Zum Inhalt springen

Möge der Imperator mit euch sein!

20. Dezember 2019

„Star Wars“ hat es echt nicht leicht. Egal, ob man nun ein Fan von Episode 8 ist oder nicht (und ich mag den Film wirklich), ist das doch der Punkt, an dem dieses Franchise unter Disney den Bach runterging. Das hat Millionen Gründe, die ich hier jetzt nicht alle diskutieren will. Aber ab diesem Punkt (so ist zumindest mein Gefühl) spaltete sich die Fan-Gemeinde mehr als je zuvor… und nun war die große Frage, wie würde das alles zu Ende gehen. Als erstes holte man sich den Regisseur von Episode 7 zurück – in der Hoffnung, J.J. Abrams könnte die Gunst der Fans wiedergewinnen. Als zweites verkündete man (durch ein fieses Lachen im ersten Teaser), dass ein längst Totgeglaubter wieder zum Vorschein kommen würde: Der Imperator, Sheev Palpatine, Darth Sidious himself… auch egal, dass er in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ gestorben ist. (Darth Maul war auch zweigeteilt und eigentlich tot, nur um es dann doch nicht zu sein – in Märchen ist eben alles möglich). Würde das reichen? Abrams und Palpatine zur Rettung, zum Glätten der Wogen? Ich war freudig gespannt auf „Star Wars 9: The Rise of Skywalker“ (aber ich hatte ja auch keine Probleme mit Star Wars)…

Mit Hilfe einer Art Sith-Kompass findet Kylo Ren (Adam Driver) den geheimen Ort, an dem sich niemand Geringeres als der Imperator (Ian McDermid) versteckt hält. Der verspricht Kylo ein neues Imperium, wenn er nur Rey (Daisy Ridley) zu ihm bringt. Rey weiß unterdes ebenfalls von der drohenden Gefahr und macht sich gemeinsam mit Poe (Oscar Isaac) und Finn (John Boyega) auf die Suche nach einem zweiten Sith-Kompass, um Palpatine entgegen zu treten.

„The Rise of Skywalker“ ist die wilde Achterbahn-Version von einem Star-Wars-Film – vor allem in der ersten Hälfte. Da geht es Schlag auf Schlag zur Sache. Zum Hinterfragen von Aktionen, zum Bestaunen von neuen Orten bleibt kaum Zeit. Die Jagd nach dem Sith-Artefakt wird in gehetzter, aber nicht uninteressanter „Indiana Jones“-Manier straff vorangetrieben. Was einige kritisieren, fand ich jetzt gar nicht so schlimm. Es ist nicht so, als würde man überhaupt nicht hinterherkommen – J.J. Abrams nimmt die Zügel straff in die Hand und treibt seine Story zügig voran. Was aber auch nötig ist, um in den knapp zweieinhalb Stunden DAS große Finale der Skywalker-Saga unterzubringen, um Zeit und Platz für Nostalgie und Charakter-Momente zu haben.

Und ich kann nur sagen, der gute J.J. schafft das perfekt. Auch wenn die Story mehr als zügig voranschreitet, weiß er gerade in der zweiten Hälfte, wann er auch mal einen Gang runterschalten kann. Wenn das passiert, haben wir richtige Gänsehaut-Momente. Daisy Ridleys Rey war nie aufregender inszeniert, aber es ist vor allem Adam Driver, der mit seinem extrem hin- und hergerissenen Kylo Ren, der hier allen die Show stiehlt. Letztendlich wird das hier mehr sein Film, als dass es der von Rey ist. Was aber vollkommen okay ist, ist seine Geschichte doch so eng an die von seiner vermeintlichen Kontrahentin geknüpft, dass auch Reys Entwicklung in diesem Film unglaublich stark ist.

Ich bin niemand, der sich die vorab erschienenen Leaks durchgelesen hat, deswegen wurde ich hier immer wieder positiv überrascht. Die Story schlägt zwar manchmal wilde Haken, aber Abrams verliert dabei nie das große Ganze aus den Augen und bringt seine Story gekonnt auf den Punkt. Er liefert uns ein packendes Finale und ein emotionales Ende, bei dem die Tränchen schon ein wenig geflossen sind.

Apropos Tränchen, die sind hier reichlich geflossen (das erste Mal in meiner Zeit als Star-Wars-Fan, weswegen dieser Film schon jetzt einen besonderen Platz in meinem Herzen hat). J.J. Abrams verknüpft gekonnt Nostalgie mit Neuem – schließt so auch wieder zum allerersten „Krieg der Sterne“ auf und zeigt, was aus dieser Reihe eigentlich hätte werden können.

Denn seien wir mal ehrlich, so ganz rund fühlt sich diese Trilogie nicht an. Rian Johnson stürzte sich auf Luke, vernachlässigte dabei viele Dinge aus Episode 7 und schafft es auch nicht, die drei wichtigen neuen Charaktere (Finn, Rey, Poe) stark auszubauen. Abrams ignoriert nun wiederum sehr viele Dinge, die Johnson aufgebaut hat und versucht, seine Vision dieser Trilogie nun in einen Film zu packen. Dadurch kommen die neuen Charaktere auch endlich mal ein bisschen mehr als Gruppe zur Geltung. Dafür leistet sich Abrams aber auch einige Seitenhiebe auf Johnson… und irgendwie wirkt das manchmal recht bockig. Lustig, aber bockig.

