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Das Sonnenscheinmädchen

29. Januar 2020

Vor vier Jahren haute Makoto Shinkai die Welt mit seinem fantastischen Anime „Your Name“ aus den Socken. Aber schon vorher bewies er mit Filmen wie „The Place Promised in our Early Days“, dass er jemand ist, den man nicht außer Acht lassen sollte. War er damals aber wahrscheinlich noch eher ein Geheimtipp, ist er es jetzt nicht mehr… was man auch daran sehen konnte, dass die Sondervorstellung in Berlin zu seinem neuen Film „Weathering With You“ proppenvoll war.

In „Weathering With You“ lernen wir den Oberschüler Hodaka kennen, der von Zuhause wegläuft und nach Tokio fährt. Auf dem Weg dorthin lernt er Keisuke kennen, der eine kleine Redaktion für Okkultes leitet. Hier fängt Hodaka an zu arbeiten. Besonders interessiert man sich in Tokio zur Zeit für so genannte Sonnenscheinmädchen, da es trotz Sommerzeit in der Stadt ununterbrochen zu regnen scheint. Bei seinen Recherchen trifft Hodaka auf die junge Hina, die tatsächlich ein Sonnenscheinmädchen ist. Sie kann mit Kraft von Gebeten die Sonne zum Vorschein bringen. Zusammen mit Hodaka bietet sie nun ihre Dienste an – doch zu einem hohen Preis: Sonnenscheinmädchen gehen einen Bund mit dem Himmel ein und müssen sich am Ende opfern, damit das Wetter wieder in Einklang gerät. Hodaka will das natürlich auf jeden Fall verhindern.

„Your Name“ ist ein unglaublicher Film, den ich immer und immer wieder gucken würde (auch wenn ich nach wie vor kein Fan von der Idee eines Live-Action-Remakes bin). Bei „Weathering With You“ hält sich meine Begeisterung etwas in Grenzen. Was vor allem an der nicht ganz so aufregend erzählten Geschichte ist. Die ist hier sehr einfach erzählt und enthält keine größeren Überraschungen. Es ist ziemlich vorhersehbar, was passieren wird und wie. Auch ist es irgendwie schade, dass sich Shinkai den Klimawandel zum Thema macht, aber letztendlich bei einer Präsentation einer Lösung nur ins Übernatürliche verfällt. Klar, der Film soll jetzt nicht einen Weg finden, den Klimawandel zu bekämpfen, aber so eine kleine Moral, dass der Mensch sich vorsehen muss und aktiv werden sollte, wäre ja nicht schlecht gewesen. Shinkai verlässt sich aber lieber auf Übernatürliches… und wenn das nicht weiterhilft, besteht die Moral der Geschichte darin, dass sich die Menschen halt einfach daran gewöhnen müssen, dass sich alles ändert.

Es ist schade, dass Shinkai das so ein bisschen in den Fantasy-Bereich abschiebt und sich dann doch lieber mehr auf die Geschichte von Hodaka und Hina stürzt. Die ist zwar ganz niedlich, aber auch hier hätte ich mir ein bisschen mehr erhofft – gerade auch Hinas Verbindung zu der mysteriösen Welt über den Wolken / in den Wolken wäre spannend gewesen.

Insgesamt ist „Weathering With You“ dennoch ein unterhaltsamer Film, der gerade durch seine vielen tollen Charaktere zu punkten weiß. Die Bilder sind schön und wenn man sich auf die Story einlässt, ist das ganze Drama rund um Hina und Hodaka auch wirklich spannend. Nur leider gehen in dem Unwetter ein paar der interessanteren Aspekte der Geschichte ein wenig baden. Aber gut, es kann nun auch nicht jeder Film von Shinkai ein weiteres „Your Name“ sein…

Wertung: 6 von 10 Punkten (netter Anime-Spaß, der gut unterhält, aber mehr gekonnt hätte)

4 Kommentare leave one →
  1. 1. Februar 2020 21:09

    So, nachdem ich die letzten Tage überhaupt keine Zeit hatte zu schauen, was meine Blogger-Kollegen hier so schreiben, hoffe ich, dass ich jetzt wieder dran bleiben kann ^^

    Empfinde bei dem Film ähnlich wie du: Ich liebe Your Name und wollte Weathering wirklich mögen, aber bis auf wenige Momente blieb die Magie aus. Die Figuren waren toll, die Bilder auch, aber die Faszination, die Your Name noch hatte, fehlt hier. Und bzgl des Klimawandelkommentars habe ich auch gestutzt. Mir kam es sogar so vor, als wolle er den menschengemachten Klimawandel leugnen. Der alte Mann sagt ja in etwas „Die Menschen überschätzen sich“, so als hätten sie überhaupt keinen Einfluss darauf…

    • donpozuelo permalink*
      2. Februar 2020 19:25

      Ja, die Klima-Thematik war nicht gut umgesetzt. Das war wirklich schwierig… ich hoffe, sein nächster Film wird wieder etwas ergreifender.

  2. 26. Februar 2020 21:18

    Den habe ich dieses Mal tatsächlich ausgelassen und warte auf die DVD, weil mich das Thema nicht so sehr gereizt hat. Für Shinkai als der JJ Abrams unter den Anime-Regisseuren ist ein Wetter-Thema natürlich DIE Bühne für viele nette Light Flares und Cloud Porn. Aber ich finde, dass die Geschichte, die er erzählt, oftmals etwas platt sind. Die düsteren von „früher“ hatten was. Schätze ich bin mehr so der Mamoru Hosoda Typ … aber Your name hat mir auch gut gefallen.

    • donpozuelo permalink*
      27. Februar 2020 15:42

      Oh ja… ich mag Mamoru Hosoda auch mehr. Die Story von Weathering with you ist halt so lala… da hätte man mehr draus machen können.

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