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Fuck off, Adolf!!!

27. Januar 2020

Es gibt Filme, die klingen schon total gaga, wenn man nur die erste Prämisse dazu hört. Als ich hörte, was Taika Waititi nach „Thor 3“ als nächstes Projekt ausgewählt hatte, war ich sofort Feuer und Flamme: Er würde einen Film über einen Jungen zur Nazi-Zeit spielen, dessen imaginärer Freund Hitler ist – gespielt von Waititi selbst. Muss man dazu eigentlich noch mehr sagen? Dank Filmen wie „What we do in the Shadows“ und „Hunt for the Wilderpeople“ wissen wir, dass Waititi einen guten Sinn für Humor hat (selbst sein MCU-Auftritt war herrlich komisch), da kann doch bei diesem neuen Film namens „Jojo Rabbit“ nichts schief gehen? Nein, nicht wirklich…

Der zehnjährige Jojo Betzler (Roman Griffin Davis) ist ein blühender Verehrer des Führers, der sogar sein imaginärer Freund (Taika Waititi) ist und ihm in wichtigen Krisen beratend zur Seite steht. Jojo versucht sich überall einzugliedern, will ein guter Deutscher sein… aber das ist gar nicht so einfach. Vor allem dann nicht, wenn er plötzlich hinter das dunkle Geheimnis seiner Mutter Rosie (Scarlett Johansson) kommt: Die versteckt nämlich ein jüdisches Mädchen im Dachboden. Vorsichtig nähert sich Jojo der jungen Elsa (Thomasin McKenzie) an – verraten kann er sie nicht, weil sie droht, dann seine Mutter zu verraten. Also versucht er, über sie mehr Informationen über die Monster zu bekommen, als die die Juden so verschrien werden.

Kriegszeiten und Terrorherrschaft aus der Sicht von Kindern kann man auf die unterschiedlichsten Weisen darstellen. In „Die Bücherdiebin“ wurde es auf recht normale Weise dargestellt, Guillermo del Toro wählte eine fantastischere Methode in „Pans Labyrinth“ und Taika Waititi geht nun den Mittelweg. Dabei war ich mir erst unsicher, ob Hitler als imaginärer Freund wirklich funktionieren könnte. Aber wenn er von Waititi selbst gespielt wird, braucht man da keine Sorgen zu haben. Zumal der Film es mit diesen Szenen auch nicht überstrapaziert: Wenn der widerliche, kleine Schnauzbart-Träger in jeder zweiten Minute irgendwie aufgetaucht wäre, hätte es schnell zur Übermüdung führen können. Waititi setzt ihn aber sehr bedacht ein – schließlich soll es nicht um Hitler gehen, sondern um den jungen Jojo. Waititi ist in seiner Darstellung des fiesen Dikators aus Sicht von Kinderaugen aber einfach großartig. Sein imaginärer Führer ist ein dumber Idiot, der selbst keine Ahnung hat, was die Leute da von Jojo im Deutschen Jungvolk eigentlich wollen oder warum Juden nun so schlimm sind. Waititi führt das Gedankengut ad absurdum und zieht diese dumme, dumme Ideologie gekonnt durch den Kakao.

Aber wie schon erwähnt, es geht eher um den jungen Jojo… und Roman Griffin Davis ist einfach wunderbar. Durch seine Augen sehen wir diese verkehrte Welt, in der kleine, unschuldige Mädchen sich verstecken müssen, in der die eigene Mutter ihre wahre Identität verstecken muss und in der es vor Monstern nur so wimmelt (Stephen Merchant als übernatürlich großer Gestapo-Offizier ist wahrlich gruselig). Jojos Welt wird immer wieder auf den Kopf gestellt. Das ist mal sehr lustig (vor allem Sam Rockwell und Alfie Allen sind super), manchmal auch einfach zum Heulen traurig (dazu werde ich jetzt keine Spoiler geben, es ist aber wirklich so).

Waititi zeigt in „Jojo Rabbit“ wirklich ein Gespür für das perfekte Timing und geht sehr sorgsam mit diesem Stoff um. Er veralbert die Nazis und ihr Denken, wo er nur kann und das so wunderbar, dass man nicht anders kann, als einfach lauthals zu lachen. Doch dann bringt er uns auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück – hier ist eben nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen – und wir werden mit harten Tatsachen wieder aus dem Lächerlichen herausgeholt. Dabei hat Waititi auch dank seiner umwerfenden Darsteller die besten Voraussetzungen, um das gut zu inszenieren. Thomasin McKenzie ist super, Sam Rockwell ist großartig und Scarlett Johansson zu Recht für einen Oscar nominiert.

„Jojo Rabbit“ ist urkomisch und zutiefst traurig, weiß aber auch immer, uns irgendwie wiederaufzubauen, uns Hoffnung zu schenken. Das ist wunderbar rührende Fiktion und ein wunderbarer kleiner Film zum Lachen und Weinen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Waititi beweist einmal mehr, dass er ein großartiger Komiker und Regisseur ist)

5 Kommentare leave one →
  1. 27. Januar 2020 10:52

    Fantastischer Film!

  2. 26. Februar 2020 21:14

    Der ist wirklich toll! Und der Soundtrack … .
    Aber die Stelle in der die Schuhe nochmal so große Bedeutung bekommen – da habe ich schon zuvor schlimmes geahnt, dass sich dann bewahrheitete ;_;

    • donpozuelo permalink*
      27. Februar 2020 15:41

      Der Soundtrack ist auch super. Und ja, das mit den Schuhen war hart.

Trackbacks

  1. 2020 | Going To The Movies

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