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Rambo allein zu Haus

7. Oktober 2019

Sylvester Stallone kann es auch nicht bleiben lassen. Der Mann ist 73 Jahre alt und muss immer noch zeigen, dass er ein wahrer Action-Star ist. Dabei hatte er doch in den „Creed“-Filmen seine ruhige Seite gezeigt und das mit enormem Erfolg. Offensichtlich ist ruhig für Sly Stallone zu ruhig… weswegen er nach Rocky nun auch seinen guten alten Freund John Rambo wiederbeleben musste. Ich habe mir, da großer Fan der Reihe, „Rambo 5: Last Blood“ angeschaut – ich konnte einfach nicht anders. Doch während des Films konnte ich mich lange nicht entscheiden, was ich von diesem Machwerk halten soll… es wurde ein Zwiegespräch wie zwischen Engelchen und Teufelchen, weswegen ich die jetzt einfach mal diese Review schreiben lasse.

Engelchen

Meine Güte, was für eine Rambo-Katastrophe!!! Was für eine filmische Katastrophe!!! „Rambo 5“ hat nicht mehr wirklich viel mit dem Rambo gemeinsam, den uns Stallone damals in „First Blood“ vorstellte. Das war damals ein Rambo, der es im Stealth-Modus mit einer ganzen Armee aufnehmen konnte. Dieser Rambo ist zu blöd, um heimlich still und leise durch ein paar Straßen in Mexiko zu laufen. Aber das ist noch nicht das Dümmste an diesem Film. Das Dümmste ist der verzweifelte Versuch, die erste Hälfte des Films in ein Charakter-Drama mit „96 Hours – Taken“-Allüren zu kreiieren.

Wer ist diese Gabrielle (Yvette Montreal), die ein John Rambo plöltzlich wie seine Tochter betrachtet? Der Film verschwendet gefühlt fünf Minuten damit (nur weil die beiden ein wenig zusammen ausreiten, macht sie das zu einer Familie??? Alles klar). Und dann latscht die nach Mexiko, weil sie ihren Arschloch-Vater finden will und wird dabei von einem Menschenhändler-Ring geschnappt. Man hätte ja wirklich hoffen können, dass „Rambo 5“ wieder ein bisschen Tiefe in die Reihe bringt, aber das ist es definitiv nicht. Alles an diesem Drehbuch fühlt sich einfach nur nach Fremdschämen an. Der Vater von Gabrielle ist überflüssig, obwohl man mehr aus ihm hätte machen können. Die vermeintliche investigative Journalistin (Paz Vega) ist auch nur so ein Plot-Device, damit irgendjemand Rambo aufpäppelt, nachdem er wegen seiner Dummheit vom Kartell verprügelt wird. Die Frau ist einfach nur mal kurz da und dann wieder weg. Somit haben wir schon mal zwei Charaktere, aus denen man hätte mehr machen können, aber dann wäre „Rambo 5“ schon kein Action-Film mehr, sondern ein ernst zu nehmender Film. Gott bewahre… das wollen wir natürlich nicht.

Alles an „Rambo 5“ bis etwa zu den letzten 20 Minuten des Films ist einfach nur idiotisch. Wenn Gabrielle halb tot von Rambo gerettet wird, nuschelt sich Sylvester Stallone verzweifelt 5 Minuten einen Monolog zusammen, bei dem ich echt Untertitel gebraucht hätte. Aber Stallone wirkt eh sehr, sehr alt in diesem Film… fast so, als würde er selbst gar nicht mehr so wirklich das Messer schwingen wollen.

Doch das macht er dann am Ende noch, metzelt sich 20 Minuten in größter Gewalt durch eine Übermacht von Söldnern… und erlebt zumindest den Hauch dessen, was er einst mal war.

Teufelchen

Nach „First Blood“ machte John Rambo eine Wendung. Vom Drama über einen psychisch gestörten Vietnam-Veteran ging man über zu sinnlosen Action-Filmen, die strikt einer Formel folgten: Wir zeigen euch, wie unglaublich böse diese Bösen wirklich sind – einfach nur damit ihr eine amüsante Befriedigung darin findet, wenn diese Bösen auf brutalste Art und Weise von einem einzigen, schweigenden Helden abgemetzelt werden. „Rambo 5“ macht da keinen großen Unterschied. Zugegeben, die Story ist in der ersten Hälfte wirklich zum Einschlafen langweilig, aber hey… wer tiefgründige Stories will, geht nicht in einen Film namens „Rambo 5 – Last Blood“.

