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Zwischen Himmel und Erde

4. November 2019

Wow… dieses Jahr ist kinotechnisch ein ganz besonderes Jahr für mich. Ohne es so wirklich zu wollen, bin ich doch tatsächlich in meinem zweiten deutschen Kinofilm gelandet. Ich glaube, meine Erfahrung mit „Systemsprenger“ hat mich ein wenig mutiger werden lassen. Weswegen ich dann irgendwie meinem besten Kumpel zugesagt hatte, mit ihm einen weiteren deutschen Film im Kino zu gucken (plus, er hatte Freikarten für den Film, sprich: Keine großen Zusatzkosten. Einem geschenkten Gaul schaut man nun mal nicht ins Maul). So landeten wir dann in „Dem Horizont so nah“ (nicht zu verwechseln mit „Dem Himmel so nah“ mit Keanu Reeves – der hat hier leider definitiv gefehlt).

Die 18-jährige Jessica (Luna Wedler) verliebt sich in das Model Danny (Jannik Schümann). Der geheimnisvolle Schönling verdreht Jessica vollkommen den Kopf und sie stürzen sich in ihre Liebe. Doch das Problem ist nicht etwa Dannys Mitbewohnerin Tina (Luise Befort), die ein sehr inniges zu Danny zu haben scheint. Was die Liebe zwischen Jessica und Danny auf die Probe stellt, ist Dannys tragische Vergangenheit – und die Tatsache, dass er nicht mehr lange zu leben hat, denn Danny ist HIV positiv.

„Dem Horizont so nah“ basiert auf wahren Begebenheiten. Jessica Koch hat all das wirklich erlebt und nun wurde es als Film interpretiert. Dass das alles auf Tatsachen beruht, muss man sich während des Films immer und immer wieder einreden, denn ansonsten denkt man, die übertreiben hier maßlos – der Tragik wegen. Es mag vielleicht vermessen wirken, so etwas gerade in Bezug auf ein Buch zu sagen, das wahre Ereignisse wiedergibt. Aber für „Dem Horizont so nah“ wäre definitiv – nein, das muss in Capslock: DEFINITIV – weniger mehr gewesen. Der Film fühlt sich an, als würde man Drama über Drama häufen: Danny wurde als Kind von seinem eigenen Vater missbraucht, hat dadurch HIV und wird schon bald sterben müssen. Seine Mitbewohnerin Tina hat ein ähnliches Schicksal erlitten – bei ihr kommt nur noch dazu, dass sie drogenabhängig ist. Allein der Tina-Storystrang kommt im Film gar nicht so richtig zur Geltung. Eigentlich ist sie nur dafür da, um ein bisschen für „Stunk“ in der Liebe zu sorgen.

Der Film kratzt die wirklich krassen Themen gefühlt nur deswegen an, damit das hier nicht einfach nur eine „normale“ Liebesgeschichte ist. Wirklich tiefgründig wird das Ganze leider nie – überfrachtet seinen Zuschauer nur mit jeder weiteren Szene mit mehr Drama. Eine richtige Entwicklung in der Geschichte kommt nie zustande. Es ist einfach zu viel und wird immer höher gestapelt. In Buch-Form ist das sicherlich gut gemacht, in Film-Form ist das einfach nicht möglich.

Außerdem hat der Film für mich das Problem, dass er einfach keine richtige Emotionalität aufbauen. Das liegt an dem unmöglichsten Stilmittel des Films: Wenn es zu einer emotionalen Szene kommt, dann wird aus all dem plötzlich einfach nur ein Musikvideo. Nach dem Motto. „Man füge Random Pop-Song Nr. 357 ein, lasse ein paar schöne Bilder dabei laufen und schon haben wir etwas Emotionales erschaffen.“ Ich weiß nicht… ein paar Reihen hinter uns saß zwar jemand, der Rotz und Wasser geheult hat, aber mich hat das irgendwann einfach nur genervt. Ich bin ja ein „Fan“ trauriger-romantischer Filme, aber „Dem Horizont so nah“ hat sich da nicht wirklich Mühe gegeben… und das auch schauspielerisch.

Luna Wedler ist da noch diejenige, die man lobend erwähnen muss. Die spielt sich wirklich die Seele aus dem Leid und leidet, liebt und hofft intensiv und überzeugend. Sie hat nur das Problem, dass Jannik Schümann nur schön ist. Mehr macht er in diesem Film nicht. Er hat einen Blick drauf („Zoolander“ lässt grüßen)… und wenn er ganz angestrengt versucht zu schauspielern, wirkt er dennoch sehr steif. Ich weiß auch nicht, er hat mich mehr an eine schlechte Version von Robert Pattinson aus „Twilight“ erinnert. Ich glaube, wenn Wedler einen stärkeren Partner gehabt hätte, hätte das viele der Drehbuch-Fehler aufwerten können.

Deutscher Kino-Film Nr. 2 dieses Jahr war nicht so der Hit. Es ist Durchschnittsware, die ihrer eigenen Geschichte (die wirklich heftig ist) nicht gerecht werden kann.

Wertung: 4 von 10 Punkten (gute Hauptdarstellerin, die sich gegen ein liebloses Drehbuch zu wehren versucht)

One Comment leave one →
  1. 24. November 2019 19:51

    Oha, sehr schade, dass dein zweiter deutscher Film dieses Jahr so furchtbar war ^^‘ Gibst du dem deutschen Film nochmal eine Chance??
    Ich muss ja gestehen, dass ich irgendwann vor ein paar Wochen im Kino den Trailer zu dem da gesehen habe und mir nur dachte „Boah. Schon alleine im Trailer soviel Drama und soviel verraten, das kann ja nix werden“ …. der war schon schlimm…

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