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Reise zum Neptun

25. September 2019

Brad Pitt ist wieder da. Wer hätte es gedacht? Ich habe mich das letztens schon bei „Once Upon A Time… In Hollywood“ gefragt: Wo war eigentlich Brad Pitt die ganze Zeit über? Irgendwie hatte ich ihn schon lange nicht mehr auf dem Schirm. Aber das ist wohl der Zauber eines Tarantinos, er nimmt Darsteller, die man fast wieder vergessen hat und zieht sie aus seinem Hut. Gut, ich übertreibe extrem. Immerhin war Pitt in jedem der vergangenen Jahre zumindest mit einem Film im Kino. Ich habe nur nie einen davon gesehen (außer „Deadpool 2“, wenn man den für diesen Bruchteil einer Sekunde überhaupt zählen darf), deswegen war ich schon fasziniert, dass Pitt kurz nach Tarantino schon wieder mit einem Film im Kino landet. Dieses Mal als Astronaut in „Ad Astra“.

Ingenieur Roy (Pitt) überlebt nur knapp einen Unfall, der durch eine mysteriöse Energiewelle ausgelöst wurde. Dieses Ereignis bedroht nun das Leben auf der Erde… und Roys Vater Clifford (Tommy Lee Jones) scheint etwas damit zu tun haben. Er war Leiter des Lima-Projekts, das zum Neptun reiste, um nach außerirdischem Leben Ausschau zu halten. Nun wird Clifford für die Energiequellen verantwortlich gemacht… und sein Sohn, der seinen Vater seit zig Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat, soll dabei helfen. Ein brisante Mission startet, von deren Gelingen das Wohl der Menschheit abhängt.

„Apocalypse Now… in Space“ – das war nach etwa einer halben Stunde mein erster Gedanke. Ich hatte im Vorfeld viele Vergleiche über „Gravity“, „2001“ und „Interstellar“ gelesen, aber am ehesten passt für mich dann doch der Vergleich zu „Apocalypse Now“: Ein Mann wird auf eine lange Reise geschickt, um zu einem anderen Mann zu gelangen, der möglicherweise den Verstand verloren hat. Auf dem Weg dahin sinniert der Mann über seine Rolle in dieser Mission und über sein Ziel. Statt kleinem Kutter auf einem Fluss mitten in Vietnam gibt’s hier nun Raumschiffe im All. Was mir anfangs noch wirklich gut gefallen hat… vor allem, weil sich Regisseur und Drehbuchautor James Gray auch wirklich gute Gedanken zum Thema Science in seinem Science-Fiction gemacht hat. Das wirkt alles sehr glaubwürdig… nun ja, bis zu dem Punkt, an dem er ein bisschen „Mad Max: Fury Road“ auf dem Mond spielt und das Ganze für einen kurzen Augenblick extrem albern wirkt (diese Szene hatte mich schon im Trailer gestört und in voller Länge war sie irgendwie noch überflüssiger – beziehungsweise nicht überflüssig, weil das Thema interessant ist, es wird aber so kurz angeschnitten, dass es irrelevant ist, obwohl es rein theoretisch genug Stoff für einen eigenen Film liefern würde).

Das größte „Problem“ hatte ich tatsächlich mit Roy selbst. Er wird uns als extrem ernster Mann vorgestellt, der selbst in stressigen Situationen einen ruhigen Kopf behält, dafür aber Schwierigkeiten hat, seine Gefühle zu äußern (weswegen die Beziehung zu seiner Frau, gespielt von Liv Tyler in einer Mini-Mini-Rolle, in die Brüche geht). Dieser Mann ist unser persönlicher Anker in dieser Geschichte. Um ihn dreht sich alles… und irgendwann haben wir wirklich nur noch ihn auf seiner einsamen Reise zum Neptun. Leider gelingt es James Gray nicht, die Figur des Roy tief genug auszuloten. Ich hatte immer das Gefühl, all die Sachen, die ich brauchte, um mit ihm emotional eine Bindung einzugehen, wurden viel zu kurz angerissen. Die ganze Geschichte mit seinem Vater war mir am Ende viel zu schwach, als das sie mich wirklich berührt hätte… und das ärgert mich. Weil ich genau weiß, dass „Ad Astra“ durchaus das Potenzial gehabt hätte, mich zum Heulen zu bringen.

Der Film hat tolle Bilder und Brad Pitt spielt auch sehr stark auf, aber so ganz hat mich der Film einfach nicht gepackt. Sein ganzes Voice-Over fühlte sich irgendwann an, als wäre es nachträglich dazugeschrieben, um dem Film noch ein bisschen mehr Inhalt zu geben… aber diese ganze Odyssee durchs All hatte am Ende für mich einfach nicht die Emotionalität, die ich gebraucht hätte. Was schade ist, hat der Film doch wirklich alles, um eigentlich perfekt zu sein…

Wertung: 6 von 10 Punkten (diesem Film fehlt das gewisse Etwas…)

3 Kommentare leave one →
  1. 2. Oktober 2019 20:40

    Ich bin ja auch etwas gespalten, während Mann begeistert war. Naja der Streifen war extrem entschleunigt und selbst für mich als Off-Stimmen-Liebhaberin war das etwas zu viel des Guten. Nichtsdestotrotz muss ich die Verfolgungsjagd auf dem Mond verteidigen. Hat für mich unterstrichen, dass sich Menschen nie ändern und dass Roy wirklich sehr pragmatisch ist, als er den toten Führungsoffizier einfach vom Wagen geworfen hat und gemeldet, wo sie ihn finden können :))
    Die Beziehung zum Vater, ja, fand ich so glaubwürdig und was hätte da noch laufen sollen? War doch alles gesagt zwischen den beiden; wirklich alles.

    • donpozuelo permalink*
      2. Oktober 2019 21:29

      Das mit der Off Stimme war wirklich irgendwann zu viel. Wirkte ein bisschen wie nachträglich eingefügt.

      Ja… das mit der Mondjagd kann ich verstehen, ich mochte die Szene trotzdem nicht 😅

      Und ja, okay… viel mehr hätten sie sich wohl nicht sagen können. Aber wirklich spannend fand ich das nicht. Hab nie so seine Emotionen zu seinem nie für ihn da gewesenen Vater verstanden…

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  1. 2019 | Going To The Movies

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