Was ziehe ich also aus diesem Film? Ich mag ihn wirklich sehr. Ich finde die Story ungemein spannend. Das Ganze ist ein toller Abenteuer-Film, der tolle Action zu bieten hat (die Lichtschwert-Kämpfe in diesem Film und die Weltraumschlacht sind phänomenal) und der sich würdevoll vor den alten Charakteren verneigt. Dennoch bleibt der bittere Nachgeschmack, dass das alles irgendwie besser hätte zusammenpassen können, wenn man eine gemeinsame Linie gefahren wäre. Somit ist jetzt schon klar wie Kloßbrühe, dass auch Episode 9 sein Publikum spalten wird. Gerade nach Episode 9 wünsche ich mir, auch wenn ich Episode 8 mag, noch mehr, dass man Abrams komplette Version hätte sehen können. Dann würde sich Episode 9 nicht anfühlen wie zwei Filme in einem.

Dennoch: „Rise of Skywalker“ ist ein packender, rasender, letzter Ritt mit dem X-Wing, der unglaublich viele Gänsehaut-Momente hat, eine aufregende Story und wahnsinnig spannende Charakter-Stories (gerade Rey und Kylo) liefert. Es ist ein würdiger Abschluss dieser etwas wilden neuen Trilogie, ein passender Abschluss für die neunteilige Skywalker-Saga und einfach ein tolles Star-Wars-Erlebnis.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Abrams schickt Skywalker würdig in den Ruhestand)

 

19 Kommentare leave one →
  1. 20. Dezember 2019 12:15

    Ganz so euphorisch bin ich nicht, aber ja, der war schon gut.

    • donpozuelo permalink*
      20. Dezember 2019 12:34

      😅😅😅 es hat mich einfach sehr emotional getroffen, das Ganze 🙈

  2. 21. Dezember 2019 19:36

    Wenn ich nur Zeit hätte…aber im neuen Jahr (wie sich das anhört :)) ) werde ich ihn ansehen 😀 Ich freu mich vorab ja immer. Mal sehen was das wird. Wenn nur nicht Isaac dabei wäre :))

    • donpozuelo permalink*
      22. Dezember 2019 10:54

      Was du nur gegen den armen Oscar hast 😅😅😅 ich bin aber gespannt, wie du ihn finden wirst.

  3. 29. Dezember 2019 10:39

    Ich hoffe nur inständig, dass die Skywalkers nun wirklich im Ruhestand sind. Eine kleine Hintertür zu neuen Filmen mit dieser Family and Friends Bande bleibt ja. Schmeißen wir den Schlüssel zu dieser Tür also am besten weeeeeeeeit weg…

    • donpozuelo permalink*
      29. Dezember 2019 20:01

      Ja, das hoffe ich jetzt auch. Es reicht aber nun auch wirklich. Die Nostalgie-Karte können sie nicht mehr spielen. Luke ist tot, Leia ist tot, Han ist tot… die alten Drei sind weg und damit ist auch Skywalker dahin, egal was nun mit Rey ist.

  4. 30. Dezember 2019 20:05

    Oha, ein sehr sehr hohe Wertung für meinen Geschmack. Für mich verliert er – im Gegensatz zu Episode 8 – immer mehr an Wirkung und Qualität, je länger der Kinobesuch her ist. Ich werde den Eindruck einfach nicht los, dass 20 bis 30 Minuten mehr diesen Film um ein Vielfaches besser gemacht hätten. Freut mich aber, dass du Vergnügen hattest 🙂

    • donpozuelo permalink*
      31. Dezember 2019 08:23

      Kann ich bei dir auch verstehen. Das Problem dieser Trilogie ist einfach, dass Anfang und Ende von einem Mann kommen und der Mittelteil von einem anderen. Man spürt förmlich, wie Abrams versucht in einem Film all das unterzubringen, was er sonst wahrscheinlich im achten Teil gebracht. Ich kann richtig sehen, wie diese Kylo Ren Szene am Anfang mit dem Imperator ein geiler Cliffhanger für Teil 8 hätte sein können

      • 31. Dezember 2019 12:13

        …und dass beide völlig unterschiedliche Herangehensweisen an Filme haben. Abrams ist der Mann für das breite Publikum, will irgendwie alle zufriedenstellen. Johnson ist der Autorenfilmer, will jedem Werk seinen ganz eigene Schrift aufdrücken. Ja, das hat diese Trilogie doch arg durcheinander geworfen. Aber ich behaupte, dass Abrams auch von Anfang an kein festes Ziel bzw. einen konkreten Plan hatte

        • donpozuelo permalink*
          31. Dezember 2019 13:12

          Keine Ahnung, was an der Behauptung dran ist. Ich habe ja immer wieder gelesen, dass er zumindest eine Outline für alles hatte… wir werden es irgendwann in seiner Autobiographie bestimmt erfahren 😅

  5. 5. Januar 2020 19:26

    Ganz so positiv wie du habe ich den Film nicht gesehen. Für mich steckt der doch irgendwie voller Widersprüche (vermutlich wegen der von dir angesprochen Bockigkeit seitens Abrams) – aber vermutlich ist es der beste Abschluss, den man sich erhoffen konnte für ein eh so schwieriges unterfangen. 🙂 Und das Finale fand ich auch ganz groß.

    • donpozuelo permalink*
      6. Januar 2020 07:47

      Kann ich verstehen. Die Widersprüche sind auch einfach nicht zu übersehen… was an Abrams und aber auch an Johnson liegt. Insgesamt einfach daran, dass diese Trilogie so durcheinander ist… aber ja, irgendwie hat JJ da noch ein gutes Ende hinbekommen.

Trackbacks

  1. Random Sunday #22: Star Wars Jedi: Fallen Order | Going To The Movies
  2. 2019 | Going To The Movies
  3. Die Baby Yoda Show | Going To The Movies
  4. Des Zauberers Lehrling | Going To The Movies
  5. Grogu: A Star Wars Story | Going To The Movies
  6. Life Day 2.0 | Going To The Movies
  7. Die Abenteuer von Sky-Guy und Snips | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: