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Singende Katzen im Mondschein

27. Dezember 2019

2019 ist fast vorbei… und ich muss sagen, Film-technisch gesehen, kann ich sehr zufrieden sein. Durch meinen langen Ausfall wegen dem Bandscheibenvorfall hatte ich schon Angst, ich würde keine guten Filme mehr zu Gesicht bekommen… doch die meisten tollen Filme kamen eh erst zum Ende des Jahres heraus, weswegen ich nicht wirklich viel verpasst habe. Ich habe mich also ganz gut gefühlt mit meiner Kino-Bilanz (die ich demnächst auch noch einmal – wie es sich gehört – ausführlicher niederschreiben werde)… doch wenn alles gut und schön verläuft, lauert irgendwo im Hintergrund noch etwas und wartet nur auf den passenden Moment. Fast ist das Jahr vorbei, aber nicht, bevor ich nicht noch den verstörendsten Film des Jahres zu Gesicht bekomme: die von Tom Hooper Verfilmung des Musicals „Cats“.

Die junge Katze Victoria (Francesca Hayward) wird ausgesetzt und landet bei den Jellicle Cats. Der Kater Mr. Mistoffelees (Laurie Davidson) freundet sich mit ihr an und nimmt sie mit… denn für die Katzen bricht eine besondere Nacht an. Die weise, alte Katze Old Deuteronomy (Judy Dench) fällt aus allen Katzen eine aus, die in himmlische Sphären aufsteigen und wiedergeboren wird. Um sich dafür zu qualifizieren, singen und tanzen verschiedene Katzen und Kater nun vor… und der fiese Kater Macavity (Idris Elba) versucht mit unlauteren Mitteln, die Konkurrenz aus dem Weg zu räumen.

Ich kenne das Musical „Cats“ selbst überhaupt nicht, deswegen war mir vorher auch nicht bewusst, dass das eigentlich mehr eine Nummern-Revue ist. Ich hatte mit einer „richtigen“ Story gerechnet, aber es ist halt wirklich nur „Katzen suchen den Superstar“. Eine Gesangsnummer geht schnell in die nächste über und das war’s. Allein das war mir persönlich schon zu viel… ich bin ja eh schon nicht der größte Musical-Fan, aber wenn, dann brauche ich auch gesprochene Worte in meinem Musical. Hier ist es ähnlich wie schon in Hoopers „Les Miserables“: Das gesprochene Wort ist nichtig. Alles muss gesungen werden. Aber gut… das ist ja alles noch okay, damit könnte ich ja irgendwie noch leben, wenn der Rest nicht so verwirrend-verstörend wäre.

Tom Hooper erschafft einen merkwürdigen visuellen Film, der unheimlich ist. Diese animierten anthropomorphen Katzenwesen waren schon mal eine Sache. Ich weiß nicht, was mich mehr verstört hat: Judy Dench als Katze im Körbchen, die lasziv das Bein in die Luft streckt, Ian McKellen, der Wasser aus einer Schale schleckt oder Tatsache, dass diese ganzen Katzen sehr merkwürdig sexualisiert waren. Irgendwie hätte ich mir mehr gewünscht, sie hätten aus dem ganzen Ding wirklich einen Animationsfilm gemacht und gut… das wirkt so entfremdet und vertraut zugleich.

Es ist für mich ein komisches Gefühl gewesen, dass ich nicht wirklich in Worte fassen kann. Auf der einen Seite wird wahnsinnig viel CGI dafür verwendet, um die ganzen Stars wie Katzen aussehen zu lassen, im nächsten Moment halten die aber „Abfall-Reste“ zum Fressen in der Hand, die ganz, ganz deutlich aussehen wie Plastik. Dazu kommt, dass die Sets manchmal wirken wie aus einem schlechten Schrumpf-Film-Set… und ich weiß nicht, ob das beabsichtigt war oder nicht, aber das wirkte so surreal, dass ich – in Verbindung mit den nicht weniger surrealen Katzen-Menschen – nicht wirklich damit klarkam.

Dazu kommt für mich leider auch, dass ich mit den Songs nichts anzufangen wusste. Abgesehen von „Memory“ kannte ich vorher keinen und wenn man mich jetzt fragen würde, könnte ich höchsten noch den „Macavity“-Song von Taylor Swift als etwas erwähnen, an das ich mich erinnern kann. Ansonsten blieb da bei mir nichts hängen. Selbst der Mix aus Ballett, Modern Dance und Ausdruckstanz war mir zu viel und zu wenig zugleich. Ich kann mir sowas durchaus gerne anschauen, aber in diesem Film hat das nichts zu bieten. Das wird von Hooper weder opulent noch feinfühlig dargestellt, sondern einfach langweilig. Da kommt nichts so richtig zur Geltung oder sticht heraus.

Ich glaube, „Cats“ hätte schon ein interessanter Film werden können, aber ist leider meilenweit davon entfernt. So ist es einfach nur ein verstörendes Film-Erlebnis, in dem namenhafte Stars verzweifelt versuchen, ihre innere Katze nach außen zu bringen. Und das fördert aber eher Fremdschämen zutage als alles andere (siehe den schleckenden Ian McKellen oder die sich räkelnde Judy Dench – um nur einige Beispiele zu nennen).

Wertung: 2 von 10 Punkten (das anstrengendste Kino-Erlebnis des Jahres… und das leider nicht im positiven Sinne)

13 Kommentare leave one →
  1. 2. Januar 2020 10:27

    Warum? Warum nur bist du da reingegangen?

    • donpozuelo permalink*
      2. Januar 2020 14:46

      😅😅😅 das war tatsächlich arbeitsbedingt… sonst hätte ich mir diesen Film auch wirklich nie freiwillig angeschaut 😅

      • 3. Januar 2020 09:53

        Dann würde ich an deiner Stelle mal über einen Jobwechsel nachdenken 😄

        • donpozuelo permalink*
          3. Januar 2020 10:15

          Ach naja… ich mag ja meinen Job. Außerdem musste ich so zumindest nichts für diese Katastrophe bezahlen 😅

  2. 6. Januar 2020 13:50

    Oh Gott, ich fand schon den Trailer so haarsträubend … dass die da alle mitgemacht haben!? Aber die wussten ja wahrscheinlich nicht was denen passiert als sie da mit ihren Motion Capture Anzügen rumgehüpft sind …

    • donpozuelo permalink*
      7. Januar 2020 07:29

      Ich weiß es nicht. Vielleicht hatten die auch einfach irgendwelche fiesen Verträge, aus denen sie nicht raus konnten. Aber dieser Film ist wirklich absurd…

  3. 7. Januar 2020 19:58

    War also eher für die Katz, scheint mir…

    • donpozuelo permalink*
      7. Januar 2020 20:06

      Oh ja, es war eine richtige Katerstrophe

      • 7. Januar 2020 20:11

        Hat wahrscheinlich eine ziemliche Katerstimmung verursacht… 😀

        • donpozuelo permalink*
          8. Januar 2020 07:36

          Das Katzenjammern war groß… 😅

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