Zum Inhalt springen

Filmreise Etappe #7: Dämon der Wüste

18. Oktober 2019

Eigentlich wollte ich euch als siebten Teil der Weltreise „Beasts of No Nation“ unterjubeln. Aber mir war die ganze Zeit nicht wohl dabei. Der Film wurde zwar in Ghana gedreht, hauptsächlich auch mit Darstellern aus Ghana, aber Regisseur und Drehbuchautor bleibt nun mal der Amerikaner Cary Fukunaga. Wie es der Zufall so wollte, war ich vor kurzem bei Saturn und da stand eine Special Edition rum, deren Cover meine Aufmerksamkeit erregte. Wie sich dann schnell herausstellte, war der Film „Dust Devil“ genau das, was ich für Etappe 7 brauchte. Regisseur Richard Stanley stammt aus Südafrika, gedreht hat er seinen Film in Namibia. Ein perfekter Kandidat… und eine interessante Abwechslung. Nachdem ich letzte Woche ja mit „Die Götter müssen verrückt sein“ eher die komische Schiene eingeschlagen hatte, gibt’s jetzt einen Horror-Thriller.

Ein Schamane namens Joe Niemand (John Matshikiza) erzählt uns die Legende der Dust Devils. Die kleinen Wirbelstürme in der Wüste sind nicht einfach nur Windbewegungen… es ist ein Dämon (Robert John Burke), immer in Bewegung, immer mordend, immer einem Ritual folgend, um auf der Erde bleiben zu können. Der Polizist Ben (Zakes Mokae) wird dabei auf diesen Mörder aufmerksam, dessen brutale Morde sich durch das Land ziehen. Ben bleibt nicht viel Zeit, bevor der namenlose Dämon sein nächstes Ziel gefunden hat: Die junge Wendy (Chelsea Field)…

Ich hatte noch nie was von dem Film „Dust Devil“ und auch noch nie von Regisseur Richard Stanley gehört. Deswegen war dieser Film ein Schuss ins Blaue. Doch ich kann mich Freude verkünden, dass die Kugel ihr Ziel nicht verfehlt hat. „Dust Devil“ ist wirklich ein sehenswerter Film… der Thriller, Horror, Mystik und Western miteinander verknüpft.

Der Western-Teil verleiht dem Ganzen einen sehr coolen Look. Unser namenloser Dämon rennt mit langem Mantel und Hut durch die Gegend und erinnert mit seiner stummen Art auch gerne mal an einen Clint Eastwood. Die Städte, durch die er wandert, die Wüsten, die er durchläuft, die Städte, die von der Wüste verschluckt wurden – all das liefert eine aufregende Kulisse für „Dust Devil“. Die riesigen Weiten der namibischen Wüste wirken bedrückend und faszinierend zugleich.

Der Mystik-Teil ist stark mit dem Horror verbunden… obwohl sich der Horror auch eher in Grenzen hält. Richard Stanley verarbeitet gekonnt, afrikanische Legenden in seiner Story. Sein Serienkiller kritzelt merkwürdige Malereien aus Blut an die Wände seiner Opfer. Das Ganze hat ein bisschen was von „Seven“ – nur eben in der Wüste und etwas mystischer. Richtig gruselig wird das alles jedoch nicht. Dafür wirkt dann die Dämonen-Maske, die man am Ende mal kurz zu sehen bekommt, nicht wirklich… und Stanley sich mit viel Blut und Gemetzel aus zurückhält. Es wird auch mal ein wenig eklig, aber es ist zu ertragen.

Der Thriller-Teil spielt da viel mehr mit rein. Auch wenn die Ermittlungen von Polizist Ben nicht gerade gut vom Skript ausgearbeitet sind, ist die Jagd auf den Serienmörder / Dämon schon sehr spannend gemacht.

Ich kann es schwer in Worte fassen, aber dieser Film hat mich gepackt. Er war gut inszeniert. Stanley nutzt seine Kulisse gekonnt aus, um seiner Story einen ganz besonderen Touch zu verleihen. Manchmal versucht er sich mit etwas trippigen Bildern, was ihm auch gut gelingt. Ich würde fast soweit gehen, dass ich mir mehr davon gewünscht hätte. „Dust Devil“ hätte das Mystische noch mehr umarmen und ausleben sollen. So ist es halt wirklich ein Thriller über einen Serienkiller, der dann am Ende zufälligerweise auch noch ein Dämon ist. Aber wie gesagt, die Bilder sind einfach beeindruckend. Ob nun die schon angesprochenen versunkenen Städte (die einen perfekten Platz für das Finale liefern) oder eine verzweifelte Wendy allein in der Wüste… „Dust Devil“ hat einen Look, der fasziniert und eine Story, die mit etwas mehr Finesse noch viel stärker hätte sein können.

Ich bin nach diesem Film auf jeden Fall auf Stanleys neuestes Projekt sehr, sehr gespannt. Er hat – mit Nic Cage in der Hauptrolle (!!!!) – H.P. Lovecrafts „Color Out Of Space“ verfilmt.

Wertung: 7 von 10 Punkten (starker kleiner Film, den ich wirklich nur weiter empfehlen kann)

6 Kommentare leave one →
  1. 18. Oktober 2019 08:05

    Ja, wirklich ein sehr ungewöhnlicher Film. Habe den vor etlichen Jahren entdeckt und danach zweimal gesehen. Die Stimmung ist sehr dicht und trotz seiner manchmal etwas trashigen Anmutung wirkt er ernsthaft. Mochte ich auch.

    • donpozuelo permalink*
      18. Oktober 2019 08:27

      Danke. Sehr schön zusammengefasst. Ich war echt erstaunt, wie sehr mich der Film am Ende begeistert hat. Es ist aber auch einfach dieser coole, dreckige Look. Der macht für mich da viel aus.

  2. 18. Oktober 2019 12:04

    Klingt cool.

    • donpozuelo permalink*
      18. Oktober 2019 12:09

      Ist tatsächlich auch ziemlich cool. 😅

  3. 16. November 2019 19:41

    oh gott … der Trailer zu Color Out Of Space sah ja nicht so schlecht aus, aber nur wenn man den Ton ausmacht. Wenn Nic cage dort sagt, er habe noch nie so eine Farbe gesehen (Lila!!??!!) dann ist das einfach zu komisch XD Hat zwar jetzt nix mit dem Film da oben zutun, aber das fiel mir gerade ein wo du es erwähnst. Es scheint auch eine deutsche Verfilmung des Stoffs zu geben, die schlicht „Die Farbe“ heißt, die soll wohl ganz gut sein.

    • donpozuelo permalink*
      17. November 2019 08:59

      Oh echt? Muss ich mal recherchieren. Und ja… durch Cage könnte das Ganze eine unfreiwillige Komik bekommen. Ich hoffe, dass sie das aber irgendwie umschiffen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: