Zum Inhalt springen

Random Sunday #27: I am Legend

15. März 2020

Dieses Jahr liege ich, was meine Leseliste für 2020 angeht, sehr gut in der Zeit… was ich an dieser Stelle nur erwähne, um einfach mal ein wenig anzugeben. Die Hexer-Saga hat mich aber auch mit insgesamt 5 Büchern und einer schnellen Leserate gut durch das erste Viertel meiner 20 geplanten Bücher gebracht (so dass ich ganz leger noch „Ruf der Wildnis“ dazwischen packen konnte – was jetzt kein Kunststück ist, wenn man bedenkt, dass die Ausgabe gerade einmal 130 Seiten hatte 😀 ). Nach dem Hexer brauchte ich mal etwas anderes und habe mir Richard Mathesons „I am Legend“ geschnappt. Ich weiß, dass es neben der Film-Adaption mit Will Smith noch zwei andere gibt: eine mit Vincent Price und eine mit Charlton Heston. Und angeblich soll Matheson ja nie so wirklich mit einer der Versionen seines ersten Romans zufrieden gewesen sein. Deswegen wollte ich endlich mal die Vorlage lesen (und werde mir später auch die Price- und Heston-Adaption anschauen).

Robert Neville ist der einzige Mensch auf der Welt. Alle anderen wurden von einer mysteriösen Seuche niedergerafft und kehrten als Vampire zurück, die Knoblauch nicht mögen, das Sonnenlicht verachten und nach Blut gieren. Neville hockt also allein in seinem zur Festung umgebauten Haus und erträgt jede Nacht die Angriffe der Vampire, während er tagsüber durch die Gegend reist und diese im Schlaf tötet. Irgendwann fängt er an, nach den Gründen der Krankheit zu forschen…

Mathesons Roman wird großspurig mit Zitaten von Stephen King und Co. auf dem Cover beworben. Ein Dean Koontz wird damit zitiert, dass „I am Legend der cleverste Vampir-Roman seit Bram Stokers Dracula sei“. King behauptet, niemand hätte ihn mehr beeinflusst als Matheson. Große Worte, die für hohe Erwartungen sorgen. Wie funktioniert das also, dieser Mix aus Postapokalypse und Vampir-Roman?

Als Roman über einen verzweifelten Mann, der als letzter Mensch auf der Erde lebt, funktioniert das super. Matheson lässt uns die Verzweiflung von Neville mit jedem Glas Whiskey, das er sich in seiner Einsamkeit hinterkippt spüren. Der Roman ist in erster Linie ein packendes Psychogramm eines Einsiedlers, der alles versucht, nicht durchzudrehen, der sich verzweifelt an sein Leben klammert und dennoch jede Nacht darüber nachdenkt, sich einfach den Vampiren zum Fraß vorzuwerfen, um dem Ganzen ein Ende zu bereiten. Dennoch muss man durch den Roman hindurch, Nevilles Willenskraft bewundern, der sich Tag für Tag aufrafft, um weiterzumachen – in einer aussichtslosen Situation. Matheson findet dafür die passenden Worte, füllt mit kleineren Rückblenden das frühere Leben von Neville aus – und zeichnet das Bild eines Mannes, der stur und eisern an seinen Weg glaubt.

Als Vampir-Roman ist „I am Legend“ jetzt nicht sooo aufregend. Man darf jetzt nicht zu viel Horror erwarten. Vielmehr schlägt Matheson einen anderen Weg ein und versucht, den Vampir-Mythos, den Bram Stoker aufgebaut hat, wissenschaftlich zu verarbeiten. Warum mögen die Viecher keinen Knoblauch? Warum sterben sie durch den Pflock durchs Herz? Warum vertragen sie kein Sonnenlicht? Wie hilfreich ist das Kreuz wirklich? Auf seiner amateurhaften Suche nach dem Ursprung der Seuche wird Neville zum Hobby-Wissenschaftler und entdeckt die wahren Geheimnisse hinter den Vampiren. Da wird der Roman zum Teil recht wissenschaftlich, aber dekonstruiert auf amüsante Art und Weise Vampirismus. Dennoch muss ich sagen, dass mir das manchmal etwas zu spezifisch wurde und sich der ohnehin nicht sonderlich lange Roman an einigen Stellen ein klein wenig überladen angefühlt

Die Postapokalypse beschreibt Matheson vor allem durch die Einsamkeit von Neville, wird dabei aber nicht ansatzweise so grafisch wie zum Beispiel der Film mit Will Smith.

Insgesamt hat mich „I am Legend“ nicht so sehr vom Hocker gehauen, wie ich es gehofft hatte. Es ist ein guter Roman, der viele tolle Ideen hat, die aber manchmal etwas zu sehr ausgeschlachtet werden (das Wissenschaftliche) und manchmal etwas zu wenig (die Vampire…). Warum ich dennoch begeistert bin, liegt an dem Ende des Romans. Hier findet Matheson einen unglaublich spannenden und aufregenden Kniff, den ich nicht spoilern will, aber von dem ich gespannt bin, ob ihn einer der anderen Filme aufgenommen hat. Ich will nur dieses Zitat anbringen: „Normalcy was a majority concept, the standard of many and not the standard of just one man“… und so findet „I am Legend“ ein starkes Ende, das nicht nur dem Titel des Romans alle Ehre macht, sondern mir mehr im Gedächtnis bleiben wird als alles andere.

No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: