Zum Inhalt springen

Snatch 2.0

4. März 2020

Als vor 20 Jahren „Snatch“ in die Kinos kam, hieß es noch: „Uh, dieser Guy Ritchie könnte ein neuer Tarantino sein.“ Doch dann heiratete Ritchie Madonna, machte einen merkwürdigen Film und konnte danach nie mehr so richtig an die Erfolge von einst (nämlich seine ersten beiden wirklich coolen Gangsterfilme) anknüpfen. Seine beiden Sherlock-Holmes-Filme fand ich nicht wirklich aufregend (und bin jetzt auch nicht wirklich heiß auf den geplanten dritten Teil). Auch „Man from U.N.C.L.E.“ war nett, aber nicht ansatzweise Guy-Ritchie-cool. Er versuchte sich dann mit Fantasy, scheiterte aber mit seinem „King Arthur“ auch. Die Live-Action-Version von Disneys „Aladdin“ habe ich mir nicht angetan… aber als „The Gentlemen“ angekündigt wurde, war ich interessiert. Das Ganze sah ein bisschen nach dem Old-school-Guy-Ritchie aus, den ich wegen „Snatch“ so mochte… und zum Teil fängt er dieses Flair auch tatsächlich wieder ein.

Mickey Pearson (Matthew McConaughey) ist der Cannabis-König von Großbritannien. Er will sein Geschäft aber verkaufen und sich mit seiner Frau Rosalind (Michelle Dockery) zur Ruhe setzen. Was aber gar nicht so einfach ist: Neben dem Milliardär Berger (Jeremy Strong) ist auch Dry Eye (Henry Golding), ein Unterboss der chinesischen Unterwelt an dem Deal interessiert. Nebenbei muss sich Mickey auch noch um einen reichen Klienten und dessen Tochter kümmern. Mit dieser Aufgabe betreut er seine rechte Hand Raymond (Charlie Hunnam). Leider gerät der ins Visier von Privatschnüffler Fletcher (Hugh Grant), der Raymond und Mickey erpressen will. Als wenn das alles noch nicht zu viel wäre, taucht auch noch Coach (Colin Farrell) auf, dessen Schützlinge sich einen dummen Fehler erlauben und Mickey dabei gehörig auf die Füße treten.

Man merkt an der Inhaltsangabe schon, dass hier spricht wieder mehr diesen Guy-Ritchie-Ton: viele verschiedene Charaktere, die alle durch irgendwas mit einander verknüpft sind, deren Wege sich früher oder später kreuzen werden. Da wird sehr viel gequasselt, da gibt es viele schnelle Rückblenden, da wird ein kompliziertes Gerüst aus verschiedenen Geschichten aufgebaut. „The Gentlemen“ zeigt uns wirklich Old-School-Ritchie, der sich hier auf das beruft, was er am besten kann und wofür wir ihn lieben gelernt haben.

In seinen Ritchie-esken Momenten macht „The Gentlemen“ auch unglaublich viel Spaß. Dieser Film ist sehr suave (und ich freue mich, endlich dieses Wort mal in einer Kritik verwenden zu können): Das „Gentlemen“ im Titel passt perfekt. Matthew McConaughey ist einfach super cool, sehr geschmeidig, lässig. Er gleitet durch diesen Film wie der perfekte Gentleman-Kriminelle. Ritchie führt ihn gekonnt durch die Rückblenden, die Gewaltausbrüche und was nicht noch alles. Witzig ist an diesem Film, dass er uns eigentlich aus der Sicht von Fletcher, dem Schnüffler erzählt wird, der Raymond versucht klarzumachen, was er alles über Mickey weiß. Dadurch gibt es natürlich auch ein paar schöne Meta-Momente und die klassischen Unzuverlässiger-Erzähler-Augenblicke. Manchmal verliert sich Ritchie aber auch zu sehr in seinen Dialogen und lässt dadurch den Drive aus der Story ein wenig heraus.

Zum Glück hat Ritchie aber einen Cast, der unglaublich gut ist. Fangen wir mal bei dem größten Casting-Coup schlechthin an: Hugh Grant, Mr. „Notting Hill“, ist großartig. Da merkt man, dass er richtig Spaß daran hatte, mal nicht Mr. Nice Guy zu spielen. Er hat Spaß am Fluchen, am Fies-Sein. Grant allein macht diesen Film schon sehenswert. Dazu kommt ein Colin Farrell, der ebenfalls einfach nur unglaublich cool ist. Er ist in diesem Film ein bisschen das, was Brad Pitts Mikey in „Snatch“ gewesen ist…

Der Cast in „The Gentlemen“ ist allgemein einfach super, aber Grant und Farrell stechen für mich mehr heraus als alle anderen. Die Story kommt nicht ganz an „Snatch“ und Co. heran, lässt aber den alten Ritchie-Charme sofort wiedererkennen. Bis auf ein paar kleine, etwas zu lange Atempausen in der Mitte ist „The Gentlemen“ ein willkommenes Comeback des britischen Tarantinos.

Wertung: 7 von 10 Punkten (cool, cooler, Hugh Grant – sorry, „The Gentlemen“ ist sein Film und den rockt er)

6 Kommentare leave one →
  1. 4. März 2020 10:28

    Moment, ich muss mal schnell googeln, was suave heißt… 😉

    • donpozuelo permalink*
      6. März 2020 07:32

      Hahahaha… ich habe es auch nochmal googeln müssen, ob es wirklich das ist, was ich sagen wollte 😅

  2. 7. März 2020 18:49

    :)) wenn ich „suave“ lese, muss ich sofort an den alten Gassenhauer von Gerardo – „rico suave“ denken. Passt aber trotzdem irgendwie.

  3. 10. März 2020 15:17

    Ja, der Film konnte endlich mal wieder das alte Ritchie-Feeling hervorzaubern.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: