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Filmreise Etappe #10: Der denkende Ozean

8. November 2019

Ich habe das erste große Etappen-Ziel dieser Filmreise Challenge erreicht. Mit diesem zehnten Film schließe ich damit die Kategorie Weltreise ab. Für diesen letzten Film habe ich mir etwas ausgesucht, was ich schon lange einmal sehen wollte… die Verfilmung eines Science-Fictions-Romans, den ich schon sehr früh sehr zu schätzen gelernt habe. Ich habe an Stanislaw Lem immer bewundert, dass er sehr das Science in Science Fiction in den Vordergrund gestellt hat. Und sein Meisterwerk ist und bleibt natürlich „Solaris“. Vor Ewigkeiten hatte ich mal die Steven-Soderbergh-Version mit George Clooney gesehen, die ich als recht in Ordnung in Erinnerung habe (aber dringend mal nachholen muss). Um Etappe 10 mit einem osteuropäischen Film zu erfüllen, habe ich mir den Klassiker „Solaris“ von Andrei Tarkowski aus dem Jahr 1972 geschnappt.

Der Psychologe Kris Kelvin (Donatas Banionis) wird auf eine Raumstation geschickt, die um den Planeten Solaris kreist. Dieser wird schon seit Jahrzehnten untersucht… vor allem der Ozean des Planeten interessiert die Wissenschaftler. Als Kelvin jedoch auf der Station ankommt, herrscht dort Chaos. Einer der Wissenschaftler hat sich umgebracht, während sich die anderen beiden sehr merkwürdig verhalten. Bald schon erfährt Kelvin, warum das der Fall ist… denn ihm erscheint plötzlich seine Frau Hari (Natalja Bondartschuk), die eigentlich schon lange tot ist. Und Kelvin ist nicht der Einzige, der Besuch erhält – Besuch, der offensichtlich dank Solaris auf der Station erscheint.

Keine Sorge, ein „Random Sunday“ zu Stanislaw Lems „Solaris“ ist schon geschrieben – lange vor dieser Sichtung. Ich kam nur noch nicht dazu, den Artikel zu veröffentlichen, das nur am Rande.

Ich habe ja immer ein bisschen Angst, wenn ich während des Guckens feststelle, dass ich einen hochgelobten Klassiker so überhaupt nicht gut finde. Dieses Gefühl beschlich mich bei „Solaris“ dann auch noch verdammt früh. Die ersten 45 (!) Minuten spielen noch komplett auf der Erde und geben uns eine leichte Einweisung in die Solaristik (was im Buch immer wieder gemacht wird). Das ist noch ganz nett, aber wird teilweise auf sehr sterile Art und Weise erzählt. Wir sehen immer wieder nur Leute, die was erzählen – bebildert wird da leider kaum etwas. Stattdessen kommt dann auf einmal – aus dem Nichts – eine ewig lange Autofahrt, bevor wir dann mit Kelvin zum Planeten Solaris auftauchen. Ab da wird es dann ein wenig interessanter, immerhin ist das Set-Design sehr schön…

… aber mehr hat mich dann auch nicht ergriffen. Der Film nimmt sich zwar der Themen des Buches gut an, das steht außer Frage. Aber rein inszenatorisch verlässt sich Tarkowski nur auf das gesprochene Wort. Mir ist natürlich durchaus bewusst, dass dieser Film keine Action abliefert kann, soll und muss. Ich habe das Buch mehrfach gelesen, aber das ist vielleicht auch genau der Punkt. Der Film fühlt sich weniger wie ein Film an, sondern mehr wie ein Vortrag… immer wieder reden die Charaktere einfach nur mit einander. Es wird philosophisch (genau wie im Buch) danach gefragt, was den menschlichen Verstand, was sein Bewusstsein ausmacht. Wie kann es sein, dass dieser Planet, dieser Ozean Dinge zum Vorschein kommen lässt? Und warum blickt er so in die Bewohner der Station hinein und zeigt ihnen ausgerechnet diese bestimmten Dinge? Je mehr die Wissenschaftler versuchen, die Dinge zu begreifen, desto weniger erfahren sie. Das ist alles toll gemacht und spiegelt auch den Geist des Buches wieder… aber rein als Film war mir „Solaris“ dann doch zu unspektakulär.

Tut mir Leid, wenn ich das jetzt so sage… und ich weiß, „Solaris“ ist kein einfaches Buch für einen Film, aber mich hat der Film leider einfach nicht begeistern können. Ich muss mir echt nochmal die Soderbergh-Version anschauen, ob die da was anders macht.

Ich habe mich bei diesem Film auch einfach nie mit in Kelvin reinversetzen können. Die ganze Geschichte mit ihm und Hari wirkte einfach sehr steif, bei einer Laufzeit von knapp drei Stunden bleibt mir Banionis‘ Darstellung zu leblos, als das mich etwas mit dieser Figur verbinden könnte.

Mir blutet ja wirklich das Herz… gerade bei Klassikern. Aber in diesem Fall muss ich doch sagen, dass ich lieber beim Buch bleibe.

Wertung: 4 von 10 Punkten (leider so gar nicht mein Fall…)

3 Kommentare leave one →
  1. 6. Dezember 2019 18:07

    Schade, dass er dich nicht so überzeugen konnte. Mir hat er recht gut gefallen, wenn ich auch den Anfang etwas langsam empfand und das Ende erschien mir zu abrubt, wenn ich mich richtig erinnre. Ich glaube ich habe sogar irgendwann mal im Blog den Film, den vom Soderbergh und das Buch verglichen und irgendwie war für mich alles auf einer Ebene, das Buch wahrscheinlich einen Tick besser. Plus … bei uns in der Stadt wurde es als Theaterstück aufgeführt. Das war sehr cool.

    • donpozuelo permalink*
      7. Dezember 2019 07:42

      Uh… als Theaterstück kann ich mir das tatsächlich gut vorstellen. Der Vollständigkeit halber muss ich mir den Soderbergh auch noch anschauen

Trackbacks

  1. Filmreise Etappe #11: Der rasende General | Going To The Movies

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