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Filmreise Etappe #20: Atemlos in Paris

14. Februar 2020

Auf Platz 20 der Filmreise-Challenge wird ein Film der französischen Filmbewegung Nouvelle Vague verlangt. Darauf habe ich mich tatsächlich schon sehr lange sehr gefreut. Während der Uni-Zeit hat man zwar in dem ein oder anderen Film-Seminar mal darüber gesprochen, aber wirklich geguckt haben wir da nie auch nur einen Vertreter dieer Bewegung. Klar, ich kannte die Namen, die damit verbunden waren, aber in  Kontakt mit einem Francois Truffaut kam ich eher aufgrund seiner Interviews mit Alfred Hitchcock. Wie gesagt, ich war froh, dass die Challenge mir einen Nouvelle-Vague-Film abverlangte. Herausgepickt habe ich mir dann einen der größten Klassiker dieser Ära des Filmemachens: „Außer Atem“ von Jean-Luc Godard nach einem Drehbuch von Truffaut (damit der auch gleich noch mit im Mix ist).

Der Kleinkriminelle Michel (Jean-Paul Belmondo) erschießt auf seiner Fahrt nach Paris in einem gestohlenen Auto einen Polizisten. Auf der Flucht findet Michel Unterschlupf bei der Amerikanerin Patricia (Jean Seberg)… während er verzweifelt versucht, zum einen Geld für seine weitere Flucht heranzuschaffen und zum anderen Patricia davon zu überzeugen, mit ihm zu gehen.

Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Klassiker sind ja schließlich Klassiker nicht ohne Grund. Wenn ich mich dann mit so einem Film etwas schwer tue, fällt es mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Damit sollte schon mal klar sein, dass mich „Außer Atem“ nicht wirklich atemlos zurückgelassen hat. Ich habe mich eher ein wenig schwer getan mit dem Film, obwohl er natürlich seine guten Seiten hat und man auch deutlich erkennt, warum dieser Film als Klassiker bezeichnet wird.

Da wäre an erster Stelle natürlich die Machart des Films zu nennen. Für die frühen 60er Jahre ist das schon enorm und für den normalen Kinogänger muss das sicherlich eine unglaubliche Umstellung gewesen sein. Alles wurde an Original-Schauplätzen gedreht, teils mit natürlichem Licht. Wenn sich also Patricia und Michel in ihrem Schlafzimmer unterhalten, knallt das Licht aus dem Fenster voll in die Kamera und überstrahlt einfach mal alles. Authentizität ist hier das Zauberwort. Mit frei beweglichen Handkameras ist Godard immer nah an seinen Schauspielern dran und fängt das Geschehen ein, ohne es durch schöne Kulissen, perfekte Ausleuchtung oder passende Kamera-Bewegungen zu beschönigen. Es hat etwas Dokumentarisches an sich, wenn die Kamera wackelnd hinter Jean Seberg herläuft – über Straßen, Treppen rauf…

Godard lässt seine Charaktere auch immer wieder mal die vierte Wand durchbrechen. Michel spricht uns direkt an und auch Patricia schaut uns am Ende fordernd an. Jump Cuts in längeren Dialogszenen verdecken nicht die Tatsache, dass das hier kein Theater ist, wo jeder Take sitzen muss. „Außer Atem“ ist atemlos in seiner Machart, ein ungewöhnlicher und faszinierender Film – rein aus Sicht der Filmhistorikers, der Filmwissenschaftlers.

Wenn ich den Film jetzt aber mal einfach nur als Film nehme, der mich als Zuschauer irgendwie unterhalten soll, dann muss ich gestehen, dass er gerade in der Mitte etwas ins Stocken gerät. Da verbringen Michel und Patricia viel Zeit im Bett und reden… reden über alles Mögliche. Zum Glück kann sich Godard hier ein wenig darauf verlassen, dass Belmondo und Seberg eine gute Chemie miteinander haben und gut zusammen agieren. Dennoch ist gerade die lange Schlafzimmer-Sequenz etwas, das mich ein wenig aus dem vermeintlichen Zauber der Nouvelle Vague herausgezogen hat. Klar, ist das auch wieder genau das, was Godard wahrscheinlich beabsichtigt – es ist das normale Leben. Zwei Menschen, die einfach nur rumalbern und sich unterhalten. Aber es bringt die Geschichte von Michels Flucht ein wenig ins Stocken… und gibt uns – entgegen des Titels – eine längere Verschnaufpause.

Insgesamt ist „Außer Atem“ absolut zu empfehlen – halt nur rein filmhistorisch betrachtet. Als Film reicht mir diese eine Sichtung dann aber auch komplett aus – sorry, Vague-Fans. Vielleicht könnte ihr mir ja noch einen Vertreter empfehlen, den man noch unbedingt gesehen haben sollte.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ganz klar ein Klassiker, aber dennoch nicht unbedingt mein Film)

5 Kommentare leave one →
  1. 19. Februar 2020 17:21

    Jean Seberg ist so faszinierend natürlich in diesem Film. Ich war beim ersten Schauen sofort in sie verliebt…

    • donpozuelo permalink*
      21. Februar 2020 10:42

      Seberg ist schon toll in dem Film. Da kann ich dein Verliebtsein nachvollziehen

  2. 6. März 2020 21:21

    Ach, das kommt mir sehr bekannt vor. Letztes Jahr hatte ich mir mal vorgenommen Filme der Nouvelle Vague zu schauen und war zwar von der Machart verzaubert (u.a. aus all den oben von dir genannten Gründen und klassischen Merkmalen), aber manchmal fand ich die Filme auch verkopft, langatmig oder etwas langweilig. Am wenigstens ist der Funke für mich bei Meine Nacht bei Maud und Die Außenseiterbande übergesprungen.
    Aber zwei Filme, die ich sehr empfehlen kann sind „Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7“, „Sie küssten und sie schlugen ihn“ und „Jules und Jim“.
    Das findest du nochmal hier in Langform

    • donpozuelo permalink*
      7. März 2020 05:39

      Jules und Jim liebe ich. Der ist zwar auch etwas schwerfällig, aber doch sehr toll. Danke auf jeden Fall für die Tipps. Mal schauen, wann ich mich mal wieder an einen dieser Filme wage.

Trackbacks

  1. Filmreise Etappe #21: Alte Liebe | Going To The Movies

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