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Das Loch im Donut

6. Januar 2020

Rian Johnson hat es nicht leicht. Für sehr, sehr viele Fans ist er dafür verantwortlich „Star Wars“ getötet zu haben. Das wird er wohl nie wieder loswerden, denn er hat ja wortwörtlich Luke Skywalker getötet. Er hat Snoke getötet, er hat Reys vermeintlich glorreiche Vergangenheit zunichte gemacht – wenn ich, der ich „Star Wars 8“ ja durchaus okay fand, mit Leuten, die ihn wirklich hassen, rede, kommt es einem so vor, als hätte Rian Johnson eine ganze Generation getötet. Ich finde diesen Johnson-Hass stark übertrieben, auch wenn er mit zahlreichen Äußerungen nicht gerade versucht hat, dagegen zu steuern. Aber wie gesagt, das wird er wohl nie loswerden und es schwer haben, Leute für neue Filme zu begeistern. Ich weiß noch, als die Welt das erste Mal von seinem neuesten Film „Knives Out“ hörte, waren die SW8-Hasser schnell dabei, selbst diesen Film zu verteufeln – eben weil er von Johnson stammte. Was natürlich schade ist… gerade auch für den Film, der so viel besser ist, als ich es je erwartet habe.

Der reiche Krimi-Autor Harlan Thrombley (Christopher Plummer) stirbt… es sieht nach Selbstmord aus, doch die Polizei will das nicht so einfach hinnehmen. Weswegen die gesamte Familie und das Personal verhört wird. Der erfahrene Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) führt die Untersuchung an… und schnell wird klar, dass so ziemlich jeder in der Familie gut davon profitiert hätte, wenn Thrombley tot wäre. Blancs Ermittlungen offenbaren Familien-Dramen und gierige Verwandte, die sich nun alle um das Erbe streiten.

Man muss echt vorsichtig sein, was man zu „Knives Out“ schreibt, denn ich will wirklich nichts kaputt machen. In bester Agatha-Christie-Manier lässt Johnson in dieser Krimi-Komödie mehrere schräge und wunderbar gespielte Charaktere gegeneinander antreten. Der Film eröffnet mit einer langen Sequenz von Befragungen, die uns als dem Zuschauer die Chance gibt, selbst ein wenig kriminalistisch aktiv zu werden. Wir haben die gleiche Grundlage wie Benoit Blanc und stellen uns eigenen Vermutungen an. „Knives Out“ ist also ein famoses Krimi-Spiel, das wirklich clever geschrieben ist. Es gibt sogar einen Punkt, an dem wir genau erfahren, was wirklich mit Harlan Thrombley passiert ist – und das relativ früh, sodass man sich fast fragt, wie es jetzt noch weitergehen soll. Aber wie schon Hitchcock sagte, Spannung baut sich dadurch auf, dass wir wissen, dass eine Bombe unter dem Tisch tickt, aber wir nicht wissen, wann sie hochgeht.

Hier muss man einfach Rian Johnson sowohl als Regisseur als auch als Drehbuchautor loben. „Knives Out“ ist spannend. Und dabei classy… wenn ich das mal so formulieren kann. Es fühlt sich wirklich wie einer dieser alten Krimi-Klassiker an. Nicht nur vom Szenario und vom Set, sondern auch einfach von der Art und Weise, wie das alles präsentiert wird und am Ende auch aufgelöst wird. Wenn man sich drauf einlässt und wirklich miträtselt, hat man endlich mal wieder einen richtig tollen Krimi… der zudem auch noch verdammt witzig ist. Womit wir dann bei den Charakteren angelangt sind.

„Knives Out“ ist vollgepackt mit großen Namen: Daniel Craig, Jamie Lee Curtis, Chris Evans, Christopher Plummer, Don Johnson, Michael Shannon, Toni Collette, Katherine Langford, Ana de Armas… und noch zig andere mehr, die alle wunderbar aufspielen. Das Tolle ist, dass sich die einzelnen Charaktere trotz der Menge gut ausbalancieren und sich auch für uns als Zuschauer formen können. Man lernt sie alle zur Genüge kennen, weiß am Ende, wer welche Macken hat und wer wie tickt. Gehört eben dazu, damit wir selbst auch Ermittler spielen können. Ich will nicht zu viel verraten, aber dieser Film gehört einem Daniel Craig, der sichtlich viel Spaß an dieser Rolle hat, an seinem merkwürdigen Akzent, an seinem komischen Getue. Bevor er das letzte Mal zu Bond wird, kann er sich hier als Ermittler gekonnt austoben… und ist dabei so witzig geschrieben (er hält einen Monolog über Löcher in Donuts, der einfach nur großartig ist).

