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Der wandernde Fluch

13. Januar 2020

Mit „Knives Out“ fing das Kino-Jahr noch gut an… doch es dauert gar nicht lange, da habe ich schon die erste Gurke vor mir. Und die erneute Bestätigung, dass so einigen Menschen in Hollywood wirklich nichts mehr einfällt. Auch das Horror-Genre ist von einer gewissen Lethargie und Ideenlosigkeit betroffen. Ich meine, in diesem Jahr starten mehr Horror-Fortsetzungen, Remakes und Reboots als Comic-Filme. Den Anfang macht ein Film, von dem ich gar nicht glauben kann, dass man den jetzt noch einmal angerührt hat… denn tatsächlich hielt es Sam Raimi für eine gute Idee, sich noch einmal um „The Grudge“ zu kümmern. Das japanische Original von 2002 wurde ja schon 2004 vom Regisseur des Originals mit Buffy-Darstellerin Sarah Michelle Gellar zu einem Remake, dem zwei Fortsetzungen folgten. Jetzt kommt also ein Reboot / Remake… das leider wirklich kein Mensch braucht.

Detective Muldoon (Andrea Riseborough) verliert ihren Mann durch Krebs und zieht deswegen mit ihrem Sohn um… ihr erster Fall führt sie zu einem mysteriösen alten Haus. Nicht ahnend, was es damit auf sich hat, betritt sie das Haus – und wird so Opfer eines Fluches, den die Pflegerin Fiona (Tara Westwood) aus Japan mitbrachte und der ihre Familie tötete. Der Fluch blieb bestehen und machte dem Makler Peter Spencer (John Chu) und dessen schwangerer Frau Nina (Betty Gilpin) das Leben zur Hölle, bevor es Faith Matheson (Lin Shaye) und ihren Mann (Frankie Faison) traf… und dank Faith wird Muldoon nun auch zu einer Betroffenen.

Ich habe mir das japanische Original direkt nach diesem Film noch einmal angeschaut… und wirklich viel haben die Filme nicht gemein. Außer der kurzen Erwähnung Japans… nicht einmal das ikonische Knurren / Knarren des bösen Geistes kommt hier wirklich zur Geltung. Ich meine, okay… wirklich gruselig gruselig finde ich das Original jetzt auch nicht, aber der Film hat wenigstens Atmosphäre und Stil. Der neue Grudge hat nichts davon. Vor allem keine Atmosphäre… die aber auch nie aufkommen kann, weil Regisseur Nicolas Pesce mit diesem klassischen Horror nichts anfangen kann.

Ich habe mir sagen lassen, dass sein „The Eyes of my Mother“ ziemlich kranker Scheiß sein soll… aber „The Grudge“ fühlt sich an, als wenn hier jemand am Werk war, der keine Ahnung von Horror hat. Da steht dann mal eine schemenhafte Gestalt irgendwo am Fenster oder beim Vorbeilaufen irgendwo in der Tür… uuuuhhhh, sehr gruselig. Der Film besteht von billig aneinander gereihten Jump Scares, die man wirklich eine Meile gegen den Wind riechen kann… und selbst wenn sie dann kommen, sind sie nicht wirklich erschreckend. Stattdessen versucht Pesce dann an einigen Stellen mit „schönen“ Nahaufnahmen ordentlich mit Blut und Ekel zu punkten, aber nochmal: atmosphärisch ist das nicht! Erschrecken kann man damit vielleicht auch nur jemanden, der das erste Mal in seinem Leben einen Horror-Film sieht. Doch selbst der dürfte irgendwann ziemlich gelangweilt sein… denn die Story lässt es gar nicht zu, dass man sich auf die Charaktere einlassen kann.

Ähnlich wie im Original versucht Pesce verschiedene Episoden aus dem verfluchten Haus zu erzählen. Problem ist nur: Im Original waren diese Episoden quasi wie abgeschlossen und das Geisterhaus diente als roter Faden. In diesem Versuch, das zu rebooten, erzählt Pesce seine Story parallel geschnitten, aber natürlich zu unterschiedlichen Zeiten, so dass es alles komplizierter wirkt. Dadurch, dass die einzelnen Geschichten aber so zerstückelt sind, kommen die nie wirklich zur Geltung… und dabei haben sie alle eigentlich etwas Interessantes zu erzählen. „The Grudge“ reißt Themen wie Sterbehilfe, Schwangerschaftskomplikationen, Religion und Einsamkeit an – doch es sind nur Stichworte, die die Charaktere tiefgründiger wirken lassen sollen. Da sie aber nur angerissen werden, bringt das gar nichts. Die Figuren könnten einem eigentlich nicht egaler sein…

… was verdammt schade ist, hat Pesce doch tolle Darsteller an Bord. Andrea Riseborough gibt wirklich alles, John Chu spielt tapfer gegen jede Schwäche des Drehbuchs an und mit Betty Gilpin gelingt es ihm hier und da sogar, mich ein bisschen was fühlen zu lassen. Aber sie kommen alle nicht zur Geltung. Der Fluch schlechter, unkreativer Remakes / Reboots trifft auch sie.

Bleibt nur zu hoffen, dass sie damit den Fluch im Kino ruhen lassen. Oder einen fähigen Regisseur finden, der mehr aus dem Stoff machen kann.

Wertung: 3 von 10 Punkten (Grusel gleich Null, Story öde, Darsteller unterfordert – verfluchtes Remake)

7 Kommentare leave one →
  1. 28. Januar 2020 20:07

    Gestern erschien meine Besprechung und jetzt traue ich mich auch mal zu hören, was die Blognachbarn zu dem Film sagen. Wir haben tatsächlich dieselbe Punktezahl und eine ziemlich ähnliche Wertung allgemein … aber sag mal: beim original hast du dich nicht gegruselt? Also ich fand ja die Bettdecken- und Fahrstuhlszene sehr gruselig.

    • donpozuelo permalink*
      29. Januar 2020 21:44

      Doch. Das Original ist definitiv gruselig. Aber dieses Remake oder was auch immer ist furchtbar…

  2. 4. Februar 2020 20:29

    Schade. Sein „The Eyes of my Mother“ fand ich gut, „Piercing“ hatte ich nicht gesehen, soll aber okay gewesen sein. Ist das nicht schon das zweite Remake? Der Japaner war ja ganz gut seinerzeit.

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