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Die Känguru-WG

11. März 2020

Ich bin jemand, der gerne laut lacht. Ich finde es immer sehr irritierend, wenn ich mir etwas Lustiges mit jemandem anschaue und dieser Jemand keinerlei offensichtliche Regung zeigt. Ich hatte mal eine Freundin, die selten bei Komödien oder Sitcoms laut gelacht hat – weswegen ich immer nervös fragte, ob es ihr denn gefallen würde. Sie sagte immer „Ja“, irritiert war ich trotzdem. Ich lache einfach laut, wenn ich etwas witzig finde. Egal, ob nun allein oder nicht. Wenn ich dann mal nicht lache, weiß man ganz genau, wie ich zu Komödie XY stehe. Jetzt hatte ich mal wieder den Fall, wo ich im Kino saß, der ganze Saal (oder zumindest sehr viele Menschen im Saal) laut gelacht und das Gesehene gefeiert haben – und ich mich nur die ganze Zeit fragte, ob die einen anderen Film sehen als ich. Besagter Film ist die Verfilmung der „Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling (etwas, wovon ich vorher auch nicht wirklich was mitbekommen hatte und deswegen nicht sagen kann, ob die Vorlage nun besser ist).

Kleinkünstler Marc-Uwe (Dimitrij Schaad) lebt in seinem gemütlichen Kreuzberger Kiez, ist hoffnungslos in Nachbarin Maria (Rosalie Thomass) verliebt und wird eines Morgens aus dem Schlaf geklingelt, nur um vor seiner Tür ein sprechendes Känguru (Stimme: Marc-Uwe Kling) vorzufinden. Das zieht spontan bei ihm ein, es ist ja Kommunist und hat nicht wirklich viel. Zusammen geraten Marc-Uwe und das Känguru dann an den Rechtspopulisten Dwigs (Henry Hübchen), der den Görlitzer Park (Berlins Drogenumschlagsplatz Nr. 1) platt machen und dort einen riesigen Wolkenkratzer. Dagegen wollen Marc-Uwe und das Känguru angehen…

In der Schule hat man ja gelernt, man soll auch immer was Positives sagen… deswegen fange ich mal damit an: Das CGI-Känguru ist wirklich der Hammer. Das hätte auch richtig furchtbar aussehen können, tut es aber nicht. Da hat sich die Produktion nicht lumpen lassen und liefert wirklich ein Känguru ab, das jetzt nicht wie ein Fremdkörper unter den realen Darstellern wirkt. Das ist wirklich etwas, dass man dem Film anrechnen muss. Immerhin ist dieser Mix aus Animation und Live-Action nicht immer einfach – hier funktioniert das ziemlich gut.

Der Rest dagegen ist es nicht. Meine Fresse, der Humor in diesem Film ist so platt und billig, dass man fast das Gefühl hat, die haben sich mehr um ihr Känguru gekümmert und dabei vergessen, dass sie auch noch ein gutes Drehbuch brauchen. Die Story ist Banane; der verzweifelte Versuch, Zeitkritik (Rechtspopulismus, Gentrifizierung) humorvoll zu verpacken, geht man so richtig in die Hose. Die Gags sind hohl ohne Ende. Was der Film als politische Satire verkaufen möchte, ist einfach nicht clever, sondern leider nur hohl. Da redet der Dwigs dann von seinem 1000-jährigen Reich, da hat er dann einen Stressball in der Hand, der wie ein Globus aussieht, da kommt dann auch der Trump-Gag. Wenn sowas gut gemacht ist, kann man mir gerne mit sowas kommen – aber „Die Känguru-Chroniken“ sind einfach nur platt, ich kann es nicht anders sagen und wiederhole mich deswegen. Ich fand diesen Film nicht lustig…

… und die Geschichte ist halt einfach öde. Klar, soweit ich das gelesen habe, sind die Bücher ja auch nur Kurzgeschichten, aber für einen Film hätte man sich wirklich etwas mehr anstrengen können. Känguru und Künstler gegen den bösen Kapitalisten klingt jetzt nicht nach der aufregendsten Geschichte. Dazu versucht man sich dann noch ein wenig daran, Filmklassiker zu zitieren: Da wird in bester „Big Lebowski“-Manier dem Marc-Uwe auf den Teppich gepinkelt und Dwigs hat einen Gegenstand, der wie die Uhr von Bruce Willis in „Pulp Fiction“ vom Vater an den Sohn weitergegeben wird. Gähn…

„Die Känguru-Chroniken“ ist einer der unlustigsten Filme, den ich seit langem gesehen habe. Die Story haut einen nicht vom Hocker, die Gags schon erst recht nicht. Da hätte ich lieber ein einfach gezeichnetes Känguru gehabt, aber dafür mehr investierte Zeit in das Drehbuch.

