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Filmreise Etappe #19: Unbesiegbarer Gringo

7. Februar 2020

Akira Kurosawa wird zurecht als einer der größten Regisseure seiner Zeit gefeiert. Nicht nur sind seine Filme einfach unglaublich toll, er hat auch zahlreiche Genres stark beeinflusst und viele Regisseur zu Meisterwerken inspiriert. Nehmen wir nur mal George Lucas, der sich bei „Die verborgene Festung“ fleißig für „Krieg der Sterne“ Inspiration genommen hat. Oder John Sturges, der aus „Die Sieben Samurai“ einfach Cowboys machte und „The Magnificent Seven“ in die Kinos brachte. Interessant ist schon, wie sehr Kurosawa mit seinen Samurai-Geschichten das Western-Genre beeinflusst hat. So auch Sergio Leone und den Spaghetti-Western. Leone machte aus „Yojimbo“ einfach „Für eine Handvoll Dollar“ und bescherte Clint Eastwood damit die Rolle seines Lebens.

Ein einsamer Reiter (Eastwood) kommt in das kleine Städtchen San Miguel, das unter der Fehde zweier Familien leidet. Auf der einen Seite steht die mexikanische Familie der Rojos – unter der Führung von Ramón Rojo (Gian Maria Volonté), auf der anderen Seite die amerikanischen Baxters mit Sheriff John Baxter (Wolfgang Lukschy). All dies erfährt der Fremde vom Wirt Silvanito (José Calvo) und entschließt sich daraufhin, beide Familien gegeneinander aufzuspielen. Der scheinbar leichte Plan, die Raufbolde gegeneinander aufzuhetzen, wird im Verlauf zu einer echten Kraftprobe für den Mann ohne Namen.

Nachdem ich vor einiger Zeit endlich mal „The Good, The Bad and the Ugly“ gesehen hatte, war die Filmreise-Challenge für die 60er Jahre der perfekte Anlass, mir mal Leones Auftakt der Dollar-Trilogie anzuschauen. Klar, man kennt die große Schluss-Pointe schon aus „Zurück in die Zukunft 3“, aber es ist trotzdem toll, das Original zu schauen – auch wenn es quasi nur ein Remake ist.

Als Remake von Kurosawas „Yojimbo“ funktioniert „Für eine Handvoll Dollar“ aber verdammt gut. Das Setting bietet sich geradezu an, um in ein einsames Wüstenstädtchen versetzt zu werden. Ob nun Toshiro Mifune mit Cleverness und Samurai-Schwert die Familien aufstachelt oder Clint Eastwood mit Cleverness, Zigarre und Pistole das Gleiche macht, ist eigentlich nebensächlich. Die Story ist fast die Gleiche, aber weil sie einfach gut und spannend ist, funktioniert sie auch für Leone unglaublich gut. Es ist aufregend, dieses Kräftemessen zu beobachten. Zu sehen, wie Eastwoods Namenloser (der übrigens die ganze Zeit den Spitzenamen Joe bekommt) jeden Moment für sich nutzt, um die Familien gegeneinander aufzubringen.

Dabei ist das Western-Setting natürlich gegeben, aber der Film selbst ist halt nicht der typische Western. Es ist eben ein Spaghetti-Western: er ist brutal (was Kurosawa auch schon vorgegeben hatte, schenkte sein Samurai seinen Gegner schon nichts), er ist dreckig (sowohl von außen als auch von innen – unter diesen Menschen gibt es kaum eine gute Seele, jeder hat Dreck am Stecken), er ist hinterhältig (Clint Eastwoods Namenloser hat so viele Tricks im Ärmel, seine Gegner betrügen, wo sie nur können und schrecken vor nichts zurück). „Für eine Handvoll Dollar“ ist dabei teils auch einfach bitterböse, zynisch und hart ohne Ende.

