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Mein Freund, der Serienkiller

13. November 2019

Ich war jetzt das erste Mal in einer Art Sneak Preview. Also es war keine richtige Sneak, sondern ein Film aus dem Midnight Programm, wo Freitagnacht Horror-Filme gezeigt werden (ich wusste ehrlich gesagt nicht einmal, dass es so etwas gibt). Für mich war es in diesem Fall aber trotzdem auch ein bisschen eine Sneak Preview, weil ich keinen blassen Schimmer hatte, was mich erwarten würde und ich mal wieder sehr jungfräulich ins Kino gehen konnte. Dieses Midnight Programm wurde mir zudem als etwas verkauft, wo es schön fiese Horror-Filme geben würde. Das stellte sich aber sehr schnell für meinen Besuch als herbe Fehleinschätzung heraus. Was ich zu sehen bekam, war in meiner Fantasie sehr aufregend, in der Realität aber ein stinkend langweiliger Film namens „Beast“.

Die 27-jährige Moll (Jessie Buckley) lebt auf einer kleinen englischen Insel mit ihrer Familie, mit der sie aber nicht so gut klar kommt. Zusätzlich zu den familiären Schwierigkeiten wird die Gemeinde von einem Serien-Mörder heimgesucht, der es auf junge Mädchen abgesehen hat. Just in diesem Augenblick lernt Moll den jungen Pascal Renouf (Johnny Flynn) kennen… und dessen Vergangenheit wirft einige Fragen auf. Könnte Pascal Renouf vielleicht der Killer sein? Anfangs will die verliebte Moll davon nichts hören…

„Beast“ ist ein Film, der definitiv kein Horror-Film ist. Eher ein Thriller. Was an sich ja nicht schlimm ist, wenn es wenigstens ein guter Thriller gewesen wäre. Der Film plätschert gemächlich vor sich hin, ohne auch nur einmal irgendwie eine Art Spannung aufzubauen. Die Charaktere sind allesamt langweilig und öde, wodurch dann auch die Story nie wirklich packend wird. Man hat das Gefühl, da wird einfach immer alles brav abgearbeitet, was man irgendwo mal gesehen hat… nur das es hier ohne Sinn und Verstand gemacht wird. Besonders albern ist da eine Szene, in der Moll von der Polizei in einer Schule verhört wird… irgendwann geht der Strom aus und man erwartet irgendwie Pascal Renouf mit einer Flinte zu sehen, der seine Geliebte befreit. Aber nein, es passiert einfach nichts und alles geht irgendwie weiter.

Jessie Buckley ist noch am besten in diesem Film, versucht sie doch wirklich alle Lebenskrisen von Moll rüberzubringen. Sie spielt sich die Seele aus dem Leib, schreit, leidet und freut sich, aber sie wirkt trotzdem fehl am Platz… denn sie hat niemanden, der sie bei ihrem Schauspiel unterstützt. Discount-PewDiePie Johnny Flynn hat den schlecht geschriebensten Charakter, der mir seit langem untergekommen ist. Er MUSS ständig seinen vollen Namen nennen (warum auch immer), er redet ständig von seinem Business (dabei ist er nur Handwerker) und der Film versucht verzweifelt, ihn geheimnisvoll wirken zu lassen. Was leider nicht funktioniert. Die vermeintliche Beziehung der Beiden kommt auch so überhaupt nicht rüber, weil sich da einfach nichts entwickelt… es passiert halt einfach, weil das Drehbuch es jetzt so braucht.

So plätschert die Story von „Beast“ so langsam vor sich her und zieht sich wie ein Kaugummi… und verspielt dabei so viele tolle Möglichkeiten, die mein Kumpel und ich während des Guckens heiß diskutierten. Möglichkeit Nummer 1… nicht Jack Renouf, der geschäftigte Business-Mensch, ist der Killer, sondern Moll selbst. Es hätte so Sinn ergeben können. Sie hat in ihrer Vergangenheit schon mal ein Mädchen angegriffen und zwischendurch hat sie auch so komische Träume, die so wirken als würde sie unterbewusst die Morde durchleben. Möglichkeit Nummer 2 basiert auf der merkwürdigsten Szene des Films: Moll entdeckt ein dickes, schwarzes Haar an ihrem Hals. Mein Kumpel meinte sofort, sie wäre ein Werwolf… und ab dem Zeitpunkt haben wir nur darauf gewartet, dass das Titel gebende „Beast“ zum Vorschein kommt. Doch Moll war auch kein Werwolf… und so gab es keine glorreiche Auflösung am Ende des Films, keine Überraschungen.

„Beast“ ist einfach nur ein langweiliger Thriller, bei dem nie, wirklich nie Spannung aufkommt. „Beast“ ist ein Film, der keine starken Charaktere liefert (auch wenn sich, wie schon erwähnt, Jessie Buckley alle Mühe gibt). „Beast“ ist kein Biest von einem Film, sondern nur eine kleine Maus, die verzweifelt ein Löwe wäre.

Wertung: 3 von 10 Punkten (nette Bilder, mehr auch nicht…)

3 Kommentare leave one →
  1. 24. November 2019 12:51

    Ganz schön biestig die Kritik. 😉

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