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Versteckspiele im Gras

23. Oktober 2019

Ich kann einfach nicht anders. Wenn irgendwo Stephen King drauf steht, ist meine Neugierde geweckt. Das trifft mittlerweile allerdings nicht mehr auf seine Romane zu. Die lasse ich doch links liegen. Spätestens nachdem ich mich durch „Revival“ gequält habe – ein Buch, das perfekt als Kurzgeschichte funktioniert hätte, aber von King „meisterlich“ auf 400 Seiten gestreckt wurde. Früher mochte ich King sehr, die alten Sachen von ihm habe ich geradezu verschlungen, aber irgendwann war dann auch Schluss. Trotzdem… wenn es irgendwo heißt, ein Film, basierend auf seiner Geschichte, erscheint, werde ich neugierig. Denn dafür passt es noch, verfilmen kann man seine Sachen schon (und ich hoffe immer noch auf eine Film-Version von „The Long Walk“). Als ich hörte, dass es sich bei dem Netflix-Film „In The Tall Grass“ um eine Verfilmung einer Novelle von King und seinem Sohn Joe Hill handelte, war ich sehr neugierig.

Die Geschwister Becky (Laysla De Oliveira) und Cal (Avery Whitted) sind auf dem Weg nach San Diego, damit die schwangere Becky dort alles vorbereiten kann, um ihr Baby zur Adoption frei zu geben. Mitten in einem riesigen Feld aus hohem Gras, direkt neben einer unheimlichen (!), verlassenen (!!) Kirche, auf deren Parkplatz mehrere alte, verlassene Autos (!!!) stehen, halten die Beiden an… und hören die Stimme des Jungen Tobin (Will Buie Jr.), der verzweifelt nach Hilfe schreit. Natürlich sprinten die Geschwister sofort hinterher und verirren sich in dem hohen Gras. Ein paar Wochen später sucht Travis (Harrison Gilbertson), der Vater von Beckys Baby, nach ihr… stolpert ebenfalls ins hohe Gras, findet die Leiche von Becky, aber wenig später auch Tobin und Becky, die immer noch lebt.

Ich mag Joe Hill im Moment mehr als seinen Vater. Joe Hills Roman „Horns“ hat mich damals sogar ein wenig zu Tränen gerührt (was die Verfilmung mit Daniel Radcliffe leider nicht geschafft hat). Seine Comic-Reihe „Locky and Key“ empfehle ich nach wie vor gerne. Von daher war ich sehr gespannt auf die Verfilmung von „In The Tall Grass“… ein Film, der immerhin auch von „Cube“ und „Splice“-Regisseur Vincenzo Natali inszeniert wurde.

Leider wird aus „In The Tall Grass“ nicht so wirklich was… der Film ist zu Beginn noch ganz spannend inszeniert. Die Klaustrophobie des Herumirrens in dem riesigen Feld aus „Gras“ fängt Natalis Kamera-Mann Craig Wrobleski ziemlich gekonnt ein. In gewisser Weise ist dieser Film ein Kammerspiel im Freien. Obwohl es so viel Platz gibt, engt das hohe Gras einfach alle ein. Auch die Tatsache, dass sich die dort Gefangenen offensichtlich in eine Art Zeitschleife befinden, ist irgendwie ganz spannend. Wrobleski und Natali finden tolle Bilder dafür und es gelingt ihnen auch wirklich gut, die Panik der Menschen im Gras einzufangen.

Das Problem ist nur, dass das King’sche Duo der Geschichte selbst nicht sonderlich viel beisteuern. Man hat das Gefühl, die hatten dieses Bild von Menschen in einem Feld vor Augen, wussten aber nicht, wie sie es auflösen sollen. Was man dann im Film besonders merkt… irgendwann laufen die Darsteller (unter ihnen überraschenderweise auch Patrick Wilson) einfach nur noch planlos durchs Gras, stoßen irgendwann natürlich auf etwas Mysteriöses im Feld (angeblich der perfekte Mittelpunkt der USA… und wieder sehr angehaucht von Kings Lieblingsthema: den Ureinwohnern Amerikas – mehr sage ich dazu nicht) und das war’s. Irgendeiner dreht dann wieder durch und jagt alle anderen. Und so guckt man dann einfach nur zwei Stunden Leuten dabei zu, die sich anschreien und durchs Gras rennen. Da helfen auch die anfangs noch tollen Bilder nicht, das wird dann einfach nur sehr, sehr langweilig.

Als Kurzgeschichte mag die Prämisse vielleicht noch funktionieren, aber der Film selbst liefert einfach viel zu wenig, um einen zufriedenzustellen.

Wertung: 4 von 10 Punkten (es ist halt nicht jede King-Verfilmung gleich ein „It: Chapter 1“)

4 Kommentare leave one →
  1. 23. Oktober 2019 21:19

    Schade, wollte ich reinsehen, weil es sich interessant anhörte.

    • donpozuelo permalink*
      23. Oktober 2019 22:17

      Das fand ich ja auch. Aber letztendlich konnte das fertige Produkt leider nicht überzeugen. Ich bin mal auf diesen „Eli“ gespannt. Der soll ja angeblich ganz gut sein…

  2. 16. November 2019 19:38

    Da fällt mir doch ein, dass ich den um Halloween rum sehen wollte … und scheinbar dann vergessen habe. Scheint aber auch nicht schlimm zu sein ^^‘ Bei deinen Ausrufezeichen in der Einleitung (von ! bis !!!) hatte ich schon so eine Ahnung, dass der Film wohl nicht gut war. XD irgendwo habe ich gelesen, dass es die Verfilmung der gruseligsten Stephen King Geschichte und der am wahrscheinlich schwierigsten umzusetzenden ist – na … ?
    Sehr schade jedenfalls, dass das nix geworden ist. Oder zumindest nix richtig gutes.
    Mit den Romanen geht es mir übrigens scheinbar ähnlich wie dir – ich komm da irgendwie nicht mehr so richtig ran. Vielleicht wächst man da raus?
    Nur seine Dunkler-Turm-Reihe gebe ich mir um die Lücke zu schließen, aber die große Liebe ist es bisher nicht.

    • donpozuelo permalink*
      17. November 2019 08:57

      Die Dark Tower Reihe wollte ich auch irgendwann mal zu Ende lesen. Aber so richtig reizt es mich jetzt auch nicht.

      Dass „In The Tall Grass“ wirklich die gruseligste aller King-Geschichten ist, kann ich mir nach diesem Film kaum vorstellen 😅

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