Clint Eastwood verkörpert die Coolness in Person. Sorry, anders kann ich es nicht sagen. Wenn der so lässig, selbstsicher in seinem komischen Poncho über die staubige Straße läuft, noch lässiger an seiner Zigarre kaut und dabei grimmig-selbstbewusst unter seiner Hut-Krempe hervorguckt, dann weiß man, dass man einer Kultfigur gegenübersteht. Wenn er am Ende seine Tricksereien zum Höhepunkt bringt, wirkt er wie ein Superheld, ein unheimlicher Geist, ein fleischgewordener Dämon, den nichts stoppen kann. Während er sich in „The Good, The Bad and the Ugly“ das Rampenlicht teilen muss, ist Eastwood in „Für eine Handvoll Dollar“ der Star – und so inszeniert ihn Leone auch… und es ist großartig.

Dieser Film ist ein grandioses Western-Meisterwerk, ein würdiges Remake für „Yojimbo“ und definitiv ein Film, den man gesehen haben sollte. Und irgendwie kam ich nicht drumherum, in einigen Einstellungen an Rick Dalton aus „Once Upon A Time… In Hollywood“ zu denken 😀 Und den großartigen Soundtrack von Ennio Morricone, der hier noch als Dan Savio vermerkt wird (warum auch immer), will ich nicht unerwähnt lassen. Minimalistisch und kühl passt der perfekt zu Leones Vision des einsamen Rächers.

Wertung: 9 von 10 Punkten (ob Samurai oder Cowboy – die Story packt einen)

13 Kommentare leave one →
  1. 16. März 2020 18:14

    Wenn ich über den Film oder andere Western mit Eastwood in der Hauptrolle lese, muss ich immer an eine Episode von Supernatural denken (ja, ich gestehe, das habe ich mal geschaut) in der Dean einen auf Eastwood macht und ihm irgendjemand sagt, dass in der Zeit und Gegend, die man als Wilden Western bezeichnet, gar keine Ponchos gab und nicht annähernd jemand gewusst hätte, was das ist. Herrlich. XD

    • donpozuelo permalink*
      18. März 2020 07:38

      😅😅😅 klingt super. Ich habe mich eher bei dem Film gefragt, warum man in dieser Hitze einen doch recht warm aussehenden Poncho anziehen würde… wahrscheinlich nur, um am Ende passend die Eisenplatte verstecken zu können.

  2. 16. März 2020 18:15

    Achso, aber vielen Dank für die Besprechung … ich habe eine Riesenlücke was Western betrefft und denke ich werde das mal im Sommer oder so ändern. In dieser Jahreszeit also, wo auch bei uns die Steppenläufer durch die Gegend wehen … und der Film kommt auf die Liste.

    • donpozuelo permalink*
      18. März 2020 07:38

      Sag Bescheid. Ich kann dir ein paar gute empfehlen, wenn du nich welche brauchst.

      • 18. März 2020 08:09

        Immer her damit, sehr gerne. 🙂 Hab schon ein paar auf der Liste, bspw The Good The Bad The Weird, Die glorreichen Sieben (also der alte) … kann aber gerade hier noch ein paar Tipps gebrauchen

        • donpozuelo permalink*
          18. März 2020 09:32

          Spiel mir das Lied vom Tod, The Wild Bunch, The Searchers mit John Wayne und Stagecoach kann ich sehr empfehlen. Und nimm dir bitte auch The Good The Bad and The Ugly vor.

          Der originale Django ist auch unterhaltsam und Sukiyaki Western Django 😅

        • 18. März 2020 09:57

          Uiuiui … da hab ich aber zutun. Spiel mir .. war schon fest eingeplant 😉 danke für die Tipps

        • donpozuelo permalink*
          18. März 2020 20:47

          Ja. Da gibt es einiges. Clint Eastwoods „Erbarmungslos“ kann ich auch noch empfehlen… und japanische Remake „The Unforgiven“ dazu, das ich persönlich sogar ein klein wenig besser fand.

        • 18. März 2020 20:56

          Die habe ich beide sogar schon gesehen 😉 Waren für mich aber relativ gleichauf. Schön aber, dass die Japaner mal den Spieß umgedreht haben.

        • donpozuelo permalink*
          18. März 2020 21:01

          Ja, das fand ich auch cool. Sonst werden sie immer kopiert… 😀

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