Der Film rastet am Ende – ganz ähnlich wie schon „Rambo 4“ – ordentlich aus und liefert ein Gemetzel, bei dem man einfach nur lachen kann. Es ist so absurd und man darf nicht drüber nachdenken. Hirn aus und sich totlachen, über diesen absoluten Quark, den Leute da machen. Das Einzige, was ich mir tatsächlich am Ende aber doch gewünscht hätte, wäre ein ordentliches Finale zwischen dem Kartell-Boss und Rambo. Das ging dann zu schnell unter.

Ich wieder…

Ihr seht also, „Rambo 5“ ist nicht unbedingt so einfach. Das größte Problem hat der Film einfach, dass er verzweifelt versucht, am Anfang eine richtige emotionale Geschichte zu erzählen, für der er sich aber keine Zeit nimmt. Irgendwann erinnert man sich hier dann wieder, dass John Rambo nicht wirklich für die großen Gefühle steht. Ich bin dennoch gespannt, ob Stallone noch einmal einen ordentlichen Rambo-Film machen wird. Einen würdigen Abschied hätte die Figur verdient – und Stallone kann das ja. Hat er immerhin mit „Rocky Balboa“ perfekt unter Beweis gestellt.

Wertung: 5 von 10 Punkten (versucht zu viel, scheitert an seiner Story, liefert aber Rambo-Gemetzel, wie man es gewohnt ist)

11 Kommentare leave one →
  1. 7. Oktober 2019 12:18

    Ich erinnere mich wie entsetzt die Kritiker bei Rambo 4 waren und nun das hier :))
    Immerhin darf er sich von Paz Vega gesund pflegen lassen :)) Schon klar, dass das alles nur Fassade ist um martialisch herumzuballern und auf alles zuschießen, was dem konservativen amerikanischen Feindbild entspricht. Erst waren es Vietnamesen, dann Thailänder, Burmesen (oder sagt man Myanmarer?) und nun sind wir in Mexiko angekommen. Man man.

    • donpozuelo permalink*
      7. Oktober 2019 14:35

      Paz Vega ist aber auch nur für gefühlte 5 Minuten da und dann wieder komplett unwichtig.

      Und ja, Rambo kommt ordentlich rum. Er findet überall die Bösen. Vielleicht kommt ja irgendwann noch ein sechster Film… dann mit Stallone im Rollator. 😅

      • 7. Oktober 2019 14:51

        Der kommt ganz sicher, wenn dieser ein Erfolg wird. Hat er bereits angekündigt :)))

        • donpozuelo permalink*
          7. Oktober 2019 17:23

          Dann sollte er das aber schnell machen. Sonst wird das mit dem Rollator noch Wirklichkeit. 😅

  2. 11. Oktober 2019 19:49

    Sehr interessanter Ansatz für eine Kritik – ich bin aber auf jeden Fall auf der Seite des Engelchens, da ich auch mit dem Finale so einige Probleme hatte….

    • donpozuelo permalink*
      12. Oktober 2019 13:43

      Hahahaha… kann ich ehrlich gesagt ziemlich gut verstehen. Der Film war schon schwer dumm und selbst das Finale war albern. Allein diese Nummer mit den Tunneln… 🙈 aber irgendwie hatte ich am Ende doch ein kleines bisschen Spaß an der Sache.

      • 12. Oktober 2019 18:50

        Wie? Hast du etwa kein zwei Kilometer langes Tunnelsystem unter deinem Anwesen? Dachte, das sei inzwischen Normalität ^^‘

        • donpozuelo permalink*
          12. Oktober 2019 20:05

          Hahahaha. Nicht wirklich. Aber ich werde demnächst anfangen. Damit ich dann auch vorbereitet bin, sie dann mit einem Mal kaputt zu machen. Halt für den Kick. 😅

        • 14. Oktober 2019 20:55

          …oder wenn halt ein paar mexikanische Menschenhändler bei dir einfallen. Kennt man ja, sowas ^^

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