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Per Daddy durch die Zeit?

11. Dezember 2019

Zeitreisen sind mittlerweile eigentlich ein ziemlich ausgelutschtes Thema. Jeder hat es in irgendeiner Form schon gemacht. Von der guten alten Zeitmaschine a la H.G. Wells über den klassischen Delorean bis hin zum Whirlpool. Um durch die Zeit zu reisen, braucht es mittlerweile nicht mehr viel. Weswegen es da schon schwieriger wird, dem Zuschauer einen Gefallen zu tun und mal etwas Neues auszuprobieren – oder zumindest altbekanntes etwas frischer und interessanter zu zeigen. Ist ja immerhin alles irgendwie ein alter Hut… und so war ich zuerst auch nicht sonderlich scharf darauf, diese neue Serie auf Prime namens „Undone“ anzufangen… doch als Serie mit halbstündigen Folgen eignet sich sowas immer perfekt als Frühstücksserie. So kam es dann, dass ich mich an die erste Folge wagte – und dem Ganzen sofort verfiel.

Alma Winograd-Diaz (Rosa Salazar) hat es nicht leicht: mit 3 Jahren verlor sie ihr Gehör (kann dank eines Implantats aber wieder hören). Ihre Großmutter hatte Schizophrenie, was ihr Vater Jacob (Bob Odenkirk) Zeit seines Lebens heilen wollte. Dafür wandte er ganz neue Methoden an… die ihm leider bald das Leben kosteten. Das zumindest gibt er seiner Tochter zu verstehen, als er ihr nach einem Unfall, der sie für kurze Zeit ins Koma schickte. Angeblich, so ihr Vater, hat er eine Methode gefunden, um durch die Zeit zu reisen und ist deswegen hier. Er will nun seine Tochter in dieser Methode unterrichten, damit sie herausfinden kann, was zu seinem Tod führte. Doch das ist alles leichter gesagt als getan.

„Undone“ ist toll erzählt. Unglaublich spannend und immer mit diesem quälenden Zweifel, ob Alma sich das nicht alles am Ende doch nur einbildet. Schizophrenie liegt immerhin in der Familie… und ihre Familie sieht ihr dabei zu, wie sie mit Personen spricht, die gar nicht da sind. Nur sie (und wir als Zuschauer) sehen ihren Vater… die Serie schickt uns gekonnt in eine Richtung, in der wir unbedingt daran glauben wollen, dass das alles wirklich passiert. Aber geschehen Almas Trips durch die Zeit wirklich oder liegt es nur an den Medikamenten? Hat ihr Unfall die Schizophrenie ausgelöst? Was ist wahr und was nicht… damit spielt „Undone“ so gekonnt, dass es mir fast schon wehtut zu hören, dass eine zweite Staffel kommen soll.

Versteht mich nicht falsch: „Undone“ ist wundervoll, aber als Mini-Serie reicht mir das Ganze komplett aus. Selbst das „Finale“ der Serie ist genauso herrlich ambivalent wie die Serie selbst. Am Ende liegt es an uns, dem Zuschauer, zu entscheiden, was wir in diesem Augenblick lieber wahrhaben wollen… doch sollte es wirklich zu einer zweiten Staffel kommen, wird uns diese Wahl genommen. Das finde ich irgendwie sehr schade… das nimmt dieser ersten Staffel einfach so viel von seiner Kraft, von dieser Schönheit, das Ganze noch ein zweites Mal gucken und noch mehr Hinweise finden zu können. Aber wer weiß… vielleicht kriegen sie es ja hin, dass in einer zweiten Staffel genau so gekonnt weiterzumachen.

Staffel 1 von „Undone“ ist auf jeden Fall toll. Toll erzählt, toll geschauspielert und auch toll anzuschauen. „Bojack Horseman“-Mastermind Raphael Bob-Waksberg hat sich gemeinsam mit Ko-Erschafferin Kate Purdy nämlich was ganz Tolles ausgedacht (so viel Tolles in einem Absatz – Wahnsinn!!!): „Undone“ ist mit Hilfe von Rotoskopie animiert. Echte Schauspieler werden im Nachhinein animiert – wie es schon Richard Linklater in „A Scanner Darkly“ gemacht hat. Dadurch wirkt alles sehr echt, aber die Macher haben die Möglichkeit, dank normaler Animation herrlich wildes Zeug zu erschaffen, wenn Alma durch die Zeit reist. Im Normalzustand hätte das eh alles irgendwie animiert werden müssen und hätte vielleicht nicht ansatzweise so gut ausgesehen… aber was hier in „Undone“ gemacht wird, ist optisch ein absoluter Hingucker.

Leider ist das so schon der zweite Auftritt von Rosa Salazar nach „Alita: Battle Angel“, in dem ich sie nur animiert verändert zu Gesicht bekomme. Eine tolle Schauspielerin, die hoffentlich nicht das Andy-Serkis-Problem bekommt, dass sie am Ende niemand erkennt, weil sie in jeder Rolle auf eine bestimmte Weise animiert wird.

„Undone“ ist eine tolle Serie – als Mini-Serie nahezu perfekt, als erste Staffel von mehr hängt da viel davon ab, wie sie es in der zweiten Staffel weitererzählen. Ich bin vorsichtig gespannt…

Wertung: 9 von 10 Punkten (ein Augenschmaus mit Köpfchen)

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  1. 2019 | Going To The Movies

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