diesen Film seit bestimmt 20 Jahren nicht mehr gesehen und war gespannt, wie gut ich diesen Film noch in Erinnerung hatte. Gleich zu Beginn habe ich sofort gemerkt, warum mir „Enemy Mine“ schon damals gut gefallen hat: Petersens Version eines unwirtlichen Planeten sind einfach wunderbar aus. Dank seiner langen Wanderungen auf dem Planeten liefert uns der Film verschiedene Orte an: Wüsten, Bergketten, steinerne Wälder und was man sich sonst noch so verrücktes für einen Planeten ausdenken kann. Nachts „regnet“ es Meteoriten, es wuselt komisches Viehzeug herum. Ich muss wirklich sagen, allein nur die Inszenierung des Planeten ist schon verdammt sehenswert.

Dazu kommt dann eben noch diese Geschichte von zwei Feinden, die zu Freunden werden. Wie politisch man dieses Thema in Zeiten des Kalten Krieges werten darf, überlasse ich mal jedem selbst. Wenn man aber bedenkt, dass der Film Mitte der 80er in die Kinos kam, schwingt das schon an vielen Stellen mit. Denn eigentlich wissen beide Kämpfer nicht wirklich viel über den anderen, jeder hängt in seiner eigenen Vorstellung des Feindes gefangen… so glaubt Jerry dann auch, dass Mickey Mouse ein wichtiger Heiliger für Davidge ist. Die Unkenntnis der Soldaten über ihre Gegner ist, was sie zu perfekten Feinden macht. Ähnliches wurde ja auch schon mal in einer Folge von „Black Mirror“ aufgegriffen.

Dennis Quaid spielt eigentlich so eine Art Robinson Crusoe im Weltall, wodurch die Rolle von Louis Gossett Jr. immer ein wenig heruntergespielt wird. Dennoch funktioniert dieses Szenario ganz gut, wird Quaids Willis Davidge doch mit einigen Problemen konfrontiert, die gerade aus ihm einen besseren Menschen machen, der dann später den Dracs helfen kann. Eigentlich ist Quaid also sogar eine Mischung aus Robinson Crusoe und Space-Jesus, der Friede und Liebe bringt.

Der Mittelteil des Films war mir dann doch etwas zu langatmig und verfängt sich für meinen Geschmack zu sehr in religiösem Gerede, das jetzt nicht unbedingt zur Spannung beiträgt. Dank der guten Arbeit von Quaid und Gossett Jr. (der übrigens ein großartiges Kostüm hat, da muss man die Kostümbildner und Make-Künstler in diesem Film echt loben) kann man das aber verschmerzen… zumal Petersen ja noch die ein oder andere Überraschung in petto hat.

„Enemy Mine“ ist dank der großartigen Kulissen und Kostüme und des geringen CGI-Charakters gut gealtert. Es ist keine Sci-Fi-Story im klassischen Sinne. Viele aufregende Weltraumschlachten oder Einblicke in eine zukünftige Gesellschaft bekommen wir nicht. Aber die Geschichte, die erzählt wird, ist zeitlos… und kann sich auch heute noch sehen lassen.

Wertung:  7 von 10 Punkten (nachdenklich stimmendes Survival-Abenteuer)

6 Kommentare leave one →
  1. 27. März 2020 09:52

    Oh, ein toller Film! Ich weiß noch genau, dass ich ihn als Kind bis zur Hälfte schauen durfte, dann musste ich ins Bett. Komplett geschaut habe ich ihn bisher nie. Aber ich habe mir vor ein paar Monaten endlich die Blu-ray geholt und nun wieder richtig Lust auf den Film.

    Und in den Bavaria-Filmstudios bin ich auch schon ein paar Mal durch das Set gelaufen. Hach, war toll!

    • donpozuelo permalink*
      27. März 2020 13:11

      Oh nein… noch nie zu Ende geschaut? Geht ja gar nicht. 🤣 dann hol den mal nach, damit der kleine bullion von einst endlich mal weiß, wie der Film ausgeht 😁

      • 27. März 2020 14:04

        Das habe ich mir schon angelesen oder doch mal irgendwo geschaut. Aber nie so richtig. Wird Zeit. 😉

  2. luzifel permalink
    27. März 2020 12:51

    Ich erinnere mich dunkel an diesen Film und das ich ihn als Kind super fand.. Jetzt hab ich endlich einen Namen dafür – Dankeschön 😉

Trackbacks

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