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Die neuen Bonnie und Clyde

15. Januar 2020

Das Thema zweier Außenseiter, die auf der Flucht sind, ist ja schon immer ein guter Stoff für Hollywood gewesen. „Bonnie und Clyde“ ist natürlich ein Klassiker, der das an Hand der wahren Begebenheit gekonnt ins Kino gebracht hatte… und viele Nachfolger hervorbrachte. „Natural Born Killers“ geht in diese Richtung, selbst „Thelma & Louise“ steht in der Tradition des Gangsterpärchens. Jetzt versucht sich Regisseurin Melina Matsoukas an dem Stoff und bringt eine politische Note mit rein, die ihrem kleinen, wunderbaren Film „Queen & Slim“ eine erschreckende Aktualität verleiht.

Ernest „Slim“ Hines (Daniel Kaluuya) und Angela „Queen“ Johnson (Jodie Turner-Smith) lernen sich bei einem Tinder-Date kennen. Als Slim sie nach dem Essen wieder nach Hause fahren will, werden die beiden von der Polizei angehalten. Da sie beide Afroamerikaner sind, wird der weiße Cop handgreiflicher als er es eigentlich sein müsste. In dem Gerangel, das folgt, erschießt Slim aus Versehen den Polizisten… und so beginnt die Odyssee der Beiden. Von der Polizei gejagt, werden sie von vielen als Helden gefeiert.

„Queen & Slim“ ist in erster Linie ein normales Road-Movie mit einem ungleichen Pärchen, das gejagt wird. Es gibt keine großen Überraschungen. In diesem Punkt ist der Film da genau das, was man so von dieser Art Road-Movie erwartet. Wir reisen durch die USA und bekommen einen schönen Einblick von allem. Tolle Landschaften werden abgelöst von heruntergekommenen Städten, schönen kleinen Ortschaften… eben genau das, was ein Road Movie so ausmacht.

Was „Queen & Slim“ dann aber doch sehenswert macht, ist das Titel gebende Pärchen. Daniel Kaluuya und Jodie Turner-Smith haben eine unglaublich gute Chemie miteinander. Die beiden balancieren sich gut aus… sie die Anwältin, die glaubt, sie wüsste über alles Bescheid und er, der einfach Typ, der mit allem etwas überfordert zu sein scheint. Sie sind ein ungleiches Paar, was schon zu Beginn ihres Dates deutlich wird. Es ist auch hier klar, in welche Richtung sich die Beziehung der Beiden bewegen wird. Doch es ist schön, dass Regisseurin Matsoukas das nicht erzwingt, sondern sich langsam und natürlich entwickeln lässt. In jedem anderen Film würden die Zwei schon in der ersten Nacht mit einander schlafen, „Queen & Slim“ nimmt sich da aber Gott sei Dank Zeit. So können sich beide Charaktere kennenlernen, besser verstehen lernen. Es ist dann genau diese Entwicklung, die diese Beiden so toll werden lässt.

Die angesprochene politische Ebene schwingt dabei immer mit… leicht im Hintergrund. Queen und Slim werden für ihre Tat gefeiert, werden die neuen Helden einer Generation – ohne das sie das wollten oder wollen. Hier, finde ich, hätte der Film ruhig ein bisschen mehr drauf eingehen können. Es gibt zwar ein, zwei Szenen, die das „Ausmaß“ deutlich machen, aber wenn schon diese Richtung eingeschlagen wird, hätte man es ausbauen können. So bleibt der Film halt recht vorhersehbar in seiner Struktur…

Dank Kaluuya und Turner-Smith ist „Queen & Slim“ wirklich ein sehr rührender und schöner Film geworden, der aber durchaus mehr Potenzial gehabt hätte. Gerade zum Ende hin wird das Ganze dann auch etwas zu dramatisch (wenn auch absolut vorhersehbar)… und verlor mich dann kurz für einen kleinen Augenblick. Als reines Road-Movie mit einem tollen Leinwand-Pärchen lohnt sich der Film aber alle Male.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Bonnie und Clyde ohne die Gewalt – dafür mit Charme und Witz)

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