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Random Sunday #26: Ruf der Wildnis

1. März 2020

Erst letzte Woche habe ich „Ruf der Wildnis“ im Kino gesehen… Harrison Ford spielt mit einem CGI-Hund ein wenig Abenteuer. Da schon habe ich mir gedacht, wie übel weichgespült doch dieser Film wirkt. Wie gesagt, viel hätte eigentlich nicht mehr gefehlt und sie hätten dem Hund (und all seinen anderen tierischen Freunden im Film) eine Stimme geben können. „Ruf der Wildnis“ ist einfach nur ein Kinderfilm. Nicht spektakulär, nicht atemberaubend, nichts. Es ist einfach nur ein Film, der irgendwie da ist. Um mal den direkten Vergleich zu haben, habe ich mir das Buch dazu besorgt… und tja, nach der Lektüre von Jack Londons kleinem Roman (so knapp 130 Seiten) wirkt die neue Film-Version von „Ruf der Wildnis“ noch alberner.

Die Story ist mehr oder weniger die Gleiche: Der Hund Buck wird aus seinem gemütlichen Leben in Kalifornien gerissen und als Schlittenhund in Alaska eingesetzt. Hier muss er sich beweisen und vor allem seine animalische Seite wiederfinden – er muss dem Ruf der Wildnis folgen und das Zivilisierte ablegen. Auf seiner Reise trifft er natürlich auf zahlreiche Menschen und am Ende auch auf den einzigen wahren Freund, den er unter den Zweibeinern jemals haben wird – den Abenteurer John Thornton (der im Film von Harrison Ford gespielt wird).

Wow, wow, wow… schon nach den ersten 10 Seiten wurde mir klar, wie weichgespült „Ruf der Wildnis“ im Kino wirklich ist. Ich meine, der arme Buck wird direkt zu Beginn von einem fiesen Arschloch halb totgeprügelt, damit er endlich gehorcht. Auch im Verlauf des Buches beschönigt Jack London einfach nichts… die Tiere leiden hier extrem unter den Anforderungen der Menschen und der Umgebung. „Ruf der Wildnis“ ist ein Roman über die Natur – aus der Sicht eines Hundes. Gerade wenn man das nach dem Film liest, fühlt sich alles doppelt brutal und fürchterlich an – letztendlich muss man aber erkennen, dass London sehr dokumentarisch vorgeht. Er beschreibt hier nichts, was normale Hunde in solchen Situationen oder Rudeln nicht auf machen würden. Machtkämpfe sind da nun einmal an der Tagesordnung… und am Ende verliert der Schwächere. Bis das ausgemacht ist, geht es aber natürlich ordentlich zur Sache.

London lässt da keine Details aus – so ist der Kampf zwischen Buck und dem Schlittenleithund Spitz im Film eine vorsichtige und behutsame Angelegenheit. Im Buch schenken die sich nichts… ein halb toter Buck schafft es dann schließlich irgendwie, Spitz beide Vorderbeine zu brechen und ihn dann zu besiegen, nur damit Spitz danach von ungefähr 60 Huskies zerfleischt wird. Selbst gegenüber den Menschen ist Buck teils nicht „besser“. Als ein Stamm Ureinwohner seinen geliebten John Thornton umbringen, wütet Buck, jetzt schon voll im Rausch des Rufs der Wildnis, zwischen den Männern und wird so zu einer gefürchteten Legende.

Ich will jetzt nicht auf der Gewalt des Buches herumhacken, nur deutlich machen, wie krass die Unterschiede doch zwischen Buch und Film sind. Von den einzelnen Episoden in Bucks Leben bleiben aber fast alle auch im Film erhalten – nur eine Wette, die Buck für Thornton gewinnt, bleibt aus. Dafür wird im Film ein unnötiger Schurke eingeführt, der im Buch einfach aufgrund seiner Dummheit, seinem Stolz und seiner Unerfahrenheit von der Natur bestraft wird.

„Ruf der Wildnis“ ist aber, wie gesagt, nicht nur ein brutal ehrliches Buch, sondern auch wirklich beeindruckend zu lesen. Man erfährt in der kurzen Zeit viel und detailliert vom Leben der Männer im hohen Norden – und das aus der Sicht eines Hundes. Man spürt in jedem Satz die Kälte, die Anstrengungen und die Qualen, die sowohl Tier als auch Mensch durchlitten haben – nur um dem Ruf des Goldes zu folgen.

Am Ende so einer Nörgelei, deren Resultat es ist, dass das Buch so viel besser als der langweilig, weichgespülte Film ist, stellt sich natürlich eine Frage: Könnte man es besser machen? Wahrscheinlich nur, wenn man „Ruf der Wildnis“ als Zeichentrickfilm für Erwachsene macht. Aber wozu??? Lest lieber das Buch, das ist schnell durch.

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