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Fürchte, was du nicht siehst!

2. März 2020

Als 2017 „The Mummy“ mit Tom Cruise in der Hauptrolle in die Kinos kam, sollte damit der Grundstein für das Dark Universe gelegt werden. Ähnlich wie Marvel wollte man ein Cinematic Universe für die alten Universal-Monster aufbauen. Der Mumie sollte „Der Unsichtbare“ mit Johnny Depp in der Hauptrolle folgen. Javier Bardem war schon als Frankensteins Monster geplant. Es gab schon zu Beginn von „The Mummy“ ein eigenes Intro für das Dark Universe. Man war sich seiner Sache sehr, sehr, sehr sicher… und fuhr mit dem ganzen Ding gehörig gegen die Wand. „The Mummy“ wurde zerrissen, das Dark Universe zu Grabe getragen, bevor es überhaupt richtig aufleben konnte. Dennoch wollte man an der Idee, die alten Monster der 30er Jahre wiederzubeleben, festhalten… Unter der Führung von Horror-Experte Jason Blum kommt nun der erste inoffizielle Nachfolger zur „Mumie“: „Der Unsichtbare“ von „Saw“-Miterfinder Leigh Whannell.

Cecilia (Elisabeth Moss) flieht aus ihrer brutalen Beziehung zu dem reichen und brillanten Wissenschaftler Adrian („Haunting of Hill House“-Star Oliver Jackson-Cohen). Bei einem Freund, dem Polizisten James (Aldis Hodge) und dessen Tochter Sydney (Storm Reid), kommt Cecilia dank der Hilfe ihrer Schwester (Harriet Dyer) unter. Als Adrian dann Selbstmord begeht, scheint sich für Cecilia alles zum Besseren zu bewegen. Doch schon bald hat Cecilia das Gefühl, jemand ist immer in ihrer Nähe… ein Unsichtbarer, der sie auf Schritt und Tritt verfolgt. Schon bald geht Cecilia davon aus, dass Adrian seinen Tod nur vorgetäuscht hat – doch niemand will ihr glauben.

Es ist so gut, dass diese ganzen Dark-Universe-Pläne gestrichen worden sind. Ich hatte zwischenzeitig schon noch ein wenig Angst, „Der Unsichtbare“ würde so ein vermurkster Mist wie „The Mummy“ werden, aber Pustekuchen… Leigh Whannell gibt dem Ganzen einen schönen neuen Anstrich und serviert uns einen Horror-Film, der gerade in seiner ersten Hälfte eine unglaublich düstere Atmosphäre schafft.

Whannell setzt anfangs auf subtilen Grusel. Manchmal versetzt uns die Kamera einfach in die Perspektive des Unsichtbaren, verkriecht sich langsam hinter einer Tür und beobachtet dabei still das Geschehen. Dann wieder sind es kleine Dinge im Bild, die sich plötzlich bewegen, verschwinden. Da ist es der kalte Atem, den nur wir sehen… das Schöne an diesen Sequenzen ist, dass Whannell sich Zeit nimmt. Einige Einstellungen wirken unendlich lang – und man sucht das Bild dabei aufmerksam nach Dingen ab, die möglicherweise einen Hinweis auf die unheimliche Präsenz geben könnten. „Der Unsichtbare“ wird so zu einem kleinen Suchspiel, bei dem man langsam selbst ein wenig in die Paranoia von Cecilia gedrückt wird… weil man panisch alles überfliegt und hinter jedem leisen Wehen einer Gardine schon sonst was sieht.

In diesen Momenten ist „Der Unsichtbare“ auch deswegen so stark, weil Elisabeth Moss einfach nur großartig ist. Diese Frau leidet sich durch diesen Film wie keine andere. Sie durchläuft jedes Stadium der Paranoia und der Verzweiflung… und es tut einem schon richtig in der Seele weh, wenn niemand ihr Glauben schenken will. Moss verleiht Cecilia eine Nervosität, die nie ins Überspitzte übergeht. Was echt gut ist, hätte das Ganze doch sehr schnell zu „geschauspielert“ wirken können. Moss hingegen geht ganz natürlich durch die verzweifelten Phasen der Cecilia.

Ein wenig albern dagegen wirkt es, wenn sie in bester „Fight Club“-Manier hier und da mit sich selbst kämpfen muss. Wenn der Unsichtbare „sichtbarer“ in Aktion tritt, wirkt das manchmal etwas absurd. Da funktionieren die subtilen Momente etwas besser als die Offensichtlichen. Dennoch ist das CGI jetzt keine Katastrophe… nur wenn man die ganze Zeit das Nicht-Offensichtliche gewöhnt ist, wirkt das Offensichtliche etwas platt.

Auch hat der Film einige Wendungen, die ich nicht unbedingt gebraucht hätte, die aber die Story ein wenig aufwerten sollen. Allerdings sind die nicht sonderlich clever und an einigen Stellen sehr vorhersehbar. Dem Grundgerüst der Story schadet es aber nicht.

„Der Unsichtbare“ ist ein frischer Anstrich fürs alte Monster… und wenn man sich den Film so anschaut, wünscht man sich, dass man mit dieser Finesse auch an „The Mummy“ gegangen wäre. Statt Comic-Quatsch einfach mal einen ordentlichen Film machen. Dann hätte es vielleicht auch mit dem Dark Universe geklappt.

Wertung: 7 von 10 Punkten (gerade zu Beginn sehr packender Horror-Thriller, der später etwas action-reicher wird)

6 Kommentare leave one →
  1. 9. März 2020 15:59

    Hmmm, kann den Film noch nicht einschätzen, da die Meinungen dazu doch recht stark variieren. Die einen sagen määääääh, die anderen eher Yeeeaaaaah…

    • donpozuelo permalink*
      9. März 2020 18:54

      Ja, das habe ich auch schon mitbekommen. Vielen ist gerade dieser eher langsame Anfang zu schwach und die zweite Hälfte (actionreicher) viel lieber. Ich kann es verstehen, aber insgesamt finde ich den trotzdem gut. Alle Male besser als die furchtbare Mumie mit Tom Cruise 😀

  2. 19. März 2020 21:25

    Ich wünsche Frau Moss, dass sie einfach mal in einer behaglichen RomCom mitspielen darf 😂

    • donpozuelo permalink*
      20. März 2020 08:39

      Ob sie das überhaupt noch kann… 🙈

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