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Filmreise Etappe #23: Sandwurm reitender Erlöser

20. März 2020

Zwei Kategorien der Filmreise habe ich schon durch, jetzt beginnt die Fantasiereise… die mit einem Film anfangen soll, der auf einem fremden Planeten oder im All spielt. Da hatte ich also nun endlich mal die passende Gelegenheit, einen Film nachzuholen, dessen Vorlage ich sehr toll fand und auf dessen Neuverfilmung ich mich sehr freue: „Dune“. Frank Herberts Buch habe ich mal vor Ewigkeiten gelesen (aber auch nur den ersten Band, nie die komplette Reihe, was ich aber unbedingt mal nachholen will). Auf Denis Villeneuves Version von „Dune“, die ja Ende des Jahres kommen soll, freue ich mich extrem. Villeneuve kann nichts falsch machen! Doch vor der ganzen Herbert-Saga und Villeneuves Film ist jetzt erst einmal David Lynch an der Reihe.

Dabei ist die Vorgeschichte zum Film fast interessanter als der Film selbst: Ursprünglich sollte ja Alejandro Jodorowsky den Roman verfilmen. Der versammelte, was Rang und Namen hatte. H.R. Giger, der Designer hinter dem Xenomorph, sollte für die Sets sorgen. Salvador Dali, Orson Welles und Mick Jagger sollten vor der Kamera agieren. Es gibt eine tolle Doku namens „Jodorowsky’s Dune“, die Bilder zeigt, die in der Vorproduktion entstanden… das sah schon alles verdammt toll aus und hätte vielleicht wirklich einer der besten Filme aller Zeiten werden können. Doch das Projekt verlief im Sand, Designs tauchten in zahlreichen anderen Filmen auf… und irgendwann kam David Lynch an die Reihe.

Der verfilmte dann die Geschichte von Paul Atreides (Kyle MacLachlan), der mit seinem Vater (Jürgen Prochnow) auf den Wüstenplaneten Arrakis reist. Dort wird eine enorm wichtige Droge abgebaut, mit deren Hilfe Navigatoren durchs All reisen können: Splice. Auf dem Wüstenplaneten leben aber auch riesige Sandwürmer und die sogenannten Fremen, ein freies Volk Arrakis‘, dass sich gegen die Fremdherrschaft auflehnt. Paul und seine Familie geraten zudem in einen politischen Konflikt, der durch den Imperator und den Baron Harkonnen (Kenneth McMillan) angezettelt wurde.

Die Story ist recht kompliziert, wie man vielleicht unschwer an meiner eher schlechten Zusammenfassung erkennen kann. Herbert vermischt Politik mit Religion, lässt Paul zu einem vorherbestimmten Erlöser werden, garniert das Ganze mit Science-Fiction, Intrigen und riesigen Sandwürmern. Herberts Roman „Dune“ entführt seine Leser in eine reiche und komplexe Kultur. Daran wiederum scheitert der Film leider: Der Film ist voll mit Charakteren, voll mit Verweisen und Hinweisen. Es muss viel in kurzer Zeit erklärt werden, komplexe Strukturen müssen mal eben in aller Schnelle runtergebrochen werden – die Story verliert sich in seinen Erklärungen und der Fülle an Figuren, die alle irgendwie eine Rolle spielen.

Man kann schnell der Überblick verlieren, wer was warum sagt, macht und tut… und ganz ehrlich, wenn ich nicht noch so einige grundlegende Dinge vom Buch im Kopf gehabt hätte, würde ich sagen, dass der Film überfordert. Was er sicherlich auch tut, wenn man sich nicht vorher ein wenig auskennt. Da schwächelt das Drehbuch extrem (und irgendwie bin ich ganz froh, dass Villeneuves Version nur der erste Teil des ersten Romans sein soll – da wird das hoffentlich besser funktionieren).

Nichtsdestotrotz bleibt der Film recht nahe an den Ereignissen der Vorlage dran, aber wie gesagt: Es ist alles ein bisschen viel. Dann hört man auch noch viele Gedanken der Charaktere und muss das auch noch irgendwie in die Geschichte einbinden… das wird irgendwann einfach echt ein bisschen zu viel.

Man merkt das selbst den Darstellern ein wenig an, die doch sehr hölzern ihre Dialoge rüberbringen und ich hatte manchmal das Gefühl, die wissen selbst nicht so genau, was sie da eigentlich erzählen.

Optisch ist „Dune“ aber durchaus ein sehenswerter Film. Man kann durchaus erahnen, was daraus wirklich hätte werden können. Gerade Arrakis, die unendlichen Weiten und die Sandwürmer setzt Lynch ziemlich gut um. Aber auch der Science-Fiction-Aspekt kommt nicht zu kurz… dennoch muss man schon sagen: Dafür dass der Film in einer Zeit herausgekommen ist, in der schon alle drei „Star Wars“-Filme gezeigt hatten, wie man Sci-Fi sehr realistisch aussehen lassen kann, wirkt manches noch etwas hölzern (was aber wohl auch sehr der Produktionsgeschichte des Films geschuldet ist). Die Ideen sind spürbar und teils auch echt gut umgesetzt, aber schon damals hätte das auch besser aussehen können.

Lynchs „Dune“ ist jetzt kein schlechter Film. Er ist nur schlecht gestartet und leidet unter seiner turbulenten Vorgeschichte. Fans des Buches dürften sicherlich nicht sonderlich begeistert sein und diejenigen, die das Buch nicht kennen, dürften sehr viele offene Fragen haben. Ich hoffe, dass Villeneuve das besser hinbekommt und dem Roman gerechter werden kann.

Wertung: 5 von 10 Punkten (wenn die Vorgeschichte spannender ist als der tatsächliche Film, weiß man, dass Lynch nie eine Chance hatte)

15 Kommentare leave one →
  1. 20. März 2020 07:41

    Ich habe den Film früher recht oft gesehen und mochte ihn auch immer. Ist aber bestimmt nicht so gut wie in meiner Erinnerung. Freue mich da sehr auf die Villeneuve-Variante. Wie hast du den Film geschaut? Gibt es davon eine brauchbare Blu-ray? (In DE schwirren ja immer noch die seltsamen Marketing-Film/Laser-Paradise-Fassungen rum.)

    • donpozuelo permalink*
      20. März 2020 08:41

      Es gibt ja echt merkwürdige Versionen von dem Film. Ich habe sogar auf YouTube eine über drei Stunden lange Fancut-Edition gefunden. Bei der war ich mir aber so gar nicht sicher, was das ist.

      Ich habe auf Prime die ganz normale Version (Kinofassung?) geguckt.

      • 20. März 2020 17:04

        Als Langfassung existiert tatsächlich eine offizielle TV-Fassung in 4:3, die aber mit nicht fertigen Effekten arbeitet. Habe ich aber nie gesehen.

        Okay, danke! Dann schau ich vielleicht auch mal auf Prime, vermutlich aber erst nach der Villeneuve-Version.

        • donpozuelo permalink*
          20. März 2020 19:05

          Ah… okay. Wahrscheinlich ist das die Version, die auf YouTube zu finden ist. Ich bin jetzt auf jeden Fall sehr gespannt auf Villeneuves Film.

  2. 20. März 2020 11:39

    Das Patrick Stewart mit dabei war, hatte ich ja gar nicht mehr auf dem Schirm!

    • donpozuelo permalink*
      20. März 2020 12:06

      Jupp… allerdings auch nur in einer sehr, sehr kleinen Rolle.

      • luzifel permalink
        21. März 2020 07:09

        Kleine Rolle!? Er darf „Atomschlag!“ schreien.. 😉

        Leider ist dieser Dune Film von den Verfilmungen noch der beste.. Hoffentlich wird der neue Dune nicht scheiße. Sicario, Arrival und der neue Blade Runner waren geiler Scheiß. In sofern bin ich guter Hoffnung..

        • donpozuelo permalink*
          21. März 2020 12:41

          Atomschlag… das ist natürlich was… 😅😅😅

          Es gibt doch nur noch eine Serie, oder nicht?

          Bei Villeneuve bin ich aber auch guter Dinge. Der macht das schon.

  3. 23. März 2020 22:54

    Also ich mag den Film bis heute; den Score im Übrigen auch, aber ich habe auch gar nicht das Verlangen das Buch oder die Bücher originalgetreu verfilmt zu sehen. Dieser Mehrteiler damals mit William Hurt war so langweilig und schlecht und (weich ab…) bei Dracula gab es auch nie wirklich eine Verfilmung, die dem Buch gerecht wurde und trotzdem gab es gute „Verfilmungen“. Manchmal kann beides gut nebeneinander existieren.
    Fragen hatte ich hier nie, vielleicht sehe ich den Streifen auch als Gesamtkunstwerk, wer weiß :))

    • donpozuelo permalink*
      24. März 2020 07:16

      Für einen originalgetreue Adaption eignet sich das auch nicht wirklich. Es sei denn, man würde vielleicht eine Serie draus machen. Aber das haben sie ja auch schon mal versucht und nicht hinbekommen 😅

  4. 24. März 2020 20:26

    Schließe mich der Wertung an: Ganz solide, aber ohne Kenntnis des Buches absolut überfordern (ich habe mich zum Glück vor einigen Jahren mal durch den ersten Band durchgearbeitet). Mich hat vor allem der exzessive Gebrauch von VoiceOver-Erklärungen gestört

    • donpozuelo permalink*
      24. März 2020 21:01

      Oh ja… vor allem war es ja ein Mix aus Voice Over Erklärungen und Voice Over Gedanken der Charaktere, was manchmal super wirr war. Das hat mich dann immer noch mehr irritiert 🙈

  5. 30. März 2020 19:57

    Der Dune-Kosmos ist ja so ein Ding, an das ich mich nie so richtig rangetraut habe. Ich frage mich immer noch, ob ich vor dem Villeneuve-Film (tatsächlich dachte ich es wird eine ganze Serie) noch „schnell“ die Bücher lesen soll … ist das machbar? Würdest du das empfehlen? hach … soviel kann man gar nicht lesen und schauen …

    • donpozuelo permalink*
      31. März 2020 14:22

      Vor dem Villeneuve Film würde es ja reichen, nur das erste Buch zu lesen. Der Film ist ja sogar nur die erste Hälfte von dem Roman. Den kannst du auf jeden Fall lesen. Ich fand den ganz gut.

      Ich überlege auch schon, mir mal die komplette erste Trilogie zu holen. Dieses Jahr komme ich gerade ziemlich gut mit meinen Büchern voran. Vielleicht klappt das ja noch 😅

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