Wertung: 2 von 10 Punkten (wohl nur was für Fans der Bücher)

11 Kommentare leave one →
  1. 11. März 2020 09:39

    Die Bücher sollen wohl besser sein, aber ich finde schon die Idee irgendwie völlig meh, deshalb habe ich mir das bisher gespart. Ist ein bisschen so wie „Er ist wieder da“, wo ich die Idee auch schon dermaßen uninteressant finde, dass ich mich damit nicht länger als 3 Sekunden beschäftigen kann. Soweit ich das in diesem Fall mitgekriegt habe, soll das Problem wohl vor allem sein, dass es nur ein simples Draufhauen ist, während das Buch das Verhalten des Kängurus auch mal hinterfragt.

    Von Kling soll nebenbei der Roman „Qualityland“ gut sein, aber selbst da bin ich nicht sicher, ob ich Interesse dran habe.

    • donpozuelo permalink*
      11. März 2020 15:09

      Es ist vor allem dummes Draufhauen auf Klischees, ohne das da mal ein bisschen was mit Köpfchen dabei ist.

      Ich kenne die Bücher halt gar nicht, aber nach dem Film interessieren sie mich noch weniger.

    • 27. März 2020 20:28

      Die Känguru Romane habe ich mir als Hörbücher gegeben und die waren wirklich sehr cool. Kann mir vorstellen, dass euch der Witz gefällt. Er ist halt einen Tick anarchistisch, gesellschaftskritisch, aber auch charmant und bringt zum Schmunzeln. Marc-Uwe Kling liest das extrem cool. Aus der Känguru-Reihe stammt auch der Trend mit den falsch zugeordneten Zitaten.
      Qualityland hingegen habe ich auch gehört und konnte dem nicht viel abgewinnen. Wer schon einigermaßen viel Science-Fiction oder auch einfach nur zwei Staffel Black Mirror geschaut hat, findet hier nichts Neues mehr.

      • 27. März 2020 20:55

        Mir sagt leider schon die Grundidee nicht wirklich zu, aber vielleicht lese ich mal rein. Mit Hörbüchern kann man mich ohnehin jagen. Den Trend mit falschen Zitaten muss ich verpasst haben. Was genau meinst du damit?

        • 27. März 2020 20:56

          Da gab es mal so eine ganze Reihe. Falsch zugeordnete Zitate als Buch, Kalender und als Spiel. Ist schon ein paar Jahre her.
          Schade, könnte mir echt vorstellen, dass dir der Humor der Reihe gefällt.

        • 27. März 2020 21:37

          Wie gesagt, ich lese vielleicht mal rein. Aber ich mag einfach dieses „Gewollte“ nicht. Ich will zuerst mal eine gute Geschichte und wenn die dann den richtigen Humor hat, umso besser. Aber dieses gezwungene witzig sein wollen und dann den Rest drumherum basteln ist nicht meins. Und wenn ich das nicht falsch verstanden habe, sind die Bücher ja mehr zusammenhangslose Einzelszenen, statt einer durchgehenden Story. Klingt auf mich eher abschreckend.

  2. 12. März 2020 15:32

    Ich möchte gerne allen die Bücher oder noch viel besser: die Hörbücher! vom Autor persönlich gelesen in die Hand drücken.
    Hab den Film noch nicht gesehen, fand die Trailer aber schon blöd. Die Bücher sind wirklich gut!

    • donpozuelo permalink*
      12. März 2020 16:00

      Das höre ich immer mehr… naja, dann sollte man die Finger wohl wirklich von dem Film lassen.

  3. 27. März 2020 20:28

    Au weia … das ist ja traurig. Beim Sehen des Trailers dachte ich eigentlich, dass dieses un-flauschig aussehende Känguru das Haupt-Problem wäre …

    • donpozuelo permalink*
      29. März 2020 09:00

      Hahaha… das Känguru ist das Beste an dem Film 😀

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  1. 2020 | Going To The Movies

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