„Knives Out“ ist nostalgisch gut, kommt ohne Action aus, bietet dafür tolle Charaktere, verkörpert von tollen Darstellern und eine Story, die Spaß macht und die man definitiv nicht zu ernst nehmen sollte. Also alle Star-Wars-8-Hasser, gebt dem Film eine Chance!

Wertung: 9 von 10 Punkten (herrlich überzeichnetes Krimi-Spektakel mit einem großartigen Cast)

11 Kommentare leave one →
  1. 7. Januar 2020 09:47

    Wo kann ich unterschreiben? Stimme komplett zu

    • donpozuelo permalink*
      7. Januar 2020 16:31

      😄😄😄 Direkt hier. Freut mich… hast du mitbekommen, dass es einen zweiten Teil geben soll? Soll dann einfach ein neuer Fall von Benoit Blanc sein. Wer weiß, vielleicht hat Daniel Craig seine neue Reihe gefunden 😄

  2. 7. Januar 2020 18:17

    Toller Film – hat echt Spaß gemacht, ihn zu schauen.

    • donpozuelo permalink*
      7. Januar 2020 20:07

      Danke, fand ich auch. Bin mal gespannt, ob Johnson mit Benoit Blanc und Daniel Craig wirklich ein neuen coolen Detektiv hat, mit dem er einen zweiten Teil genau so gut machen kann. Er schreibt ja angeblich schon am Drehbuch

      • 8. Januar 2020 16:29

        Der Erfolg gibt ihm ja Recht und wichtiger als Daniel Craig ist da wirklich das Drehbuch. Der Wind steht ja grade ganz gut für solche Filme, die auf Krimispaß und nicht Action setzen, hatte ja 2018 (glaube ich) schon der Mord im Orient-Express gezeigt.

        • donpozuelo permalink*
          8. Januar 2020 21:11

          Ich würde es auch begrüßen… Knives Out ist ein toller Film. Da kann gerne mehr aus der Richtung kommen

  3. 12. Januar 2020 17:47

    Rian Johnson tut mir auch ein bisschen leid. Da kommt er in das SW-Universum und versucht was anders zu machen, weil ja eh immer alle sagen „Äh, wpfür brauchen wir die Trilogie, ist doch eh alles wie die Filme davor“ und dann jammern alle, weil er was anders macht … . Aber naja.Ich hatte jedenfalls große Lust auf Knives Out und mir hat er sehr gut gefallen. Aber findest du echt, dass der Film Daniel Craig gehört? Ich empfand, das „Marta“ viel mehr im Vordergrund stand und den Film dominiert, obwohl sie im Trailer ja regelrecht verschwiegen wurde.

    • donpozuelo permalink*
      13. Januar 2020 13:32

      Klar. Sie dominiert schon stark… und sie aus den Trailern zu halten, war schon sehr gut. Hätte sonst zu viel verraten. Dennoch fand ich Craig als Persönlichkeit einfach am stärksten… und Johnson will seinem Benoit Blanc ja noch eine Fortsetzung widmen.

  4. 14. Januar 2020 20:39

    Fand ihn auch gut (Review folgt noch), bin allerdings nicht ganz so begeistert. Den eigentlichen Krimiplot fand ich dann doch nicht sooo clever und ein paar der Figuren kamen zu kurz. Interessant fand ich aber, wie explizit hier die politische Ebene ist, die sich in den Figuren spiegelt.

    • donpozuelo permalink*
      16. Januar 2020 20:38

      Okay… das mit den Figuren kann ich nachvollziehen… und ich muss auch gestehen, dass ich mich frage, ob ich den Film beim zweiten Mal Gucken auch noch so gut finden würde. Aber so… beim ersten Mal hat er mir wirklich verdammt gut gefallen

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