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Filmreise Etappe #18: Die Leiche des Direktors

31. Januar 2020

Laut der Anweisung der Filmreise Challenge hätte ich eigentlich einen deutschen Heimatfilm aus den 50er Jahren gucken müssen. Aber ich bin ganz ehrlich, darauf hatte ich irgendwie keine Lust. Das klingt irgendwie doch zu sehr nach etwas, was meine Oma gucken würde (und vielleicht hätte ich es deswegen gucken müssen, um zu überprüfen, ob meine Vorurteile stimmen oder nicht). Ich entschied mich lieber für einen französischen Film aus den 50er Jahren, von dem ich schon viel Gutes gehört hatte: „Die Teuflischen“ von Henri-Georges Clouzot.

Michel Delassalle (Paul Meurisse) leitet auf dem Land ein Internat für Jungen. Er ist ein strenger Direktor, der spart, wo er nur kann… und dabei hat er all das nur, weil seine Frau Christina (Vera Clouzot) das Geld springen lässt. Sie hat zudem einen Herzfehler (was hier irgendwie willkürlich eingefügt wird, aber für die Story von Bedeutung ist). Mit seiner Frau geht Michel schon nicht sehr nett um, mit seiner Mätresse, der Lehrerin Nicole (Simone Signoret), noch weniger. Also entscheiden sich die Frauen irgendwann, Michel zu töten. Nicole hat den perfekten Plan… und alles scheint zu funktionieren. Doch dann verschwindet die Leiche und es scheint, als würde Michel durchs Internat spuken.

„Die Teuflischen“ ist ein teuflisch spannender Film (sorry, der schlechte Gag musste einfach mal sein), weil er so vieles auf einmal ist und sich trotzdem nicht überfüllt anfühlt. In allererster Linie ist dieser Film ein spannendes und verdammt gut gespieltes Charakter-Drama. Vera Clouzot spielt die unscheinbare Christina, die in ihren christlichen Werten gefangen ist und sich deswegen nicht einmal auf die Scheidung von ihrem Ekel von einem Ehemann einlassen will. Simone Signoret ist die etwas Abgebrühtere, die Pläne-Schmiederin, das Gewissen, das Christina zu einer Entscheidung drängt (dass sie ein gutes Gewissen ist, ist natürlich mehr als nur fragwürdig). Es ist allein schon spannend zu sehen, wie gerade Christina immer wieder gegen Zweifel ankämpft, immer wieder versucht, sich gegen Nicoles Plan zu stellen. Am Ende wird ihr und uns aber der Direktor selbst so widerwärtig, dass man ihm schon selbst den Tod wünscht. Clouzot lotet hier gekonnt die menschlichen Emotionen aus, die mit so einer Tat einhergehen: Angst, Unsicherheit, Paranoia, Schuldgefühle, Zweifel… Wenn seine Darstellerinnen nicht so umwerfend gut spielen würden, wäre „Die Teuflischen“ nicht halb so gut.

An zweiter Stelle ist „Die Teuflischen“ ein Thriller, ein Krimi… die Geschichte eines beinahe perfekten Plans, jemanden umzubringen. Minutiös führt uns Clouzot durch die einzelnen Phasen des Plans. Dass Clouzot Spannung erzeugen kann, weiß jeder, der seinen Film „Lohn der Angst“ gesehen hat… und spannend ist dieser Thriller hier auch, den er inszeniert. Die Hürden, die überwunden werden müssen, die Beinahe-Entdeckungen, die Zweifel und Ängste Christinas lassen den Mord und das Verschwinden-Lassen der Leiche zu einer aufregenden Tour de force werden, bei der man mehr als einmal den Atem anhält.

An dritter Stelle kann man „Die Teuflischen“ eben auch als Horror-Film bezeichnen… immerhin geistert offenbar nach dem Mord der Direktor weiterhin durchs Internat, erscheint den Schülern und lässt nun auch Nicole vor Angst erschaudern. Was den Film hierbei besonders auszeichnet, ist die Tatsache, dass Clouzot auf musikalische Untermalung fast vollständig verzichtet – und es dank Kamera-Arbeit, Schnitt, natürlichen Geräuschen und seiner Darsteller dennoch schafft, eine unglaublich unheimliche Stimmung aufzubauen.

„Die Teuflischen“ ist halt wirklich einfach teuflisch spannend. Thriller, Drama, Horror-Film in nahezu perfektem Einklang. Ein Film, den man als Fan jedes dieser Genres unbedingt mal gesehen haben sollte.

Wertung: 9 von 10 Punkten (packendes Psychospiel…)

8 Kommentare leave one →
  1. 4. Februar 2020 20:13

    Ja, mochte und mag ich auch und tausend Mal besser als das Remake.

    • donpozuelo permalink*
      4. Februar 2020 21:19

      Oha… da gibt es ein Remake zu? Das klingt schon nicht gut

      • 4. Februar 2020 21:21

        Ja mit Sharon Stone und Isabelle Adjani. War nicht der Burner sage ich Dir :))

        • donpozuelo permalink*
          4. Februar 2020 21:28

          Sharon Stone? Wirklich? Uff… da lasse ich lieber die Finger von.

  2. 11. Februar 2020 16:04

    Klingt auf jeden Fall spannender als ein deutscher Heimatfilm. 😉

  3. 26. Februar 2020 21:20

    Klingt toll, wandert sofort auf die To-Watch-Liste 🙂 Danke

    • donpozuelo permalink*
      27. Februar 2020 15:43

      Gerne doch. Sehr zu empfehlen (und auf Netflix zu finden)

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